Was lest ihr gerade? V2.0

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Thunderforce
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von Thunderforce »

Kin Stanley Robinson - New York 2140

Der dritte Roman, den ich von ihm lese (nach "2312" und "Das Ministerium für die Zukunft") und bisher der für mich beste. Spielt, wie man anhand des Titel vielleicht vermuten könnte, in New York im Jahre 2140. Durch das Abschmelzen der Polkappen im 21. Jahrhundert ist der Meeresspiegel in zwei Wellen um insgesamt 15 Meter gestiegen, die Landkarte sieht also anders aus als vorher und weite Teile New Yorks stehen unter Wasser. Es wird aber trotzdem noch bewohnt und ist zu so einer Art Super-Venedig geworden. Es gibt insgesamt sechs Handlungsstränge, die jeweils wie die handelnden Hauptpersonen betitelt sind, und deren Geschichten abwechselnd erzählt werden, wobei sich einige der Stories von Beginn an überlappen und irgendwann alle zueinanderfinden. Schauplatz ist der Met Tower in New York, inzwischen ein reines Wohngebäude, das (wie viele andere der Gebäude auch) von seinen Bewohnern zu einer Art selbstverwalteten Genossenschaft umfunktioniert wurde, inkl. eigener Farm-Etage, Gemeinschaftsspeisesaal usw. - Bin jetzt zu 2/3 durch und angemessen begeistert. Robinson hat viele tolle und originelle Ideen, einen schönen Schreibstil und offenbar ja auch Ahnung von Themen wie Klimawandel und solchen Dingen wie Hedgefonds, Marktwirtschaft und Kapitalismus, auf die zwischendrin immer mal wieder eingegangen wird, um zu zeigen, warum die Situation in dem Buch eigentlich ist, wie sie ist.
Zwischendrin macht das Buch ab und an sogar fast ein wenig Hoffnung, dass die Welt vielleicht trotz ihres Zustandes doch noch nicht komplett im Arsch ist, wenn man sieht, wie die Menschheit im Buch auf die Herausforderungen ihres selbstherbeigeführten Fast-Untergangs reagiert hat. Auch mal nett.
So oder so aber auf jeden Fall richtig gut und nachdem ich ja auch vom "Ministerium" ziemlich begeistert war, werde ich mich dann als nächstes wohl doch mal an der Mars-Trilogie von Robinson versuchen.


Davor hatte ich über den Sommer/Herbst die bisherigen vier Romane von Thomas Olde Heuvelt gelesen, den im DF-Forum jemand abgefeiert hatte. Ein niederländischer Autor, der Horror-Romane schreibt. Hab sie in der Reihenfolge gelesen, in der sie erschienen sind. Die Romane atmen alle mehr oder weniger leichtes King-Feeling, ohne aber natürlich an den heranzukommen. Dennoch fand ich zumindest drei der Romane durchaus empfehlenswert, auch wenn sie manchmal auch Schwächen haben. Reviews dazu:


Hex
Der erste. Spielt in einer amerikanischen Kleinstadt in der Jetztzeit. Die Dorfbewohner müssen sich damit arrangieren, dass es eine Hexe gibt, die ab und an unvermittelt, fast wie eine Projektion, irgendwo auftaucht und die offenbar gefährlich ist, obwohl sie nur herumsteht und nichts macht, solange man nicht mit ihr interagiert. Besagte Hexe wurde hunderte von Jahren vorher als ebensolche in dem Ort umgebracht, aber ist halt irgendwie immer noch da. Es gibt ein Komitee in der Stadt, das sich mit nichts anderem als der Geheimhaltung der Sache befasst und zum Beispiel immer dann, wenn die Hexe irgendwo unvermittelt aufpoppt (meist bleibt sie dann an der Stelle für ein paar Tage) zum Beispiel Straßensperren errichtet oder irgendwas um die Hexe herum aufbaut, damit diese von Nicht-Dorfbewohnern bloß niemals gesehen wird. Es geht im 2. Teil des Buches amtlich zur Sache und das war dann gegen Ende ein wenig übertrieben, ansonsten fand ich das Buch ziemlich gut. Es ist schon Horror und auch düster, hat aber auch ein paar humorvolle Aspekte.


Orakel
Eines Tages taucht mitten in einem holländischen Tulpenfeld in einem Küstenort ein riesengroßes, offenbar altes Segelschiff auf. Es gibt keine Spuren, wie es dahingekommen sein könnte, es steht einfach da und keiner weiß, wo es hergekommen ist. Zwei Schüler, die es auf dem Weg zur Schule als erstes entdecken, klettern rein (bzw. einer von ihnen) und kommt nicht mehr raus. Das ist die Prämisse. War ne Zeitlang recht gut, aber in der zweiten Hälfte wird es zunehmend verworren und abstrus und driftet mir zu sehr in irgendeine Esoterik-Ecke ab. Zudem wurde eine Figur aus "Hex" hier reingeschrieben, was mir ein bisschen erzwungen vorkam. In Summe ganz okay, aber kann man IMO am ehesten weglassen.


November
Hier merkt man den King-Einfluss am deutlichsten. Spielt wieder in Amerika in einer Straße in einer Stadt. 11 Monate im Jahr sind die Bewohner glücklich, haben keine Sorgen und im Leben überdurchschnittlich viel Erfolg oder Talent in dem, was sie tun. Nur im November bricht ihre Welt zusammen und sie müssen für das Glück, das sie im restlichen Jahr haben, bezahlen. Wie, wo, warum und bei wem, erfährt man dann. Hat mir auch gut gefallen, allerdings berührt der Roman Themen wie bipolare Störung (eine der Bewohnerinnen hat das und bei der Prämisse kann man sich ja denken, wie es ihr ergeht), Selbstverletzung und Selbstmord und ist dabei nicht immer äh... feinfühlig. Teilweise vielleicht, wenn man von den Themen getriggert wird, ein wenig krass und auch oberflächlich. Ansonsten (das trifft auch auf "Hex" und "Orakel" zu) sind die Figuren oft nicht besonders tief angelegt, sondern eher Abziehbilder und Klischees. Hier liegt IMO auch der entscheidende Unterschied zu Stephen King, denn von den Ideen her ist das IMO schon alles mit ihm vergleichbar. Aber Worldbuilding und vor allem das Schreiben von Figuren, zu denen man eine Beziehung aufbauen kann, beherrscht Heuvelt klar weniger gut.


Echo
Bisher klar der eigenständigste der Romane und auch der, der mir am besten gefallen hat. Es geht um ein schwules Pärchen, einer ist Niederländer, (Nick) der andere Amerikaner (Sam). Nick hat als große Leidenschaft das Bergsteigen, was Sam überhaupt nicht teilt und es auch überhaupt nicht gutfindet, weil er bei den Expeditionen seines Freundes immer mit der Sorge lebt, dass diesem etwas passiert und er nicht zurückkommt. Eines Tages kehrt Nick von einer Expedition in den Schweizer Alpen zurück, allerdings schwerst verletzt und im Gesicht entstellt, während sein Kumpel, mit dem er halt diese Touren immer macht, auf dem Berg geblieben zu sein scheint (im Sinne von er ist tot *g*). Nick ist zudem offenbar auch komplett verändert und scheint nicht mehr er selbst zu sein.
Die Story ist teilweise aus der Ich-Perspektive Sams geschrieben, teilweise sind es Aufzeichnungen von Nick. Ich fand den Spannungsaufbau sehr gut, es passiert die meiste Zeit eigentlich sehr wenig und vermutlich wiederholt sich auch einiges, aber mich hat die Stimmung und der ganze Aufbau sehr gefesselt. Ganz große Schwäche ist aber der Schreibstil von Sam, der unendlich Anglizismen (das ist das falsche Wort, aber ich kenn das richtige nicht *g* - er baut in einer Tour englische Begriffe und Redewendungen in seinen Text ein) verwendet. Ständig ist irgendwas on point, er ist literally verzweifelt, feelt jemanden oder erlebt einen What the Fuck-Moment usw. - Irre, wieviele dieser Wendungen es gibt, wenn man sie mal alle gebündelt vor sich hat LOL. Das nervte mich zum Teil erheblich, weil es im Grunde pro Seite mindestens einen gibt. Das ist IMO die große Schwäche dieses Buchs. Ich vermute, dem ein oder anderen wird hier viel zu wenig passieren und es sich viel zu sehr ziehen, mich hat aber diese Story halt irgendwie gepackt, deswegen war mir das egal, dass man sie vermutlich auch auf 200 Seiten weniger hätte erzählen können.

In Summe: Die Heuvelt-Bücher sind alle okay bis gut, nichts kommt an King heran, aber es ist auch nicht so eine Groschenroman-Scheiße wie meinetwegen Fitzek. Quasi die Definition von Urlaubslektüre, die man pro Buch mal eben so in wenigen Tagen weglesen kann. Tiefgang oder Hochliteratur sollte man aber nicht erwarten, eher literarisches Popcorn-Kino. Das dann aber eben schon zumindest auf Emmerich-Niveau und nicht auf dem von The Asylum. :D
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Hyronimus
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von Hyronimus »

Ich habe jetzt nach Jahrzehnten der Prokrastination endlich mit Thomas Manns "Der Zauberberg" angefangen. Ich hatte vor Ewigkeiten "Der Tod in Venedig" gelesen, weil man von Mann halt mal was gelesen haben sollte und das so schön kurz war, und war völlig unterwältigt. Dementsprechend habe ich um Mann lange einen großen Bogen gemacht, bis ich vor zwei Jahren aus einer Laune heraus mit den Buddenbrooks angefangen habe und wider Erwarten innerhalb kürzester Zeit mit dem Ding durch und völlig begeistert war.

Und trotzdem habe ich um den Zauberberg weiter herumprokrastiniert, was völlig bescheuert war, aber manchmal lernt man halt nicht aus seinen Fehlern. Fazit nach ca. einem Drittel: Phä-no-me-nal! Jede Lobeshymne auf das Ding ist mehr als gerechtfertigt, das ist stilistisch und inhaltlich völlig brillant.

Die Story ist bekannt, glaube ich: Hans Castorp, der gerade mit seinem Schiffsbaustudium fertig ist, besucht vor Antritt seiner ersten Stelle auf Anraten seines Hausarztes seinen Cousin Joachim in einem Sanatorium in Davos - und bleibt da halb unfreiwillig, aber vor allem mit voller Absicht mehrere Jahre. Und Mann schafft es, den eigentlich völlig langweiligen, banalen Sanatoriumsalltag dermaßen mit skurrilen Charakteren und Situationen vollzustopfen, dass sich das wegliest wie ein Thriller. Es ist echt unfassbar, wie oft ich auf den ersten 300 Seiten schon innerlich über Hans Castorps völlig beklopptes Kopfkino bezüglich seiner angeschmachteten Madame Chauchat vom guten Russentisch und über Hofrat Behrens völlig unangebrachten Kasernenton seinen Patienten gegenüber jubiliert habe.

Ich gehe davon aus, dass sich an der Begeisterung nichts mehr ändern wird, der beste und meistzitierte Charakter, Mynherr Peperkorn ist ja bis jetzt noch nicht mal aufgetreten und ich kann die (vermutliche) Großartigkeit kaum erwarten. Das ist alles ganz, ganz groß und ich kann's jedem, der sich nicht an Manns etwas antiquiertem Stil stört, nur wärmstens ans Herz legen. Und ich bereue es, den Zauberberg so lange vor mir hergeschoben zu haben, obwohl mich diverse Studienkollegen vor 25+ Jahren fast schon bekniet haben, das Ding zu lesen. Aber dafür habe ich jetzt umso mehr Spaß.
Zuletzt geändert von Hyronimus am 09.01.2026 12:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von costa »

Ich mag Mann eigentlich recht gerne (die restliche Familie auch, "Der Untertan" und "Mephisto" fand ich beide super). "Der Tod in Venedig" habe ich als eine der erträglicheren Schullektüren in Erinnerung und an den "Buddenbrooks" hatte ich vor eineinhalb Jahren oder so auch sehr Spaß. An den "Zauberberg" hab ich mich bislang nicht getraut, aber wird schon noch kommen.
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von NegatroN »

*notier* @ Newy York 2140

Von Tod in Venedig hab ich ein Schultrauma, das fand ich fast so schlimm wie Effie Briest. Mit dem Zauberberg hat man uns als Verfilmung gequält, das hat nichts besser gemacht. Der Untergang von seinem Bruder ist aber sehr gut.
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von Schnabelrock »

Hyronimus hat geschrieben: 09.01.2026 10:34 Ich habe jetzt nach Jahrzehnten der Prokrastination endlich mit Thomas Manns "Der Zauberberg" angefangen. Ich hatte vor Ewigkeiten "Der Tod in Venedig" gelesen, weil man von Mann halt mal was gelesen haben sollte und das so schön kurz war, und war völlig unterwältigt.
Als Schüler hab ich zwar schon die Sprache verehrt, aber alles von ihm inhaltlich farblos, geschraubt, überholt und weit weg gefunden. Das hat sich mit den Jahren sehr geändert. Meine Hypothese ist, dass man für Thomas Mann erwachsen sein muss und einigen Horizont und Erfahrungen gesammelt haben sollte. Vermute, das ist auch, was bei Dir geschehen ist.
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von Furor »

Vielleicht sollte ich es mit dem Zauberberg dann auch nochmal probieren. Vor über 20 Jahren hab ich zwei Versuche gestartet und fand das Buch so zäh, dass ich es abbrechen musste. Vorher hatte ich die Buddenbrooks in wenigen Tagen durchgelesen, weil es einfach so gut war. Von daher war dann der Zauberberg schon eine kleine Enttäuschung.
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Plexus
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von Plexus »

Ich habe den Zauberberg auch kürzlich gelesen. Dass man von Mann mal was gelesen haben sollte, dachte ich mir auch, weil er ja jetzt zu seinem 150. Geburtstag wieder in aller Munde war.

Man muss wohl schon literaturinteressiert sein, um Lust zu haben, so was heutzutage zu lesen. Sicher nicht für jeden das Richtige. Ich fand es aber auch gut.
Es gibt unendlich viel Hoffnung − nur nicht für uns. (Franz Kafka)
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Rotstift
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von Rotstift »

Wenn wir grade bei Büchern sind:
Mille millions de mille sabords!

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Im übrigen bin ich der Meinung dass die AfD der politische Arm des Rechtsterrorismus ist.
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Windfall
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von Windfall »

*lol*

Wie alt ist das Video mittlerweile? An die 15 Jahre, oder?
The artist formerly known as Deornoth.

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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von Rotstift »

Und wenn du jetzt bedenkst, dass ich mir Game of Thrones im Erscheinungsjahr gekauft habe....
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von Rotstift »

Thunderforce hat geschrieben: 09.01.2026 10:01 Kin Stanley Robinson - New York 2140

Der dritte Roman, den ich von ihm lese (nach "2312" und "Das Ministerium für die Zukunft") und bisher der für mich beste. Spielt, wie man anhand des Titel vielleicht vermuten könnte, in New York im Jahre 2140. Durch das Abschmelzen der Polkappen im 21. Jahrhundert ist der Meeresspiegel in zwei Wellen um insgesamt 15 Meter gestiegen, die Landkarte sieht also anders aus als vorher und weite Teile New Yorks stehen unter Wasser. Es wird aber trotzdem noch bewohnt und ist zu so einer Art Super-Venedig geworden. Es gibt insgesamt sechs Handlungsstränge, die jeweils wie die handelnden Hauptpersonen betitelt sind, und deren Geschichten abwechselnd erzählt werden, wobei sich einige der Stories von Beginn an überlappen und irgendwann alle zueinanderfinden. Schauplatz ist der Met Tower in New York, inzwischen ein reines Wohngebäude, das (wie viele andere der Gebäude auch) von seinen Bewohnern zu einer Art selbstverwalteten Genossenschaft umfunktioniert wurde, inkl. eigener Farm-Etage, Gemeinschaftsspeisesaal usw. - Bin jetzt zu 2/3 durch und angemessen begeistert. Robinson hat viele tolle und originelle Ideen, einen schönen Schreibstil und offenbar ja auch Ahnung von Themen wie Klimawandel und solchen Dingen wie Hedgefonds, Marktwirtschaft und Kapitalismus, auf die zwischendrin immer mal wieder eingegangen wird, um zu zeigen, warum die Situation in dem Buch eigentlich ist, wie sie ist.
Zwischendrin macht das Buch ab und an sogar fast ein wenig Hoffnung, dass die Welt vielleicht trotz ihres Zustandes doch noch nicht komplett im Arsch ist, wenn man sieht, wie die Menschheit im Buch auf die Herausforderungen ihres selbstherbeigeführten Fast-Untergangs reagiert hat. Auch mal nett.
So oder so aber auf jeden Fall richtig gut und nachdem ich ja auch vom "Ministerium" ziemlich begeistert war, werde ich mich dann als nächstes wohl doch mal an der Mars-Trilogie von Robinson versuchen.

Das solltest du unbedingt tun!
Mille millions de mille sabords!

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Im übrigen bin ich der Meinung dass die AfD der politische Arm des Rechtsterrorismus ist.
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von Rivers »

Diese „feine Ironie“ von Thomas Mann tut mir manchmal im Arsch weh und daher habe ich das Buch auch nicht weitergelesen. :prost:

Dann lieber das verträumt quälerische von Proust aber das stockt auch vor sich hin.
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von NegatroN »

Über Weihnachten gelesen: Homer - Die Odyssee

Teilweise parallel die Vers-Version von Voß und die Prosa-Version von Ulrich Karger, irgendwann dann aber nur noch die zweite. Die ist inhaltlich sehr nah an der Gedichtfassung dran und verliert da eigentlich nichts. Die Geschichte war weitestgehend bekannt, tatsächlich hatte ich es aber nie gelesen und war deswegen auch angesichts der Details und des generellen Ablaufs stellenweise überrascht. Nun ist das Ganze natürlich DER Prototyp aller Heldenerzählungen in der westlichen Hemisphäre und damit schon interessant. Darüber hinaus gibt es mir aber wenig. Odysseus ist ein Arsch und obendrein auch eher die Marionette von Athene als der listenreiche Held, er hat keine Charakterentwicklung, hurt, lügt und betrügt und das alles gipfelt in einer eher sinnlosen Gewaltorgie. Andere Figuren sind noch mehr Marionette als er. Na ja.

Ich bleibe trotzdem erst mal bei Klassikern, weil ich zwischen dem Überlegen, was das nächste Buch sein wird, Frankenstein auf dem Kindle gefunden hab. Das hatte ich irgendwann mal gekauft und vergessen, jetzt hab ich die ersten Kapitel gelesen. Mehr demnächst.
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von Maedhros »

NegatroN hat geschrieben: 23.01.2026 08:07 Über Weihnachten gelesen: Homer - Die Odyssee

Teilweise parallel die Vers-Version von Voß und die Prosa-Version von Ulrich Karger, irgendwann dann aber nur noch die zweite. Die ist inhaltlich sehr nah an der Gedichtfassung dran und verliert da eigentlich nichts. Die Geschichte war weitestgehend bekannt, tatsächlich hatte ich es aber nie gelesen und war deswegen auch angesichts der Details und des generellen Ablaufs stellenweise überrascht. Nun ist das Ganze natürlich DER Prototyp aller Heldenerzählungen in der westlichen Hemisphäre und damit schon interessant. Darüber hinaus gibt es mir aber wenig. Odysseus ist ein Arsch und obendrein auch eher die Marionette von Athene als der listenreiche Held, er hat keine Charakterentwicklung, hurt, lügt und betrügt und das alles gipfelt in einer eher sinnlosen Gewaltorgie. Andere Figuren sind noch mehr Marionette als er. Na ja.
Ich habe jetzt mit der Ilias angefangen, weil ich von dem Stoff außerhalb von dem, was man eben so mitbekommt, eigentlich nichts kenne. Ich glaube, daran wie an eine zeitgenössische Geschichte heranzugehen und Charakterentwicklung und einen halbwegs intakten moralischen Kompass zu erwarten, ist die falsche Herangehensweise. Ich gehe mal nicht davon aus, dass es mich vom Storytelling begeistern wird und habe eher geschichtliches Interesse, sowohl für die Entstehungszeit als auch den Einfluss, den die Erzählungen im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts hatten.
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Re: Was lest ihr gerade? V2.0

Beitrag von NegatroN »

Maedhros hat geschrieben: 23.01.2026 15:32Ich habe jetzt mit der Ilias angefangen, weil ich von dem Stoff außerhalb von dem, was man eben so mitbekommt, eigentlich nichts kenne. Ich glaube, daran wie an eine zeitgenössische Geschichte heranzugehen und Charakterentwicklung und einen halbwegs intakten moralischen Kompass zu erwarten, ist die falsche Herangehensweise. Ich gehe mal nicht davon aus, dass es mich vom Storytelling begeistern wird und habe eher geschichtliches Interesse, sowohl für die Entstehungszeit als auch den Einfluss, den die Erzählungen im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts hatten.
Ja, klar. Ich hatte letztlich nichts anderes erwartet. Auf der Schule hatte ich Latein und Griechisch, ich hab solche Sachen auch schon in Teilen im Original gelesen. Mir war also schon klar, was ich da lese. Nichtsdestotrotz kann ich halt wenig damit anfangen, auch wenn es ein spannendes Zeitdokument und im Prinzip die Grundlage für alles ist, was ich geil finde. Aber ich hatte zumindest die Hoffnung, dass mich irgendwas daran auch packt. Dass da so gar nichts war, das war wahrscheinlich die Enttäuschung daran.
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