Hoff hört - Ein Reviewthread

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Thunderforce
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Re: Hoff hört - Ein Reviewthread

Beitrag von Thunderforce »

Huld @ Review

Gebe ich mir die Tage mal, wenn es das echt bei Spotify gibt.
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Rivers
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Re: Hoff hört - Ein Reviewthread

Beitrag von Rivers »

Oh, ein '82er Bootleg von Maiden? :D

Cooles Review.

Das Konzert ist doch das mit dem Video, oder?
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Apparition
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Re: Hoff hört - Ein Reviewthread

Beitrag von Apparition »

Rivers hat geschrieben:Oh, ein '82er Bootleg von Maiden? :D

Cooles Review.

Das Konzert ist doch das mit dem Video, oder?
Ja, das ist das. Ich hab gestern abend extra die Early Days-DVD aus dem Regal gezogen, weil das da auch drauf ist. Leider nur gekürzt, "Killers", "Wrathchild" und "Phantom..." fehlen z.B.

Aber sonst stimmt das alles. Die waren damals wirlich on fire, auch wenn ich den Eindruck habe, dass hier und da schwer nachbearbeitet wurde. So perfekt kann man live mit der Power eigentlich nicht klingen.

Die Show aus der Westfalenhalle ein Jahr später ist genauso empfehlenswert, da drehen sie auch gut am Rad.
Ihr macht Euch das zu einfach. Ihr versucht hier immer, beide Seiten zu verstehen.
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Frank2
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Re: Hoff hört - Ein Reviewthread

Beitrag von Frank2 »

Sehr geiles Review.
Ob es das beste Livealbum von Maiden ist ?
Schwer zu sagen, eines der besten in jedem Fall.
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Mausepeter
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Re: Hoff hört - Ein Reviewthread

Beitrag von Mausepeter »

David Lee Hasselhoff hat geschrieben: 22.09.2019 20:51 Iron Maiden – Beast Over Hammersmith

Es hat unbegreiflich lange gedauert, bis ich diesem Gottwerk überhaupt mal ne faire Chance gegeben habe. Ursprünglich in der streng limitierten Eddie’s Archive Box enthalten, fand das Album über Spotify mittlerweile ganz legal den Weg zum breiteren Publikum. So richtig gejuckt hat mich das nie, denn neben der obligatorischen Live After Death war mein Lieblings-Maiden-Live-Dokument ein Bootleg aus dem New Yorker Palladium – wie Beast Over Hammersmith ebenfalls von der 82er Tour. Bedarf gedeckt, dachte ich mir. Den Bootleg finde ich immer noch ganz stark, aber im Vergleich mit BOH sieht er kein Land.

Die Show im Hammersmith ist geprägt von einer unglaublichen Energie. Bruce ist in einer danach nie mehr erreichten Topform - wo er auf Live After Death hörbar um die Töne kämpft, wirkt es hier eher so, als hätte er Mühe die Power seiner Stimme zu drosseln. Fast so viel fieses Gekeife wie auf No Prayer und Fear Of The Dark, aber mit schier unendlicher Power. Das reicht fast an den Wahnwitz ran, den Rob Halford Anfang und Ende der 80er abgeliefert hat. Sehr, sehr cool. Einziges Manko: seine Ansagen sind ziemlich kacke. Neben Bruce spielt sich Clive Burr in den Vordergrund, in den Rausch! Ein viel zu wenig gewürdigter Drummer. Was er auf BOH abzieht ist Irrwitz. Er wusste offenbar auch nicht wohin mit der ganzen Energie. Die Kick wird erbarmungslos durchgetreten, die Snare geschwartet, als würde sie ihm Geld schulden - dabei aber nie die Musik aus dem Auge verlierend. Bei Hallowed Be Thy Name spielt er die Strophen über so gemein zurückhaltend, als würde er sich hinterlistig die Zähne fletschen, wohlwissend, dass er im Soloteil und über den garstigen Riff direkt danach richtig fies draufkloppt. Ultimative Version dieses verdammten Songs.

Dave und Adrian haben einen perfekten Gitarrensound. Der ist auf The Number Of The Beast ja schon zum niederknien, aber hier klingt’s nicht nur ne Spur fetter, sondern halt auch rauer. Besser kann diese Band nicht klingen. Und das ganz ohne Martin Birch. Die Kick ist vermutlich lauter als auf jedem anderen Album der Band. Gut so. Um mal den Vergleich zu ziehen: Nickos Fußarbeit weckt bei mir Assoziationen an Muhammad Ali. Immer tänzelnd, kaum Bodenkontakt, blitzschnell und leichtfüßig, der Musik folgend. Clive hingegen stampft zielstrebig durch’s Mittelfeld wie einst Lothar Matthäus gegen Jugoslawien. Zu 22 Accacia Avenue dann auch gerne mal mit der Doublebass. Was Bruce wiederum zu einem Grunzversuch hinreißt. Es ist die schiere Geilerei. Man hört richtig, wie sich die Band gegenseitig aufpeitscht.

Dabei fängt es noch relativ unspektakulär an. Murders In The Rue Morgue und Wrathchild klingen gut aber nicht herausragend, wobei Bruce in Wrathchild schon die erste Duftmarke mit einem abartigen Schrei setzt. Mit Run To The Hills kommt die Band langsam in Fahrt. Ab Children Of The Damned wird es dann vorsätzlich. Number Of The Beast wird rauschhaft niedergerockt. Bei Another Life drängelt sich Clive wieder an Bruce vorbei und prügelt sein Drumkit in Grund und Boden.

An Bruce wird ja gerne bemängelt, dass er die frühen Songs nicht so überzeugend hinbekommt wie Paule. Eigentlich bin ich auch ein Vertreter dieser These. Was er allerdings mit Killers veranstaltet ist nicht von dieser Welt. Im Intro lassen die Schreie schon keine Zweifel wo die Reise hingeht und beim verdammten letzten Refrain hat man das Gefühl, Bruce würde mit dem Messer durch die Boxen in die Kemenate stürmen. Genauso aggro muss das klingen! Es geht nicht besser. Einer der geilsten Momente in der gesamten Diskographie. Auch Phantom Of The Opera wird so brutal runtergeknüppelt und -gekotzt, dass es eine Pracht ist. Beste Version, ohne Streit! Total Eclipse - wieder so ein Fall von übertriebener Härte.

Das Album ist der Sweetspot zwischen siffigem Londoner Rowdytum, Messerstechereien, Nutten, Koks (viel Koks), Kotzflecken auf den Schuhen und satanistischen Klischees. Mehr Metal als auf diesem Album waren Maiden nie. Die Band brennt. Die Hütte brennt. Das verdammte Album BRENNT! Live After Death hat natürlich mehr Lametta und klingt deutlich erhabener mit einer vielleicht noch besseren Setlist. An den Testosteronpegel von Beast Over Hammersmith kommt es aber nicht ran. Zum vollständigen Glück auf Erden braucht man beide.

Edit: Mea culpa! Doch nicht auf Spotify :( Youtube schafft Linderung.
Tolles Review! Die muss ich hören.
Mausepeter, ich habe beide Arme in der Wäsche!
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