Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von infected » 01.08.2016 09:36

Ich weiß ja immer noch nicht so recht, was ich von der gestrigen Demo in Köln (und ihren Teilnehmern) samt der dazugehörigen Hyperventilation wegen der Rede Erdogans, die nicht stattfinden konnte, halten soll. Erst die gestrigen Ansagen von türkischem Außenminister und dem Sprecher Erdogans (widerrechtliche/inaktzeptable Maßnahme, Abweichung von der Meinungsfreiheit und Demokratie, etc. das ganz dicke Kaliber halt), heute wird deswegen dann sogar noch der Botschafter bzw. dessen Vertreter einbestellt. Gleichzeitig wird ein Ultimatum bzgl der Visafreiheit in Zusammenhang mit dem Flüchtlingsabkommen gestellt (das natürlich kein Ultimatum sein soll). Der wenig diplomatische Teil, der eh die Welt brennen sehen will, würde sagen "Fuck you", aber damit kommt man ja bekanntlich nicht wirklich weit. Nur, wie geht man mit so etwas politisch/diplomatisch um, ohne sich von dem türkischen Präsidenten vor sich hertreiben zu lassen?
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von NegatroN » 01.08.2016 09:42

infected hat geschrieben:Ich weiß ja immer noch nicht so recht, was ich von der gestrigen Demo in Köln (und ihren Teilnehmern) samt der dazugehörigen Hyperventilation wegen der Rede Erdogans, die nicht stattfinden konnte, halten soll. Erst die gestrigen Ansagen von türkischem Außenminister und dem Sprecher Erdogans (widerrechtliche/inaktzeptable Maßnahme, Abweichung von der Meinungsfreiheit und Demokratie, etc. das ganz dicke Kaliber halt), heute wird deswegen dann sogar noch der Botschafter bzw. dessen Vertreter einbestellt. Gleichzeitig wird ein Ultimatum bzgl der Visafreiheit in Zusammenhang mit dem Flüchtlingsabkommen gestellt (das natürlich kein Ultimatum sein soll). Der wenig diplomatische Teil, der eh die Welt brennen sehen will, würde sagen "Fuck you", aber damit kommt man ja bekanntlich nicht wirklich weit. Nur, wie geht man mit so etwas politisch/diplomatisch um, ohne sich von dem türkischen Präsidenten vor sich hertreiben zu lassen?
Schwierig. Die Rückendeckung bei der eigenen Bevölkerung bestärkt ihn in seiner völlig verzerrten Selbstwahrnehmung. Solange das so ist, wird man kaum rationales Verhalten erwarten können. Das wird sich aber auch kaum einstellen, wenn die Unterstützung wegbrechen sollte. Ganz im Gegenteil könnte das die Situation noch schlimmer machen. Genau so denke ich, dass ein harter Konfrontationskurs des Westens eher kontraproduktiv ist. Vermutlich muss man mit ihm wirklich umgehen wie mit einem bockigen Kind. Also freundlich und bemüht im Ton, aber konsequent und bestimmt im Inhalt.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von Schnabelrock » 01.08.2016 09:44

Meine Hypothese ist eher, dass Erdogan und der bei SPON in dem Zusammenhang erwähnte Putin die Gemeinsamkeit haben, in ihren Ländern reichlich vorhandene, nationalistische und minderheitenfeindliche Stimmungen zu reiten, zu fördern und mit ihnen zu arbeiten. Tatsächlich ist das in vielen Ländern ein probates Mittel, über 50% Zustimmung zu erreichen und dann sehr plakativ auf Demokratie und Volkswillen zu verweisen. Andere unverzichtbare Bestandteile wie Minderheitenschutz werden im Zuge einer solchen Regierungsweise einfach als "vom Volk unerwünscht" weggefegt.

Der Unterschied zwischen beiden ist imo, dass Putin ein sehr kühler Kalkulator ist, der auf diese Weise bestimmte Ziele erreichen will, ohne sich persönlich in einem Dauerzustand nationaler und egozentrischer Überhitzung zu befinden. Bei Erdogan wirkt das anders.
Zuletzt geändert von Schnabelrock am 01.08.2016 09:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von M.o.D. » 01.08.2016 09:45

infected hat geschrieben:Ich weiß ja immer noch nicht so recht, was ich von der gestrigen Demo in Köln (und ihren Teilnehmern) samt der dazugehörigen Hyperventilation wegen der Rede Erdogans, die nicht stattfinden konnte, halten soll. Erst die gestrigen Ansagen von türkischem Außenminister und dem Sprecher Erdogans (widerrechtliche/inaktzeptable Maßnahme, Abweichung von der Meinungsfreiheit und Demokratie, etc. das ganz dicke Kaliber halt), heute wird deswegen dann sogar noch der Botschafter bzw. dessen Vertreter einbestellt. Gleichzeitig wird ein Ultimatum bzgl der Visafreiheit in Zusammenhang mit dem Flüchtlingsabkommen gestellt (das natürlich kein Ultimatum sein soll). Der wenig diplomatische Teil, der eh die Welt brennen sehen will, würde sagen "Fuck you", aber damit kommt man ja bekanntlich nicht wirklich weit. Nur, wie geht man mit so etwas politisch/diplomatisch um, ohne sich von dem türkischen Präsidenten vor sich hertreiben zu lassen?
Mir fallen dazu leider nur "Hätte...:" Positionen ein....

Hätte die EU sich auf einen vernünftigen Umgang mit dem Flüchtlingsstrom einigen können, hätte man H Erdogan nicht gebraucht.
Nun fühlt sich die Türkei groß und stark und kann stolz dass Maul aufreissen...

Hätte die die EU nach dem Flüchtlingsabkommen weiter an dem Problem gearbeitet, könnte man H Erdogan heute gepflegt sagen, was er die EU könne.

Ansonsten kann ich nur sagen:
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von Nagrach » 01.08.2016 09:47

Die 1000 Seiten sind erreicht, ich hab mal einen neuen aufgemacht.

Hier entlang bitte: https://forum.rockhard.de/viewtopic.php?f=17&t=103728
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von Thunderforce » 01.08.2016 09:50

Den hier fand ich gut:

http://www.harmbengen.de/toonpool/2016% ... 745475.jpg

Ansonsten keine Ahnung, was man da groß machen soll.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von M.o.D. » 01.08.2016 09:51

NegatroN hat geschrieben: Vermutlich muss man mit ihm wirklich umgehen wie mit einem bockigen Kind. Also freundlich und bemüht im Ton, aber konsequent und bestimmt im Inhalt.
Nun ja, Kindern muss man aber auch Grenzen setzten. Und zwar deutlich.
Das vermisse ich persönlich - und anscheinend nicht nur ich.
Oder - wenn ich nur Deutschland betrachte - die Regierung schafft es einmal mehr nicht, etwas in der Art der Bevölkerung zu vermitteln, das man dies getan hat.

Ich nehme, vielleicht liegt es an mir, von "denen da oben" nur Gewäsch in der Art "...kann nicht akzeptiert werden", "...tun alles" usw. wahr.
Aber das reicht mir nicht. Und vielen anderen Menschen anscheinend auch nicht.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von infected » 01.08.2016 09:54

Nagrach hat geschrieben:Die 1000 Seiten sind erreicht, ich hab mal einen neuen aufgemacht.

Hier entlang bitte: https://forum.rockhard.de/viewtopic.php?f=17&t=103728
Falls der neue genutzt wird, dann bitte den alten ins Museum verschieben.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von Tolpan » 01.08.2016 09:56

Warum sollen wir bei Seite 1.000 dicht machen?

Muckt der Thread denn technisch rum?
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von Nagrach » 01.08.2016 10:00

Tolpan hat geschrieben:Warum sollen wir bei Seite 1.000 dicht machen?

Muckt der Thread denn technisch rum?
Öhm, ich meinte mich zu erinnern, dass es mal ne Ansage gab, Threads nicht über 1000 Seiten anwachsen zu lassen, wegen Performance?
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von NegatroN » 01.08.2016 10:05

M.o.D. hat geschrieben:Hätte die die EU nach dem Flüchtlingsabkommen weiter an dem Problem gearbeitet, könnte man H Erdogan heute gepflegt sagen, was er die EU könne.
Es ist ja nicht nur der Flüchtlingsdeal. Die Türkei ist ganz unabhängig davon nicht nur ein wichtiger Handelspartner der EU (gerade auch für Deutschland), sondern spielt auch sicherheitspolitisch als NATO-Mitglied an der Außengrenze zu einer instabilen Region eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dann kommt auch noch der Punkt dazu, dass es hier schon einige Menschen mit türkischen Wurzeln gibt.

Eine Politik, die sich klar gegen die Person und Politik Erdogans richtet, aber nicht gegen die Türkei oder das Volk als solche, ist eben in der Realität deutlich schwieriger als ein ausgestreckter Mittelfinger.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von M.o.D. » 01.08.2016 10:06

Böser Vergleich meines Kollegen gerade:

Militärputsch in der Türkei = Reichstagsbrand.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von M.o.D. » 01.08.2016 10:08

NegatroN hat geschrieben:
M.o.D. hat geschrieben:Hätte die die EU nach dem Flüchtlingsabkommen weiter an dem Problem gearbeitet, könnte man H Erdogan heute gepflegt sagen, was er die EU könne.
Es ist ja nicht nur der Flüchtlingsdeal. Die Türkei ist ganz unabhängig davon nicht nur ein wichtiger Handelspartner der EU (gerade auch für Deutschland), sondern spielt auch sicherheitspolitisch als NATO-Mitglied an der Außengrenze zu einer instabilen Region eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dann kommt auch noch der Punkt dazu, dass es hier schon einige Menschen mit türkischen Wurzeln gibt.

Eine Politik, die sich klar gegen die Person und Politik Erdogans richtet, aber nicht gegen die Türkei oder das Volk als solche, ist eben in der Realität deutlich schwieriger als ein ausgestreckter Mittelfinger.
JAPP.
Aber ist es nicht so, dass es VOR dem Abkommen eine andere Art Dialog gab ?
Ich meine, Töne wie die Aktuellen vor 2-3 Jahren nicht gehört zu haben. Nun gut, vllt. wurden sie auch nicht öffentlich gemacht.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von NegatroN » 01.08.2016 10:12

M.o.D. hat geschrieben:Böser Vergleich meines Kollegen gerade:

Militärputsch in der Türkei = Reichstagsbrand.
Die Geschehnisse sind zwar nicht vergleichbar. Die Folgen davon sehe ich allerdings auch sehr ähnlich.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread

Beitrag von NegatroN » 01.08.2016 10:13

M.o.D. hat geschrieben:JAPP.
Aber ist es nicht so, dass es VOR dem Abkommen eine andere Art Dialog gab ?
Ich meine, Töne wie die Aktuellen vor 2-3 Jahren nicht gehört zu haben. Nun gut, vllt. wurden sie auch nicht öffentlich gemacht.
Töne von wem?
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