Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Das Ende)

Hier sammeln sich nur die Perlen an Threads, die niemals im Datennirvana verschwinden dürfen.
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Janeck
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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von Janeck » 02.09.2011 23:21

Platz 31

Cover

Fleurety - Min Tid Skal Komme

(Aesthetic Death, 1995) // Norwegen

Die Songs:
01. Fragmenter Av En Fortid (09:37)
02. En Skikkelse I Horisonten (11:33)
03. Hvileløs? (05:24)
04. Englers Piler Har Ingen Brodd (12:33)
05. Fragmenter Av En Fremtid (05:38)


Das Line-up:
Alexander Nordgaren - Guitar, vocals
Svein Egil Hatlevik - Drums, synth, vocals
Per Amund Solberg - Bass guitar
Marian Aas Hansen - Additional vocals



Neben VED BUENS ENDE, ARCTURUS, IN THE WOODS und SOLEFALD gehören FLEURETY aus Norwegen zu den frühen Vertretern des avantgardistischen progressiven Black Metal Mitte der Neunziger.
Nach dem 93er Demo “Black Snow“ und der höllisch intensiven EP “A Darker Shade of Evil“ aus dem Jahr 1994, erschien 1995 mit “Min Tid Skal Komme“ eines der bis heute bedeutendsten und anspruchsvollsten Black Metal Werke aus Norwegen.
Noch vor VED BUENS ENDEs Meisterwerk “Written In Waters“, formten FLEURETY auf ihrem Debüt avantgardistischen Black Metal mit einer starken progressiven Note.
Die Musik dieser beiden Norweger lässt sich nur sehr schwer in Worte beschreiben.
War auf der EP “A Darker Shade of Evil“ noch eigenwilliger Black Metal mit extrem geistesgestörtem Kreischgesang zu vernehmen, überraschten die Norweger auf “Min Tid Skal Komme“ mit ungewöhnlichen Songstrukturen und eigenwilligen Songideen.
Der 70er Jahre Progressive Rock siffte aus jedem der 5 Songs und die eigenartige Rhythmik dieser 45 Minuten, gehörten damals zu den abgefahrendsten Sachen im Black Metal.
Heute gibt es natürlich technisch, sowie songwriterisch anspruchsvollere Alben im Black Metal, aber 1995 waren FLEURETY mit ihrem Debüt eine Ausnahmeerscheinung innerhalb der Szene.
Gerade der dominante Bass-Sound kam einer kleinen Innovation im doch eher höhenlastigem Sound nah. Das Gleiche gilt für den herrlich ungewöhnlichen Frauengesang der Sängerin Marian Aas Hansen, der zur damaligen Zeit in der Szene einzigartig war.
Die Gitarrenarbeit ist schroff, schräg aber zugleich auch melodisch und fordernd.
Die teilweise irrwitzigen Basslinien disharmonieren fantastisch mit den eh schon sehr schrägen Riffs und die Breaks und Tempowechsel erzeugen eine Atmosphäre, in der man hin- und hergerissen wird.
„Fragmenter Av En Fortid” eröffnet das Album mit ruhigen Tönen, die Gitarre surrt ein hypnotisches Riff, der Bass röhrt rhythmisch dazu, alles steigert sich zu einem kurzweiligen harmonischen Teil, bis nach fast 4 Minuten verrückte Riffs, treibendes Schlagzeug und der finstere Kreischgesang einsetzt.
Melodie, Harmonie, Disharmonie, Breaks und Tempowechsel, Frauengesang und psychopathisches Gekreische - alleine wie geschickt diese ersten neuneinhalb Minuten des Albums aufgebaut sind, ist die reinste schwarzmetallische Offenbarung.
Doch dies war nur der Anfang eines großartigen Album.
Mit „En Skikkelse I Horisonten“ folgt ein schwarzes Psychogramm, die vertonte Abfahrt durch abstrakte Dimensionen.
Tristesser Frauengesang und aufrüttelnde Harmonien treffen auf ätherischen Black Metal und schwarze Leidenschaft, gefolgt von progressivem Kauderwelsch und disharmonischen Klangskulpturen. Das ist alles so schräg und neben der Spur und dennoch ist jede Sekunde unheimlich stimmig und der gesamte Song strahlt eine unbeschreibliche Schönheit aus.
„Hvileløs?“, fast durchweg instrumental, erinnert mit seinen pompösen Keyboards anfänglich an ARCTURUS, kontert aber bereits nach anderthalb Minuten wieder mit Synapsen sprengenden Arrangements, beisenden Gitarrenriffs und verstörender laut/leise Dynamik.
Auch „Englers Piler Har Ingen Brodd“ glänzt mit grandiosen Frauengesang, psychedelischen Riffs, leichten Keyboardflächen und einer gespenstischen Atmosphäre.
Auf “Min Tid Skal Komme“ stellt jeder Song ein kleines Kunstwerk dar. Beängstigend abwechslungsreich und gesegnet mit unerschöpflichen Sound- und Songideen.
Das abschließende „Fragmenter Av En Fremtid“ ist genauso ungewöhnlich wie das ganze Album.
Ruhige, leicht jazzige Momente, wieder veredelt durch Marian Aas Hansens wunderbaren Gesang, lassen dieses Kunstwerk leise ausklingen.
Bis heute ist mir kein weiteres Album im Black Metal bekannt, welches eine solche Ausstrahlungskraft besitzt, komplizierte aber trotzdem harmonische Songs bietet und gleichzeitig „revolutionär“ klingt.
“Min Tid Skal Komme“ war 1995 ein genresprengendes Kunstwerk, klingt nahezu zeitlos für Black Metal Verhältnisse und ist eines der Vorreiterwerke des heute so häufig zitierten Post-Black Metal.



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Sulfura
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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von Sulfura » 03.09.2011 02:15

Wieder eine mir bis dato völlig unbekannte Band kennengelernt. Das ist ja hier besser als jeder VHS-Kurs :)
Klingt ganz ordentlich, aber das gewisse etwas will sich beim Anhören nicht einstellen.

ObiHead
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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von ObiHead » 03.09.2011 11:56

Eines der wenigen Alben in deiner Liste, von denen ich noch nie was gehört habe. Liest sich sehr interessant.
The guy's great but christ, was he ever a fat cunt.

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Disbeliefer
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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von Disbeliefer » 03.09.2011 12:02

victimizer666 hat geschrieben:Fand die Band ja immer ziemlich überbewertet, bis sie am letzten Ragnarök live mich live in nem psychisch enorm angeschlagenen Moment dermaßen gepackt haben und die Musik mich so runtergezogen hat wie ich das noch NIE zuvor auch nur ansatzweise erlebt hab. Ich lag danach da wie ein Häufchen Elend.
Die waren da aber auch wirklich saugeil! Die Dämmerung hat aber auch einiges zur Show beigetragen... alles wirkte so fahl und unecht... total geil!
-13

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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von infected » 03.09.2011 12:37

ObiHead hat geschrieben:Eines der wenigen Alben in deiner Liste, von denen ich noch nie was gehört habe. Liest sich sehr interessant.
WTF du kennst die nicht? Die sind genau dein Ding. Definitiv ein absoluter Klassiker, den ich leider viel zu lange nicht mehr gehört habe.
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Nezyrael
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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von Nezyrael » 03.09.2011 12:53

Sehr starkes Teil.
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victimizer666
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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von victimizer666 » 04.09.2011 12:22

Jup. Ein BM Klassiker.
BOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOLT THROWEEEEEEEEEEEEEEEEEEER !!!!!

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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von Mr. Drycunt » 04.09.2011 13:55

Die Band ist auch komplett an mir vorbeigegangen. Einfach nur wahnwitzig dieser Sound. Treffender kann man´s wohl kaum beschreiben.

Überraschend auch der transparente Gesamtsound für BM-Verhältnisse, wenn man mal berücksichtigt, was sonst so für ein Soundmatsch in dem Bereich auf der Tagesordnung steht.
* With me is not good cherry eating *

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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von ephel666 » 05.09.2011 12:17

Ja...Fleurety. sehr gut und lange nicht mehr gehört. Danke für diesen Hinweis und diese sehr passenden Ausführungen zu der Scheibe. Diese war dazumal eine wirkliche "Überraschung" im Kreise dieses ganzen "true norge black metal " und besitzt bis dato eine eindeutige Sonderstellung. Leider sind sie damals meines Wissens nie in Deutschland aufgetreten und somit noch "Rarer" als bspw. Ved Buens Ende oder die für mich noch genialeren IN THE WOODS mit dem Überhammer HEart Of The Ages.
Ich bekomm gleich wieder Gänsehaut.....wenn ich an "Folter- Jörgs" erstes Festival mitte der Neunziger denke...
Aber ITW finden hier sich auch noch Beachtung.

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victimizer666
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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von victimizer666 » 05.09.2011 13:34

Der Gesang der älteren Sachen ist aber wirklich nicht von dieser Welt - definierbar irgendwo zwischen Ferkel bei Schlachtung und Autoreifenquitschen in der Tiefgarage.
BOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOLT THROWEEEEEEEEEEEEEEEEEEER !!!!!

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Janeck
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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von Janeck » 05.09.2011 14:43

ephel666 hat geschrieben:Aber ITW finden hier sich auch noch Beachtung.
Sind leider bei der Listenerstellung untergegangen, wie so manche andere Alben auch!
Mal sehen was sich da noch machen lässt, die nächsten Plätze sind alle schon platziert.

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Janeck
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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von Janeck » 06.09.2011 17:51

Platz 30

Cover

Nehëmah - Light Of A Dead Star

(Oaken Shield, 2002) // Frankreich

Die Songs:
01. The Witch Burns... (02:52)
02. Light Of A Dead Star (05:40)
03. Across The Landscape (07:23)
04. In October Nightshades (07:52)
05. Nehëmah In Vulva Infernum (08:15)
06. I Will Sleep With The Dragon (07:10)
07. Misty Swamps (12:10)
08. ...in The Heat Of The Flames (02:42)


Das Line-up:
Dargon - Drums
Sorghal - Lead Guitar
Corven - Vocals, Bass
Nocturnos - Rhythm Guitar



“Light Of A Dead Star“ kann man mit ruhigem Gewissen als einen Klassiker des französischen Black Metal ansehen.
Black Metal der alten Schule, verpackt in einem fantastischen, voluminösen Soundgewand und einer zutiefst finsteren Stimmung. Spielerisch beweisen die 4 Franzosen ein überdurchschnittliches Geschick an den Instrumenten, was sich in den 6 Songs niederschlägt.
Eröffnet wird dieser kalte Sturm mit Feuerknistern und minimalen Ambientklängen, stimmungs- und geheimnisvoll bauen diese 3 Minuten in „The Witch Burns…“ eine schaurige Atmosphäre auf.
Mit „Light Of The Dead Star” wird man sofort 10 Jahre zurückgeworfen, die Gitarre sägt gnadenlos roh durch den Gehörgang und das mächtige Drumming treibt den Song immens nach vorne.
Auffallend ist sofort der dennoch räumliche Gitarrensound und die Präsenz des Basses, alles mit dem Black Metal typischen Hall unterlegt.
Auch Sänger Corven weiß mit seinem prägnanten Kreischgesang zu überzeugen und besitzt nebenbei noch eine gewisse eigene Note.
Die teilweise überlangen Songs (zwischen 5 und 12 Minuten) werden durch dezente Keyboardflächen stimmig untermalt, Tempovariationen sorgen für hochgradige Abwechslung und auch cleaner Gesang kommt zum Einsatz.
Besonders die geschickten Tempowechsel sind die großen Stärken von “Light Of A Dead Star“.
Hier wird nicht 50 Minuten lang drauflos geprügelt, sondern eine finstere Stimmung heraufbeschworen, die es locker mit den Frühneunziger Klassikern der 2. Black Metal Welle aufnehmen kann.
Bei dem ersten Hördurchgang klingen die Songs noch alle nach typischen Black Metal skandinavischer Prägung, doch spätesten beim 3. Versuch, sollten sich die morbiden Kompositionen in ihrer Vielfalt erschließen.
Einzelne Songs hervorzuheben, macht wenig Sinn, denn “Light Of A Dead Star“ funktioniert als eine homogene Einheit. Der Fluss des Albums ist spannend, bedrückend und herausfordernd. Jeder Ton ist geschickt platziert, das abwechslungsreiche Drumming hält die Songs immer zusammen und die sägende und bedrohliche Gitarrenarbeit ist wahre Black Metal Kunst.
Auch das Gespür, mit welchem NEHËMAH Melodien erschaffen, ist phänomenal stark. Ob leicht orientalisch, tieftraurig oder einfach nur beklemmend gespenstig, die Melodien auf “Light Of A Dead Star“ haben einen ganz speziellen Reiz.
Die ganze Stimmung, die auf dem Album erschaffen wurde, ist tiefschwarz und beängstigend überzeugend eingefangen.
Frei von progressiven Einflüssen, klinischen Sounds, klebrigen Melodien und einem Keyboardoverkill, lebt “Light Of A Dead Star“ von seiner ehrfürchtigen Atmosphäre und dem Können der 4 Musiker, die auch mal dezent auf genrefremde Rhythmiken und Elemente zurückgreifen.
Sicherlich ist “Light Of A Dead Star“ kein revolutionäres Album, alles kommt einen vertraut vor. Tempowechsel a’la DARKTHRONE, Anlehnungen an ganz alte EMPEROR oder die fanatische Stimmung der ersten BURZUM Alben finden sich in fast jedem Song wieder.
Doch was NEHËMAH innerhalb der engen Grenzen des Black Metal mit “Light Of A Dead Star“ geformt haben, ist monumental stark und beeindruckend, abwechslungsreich und wahnsinnig spannend und intensiv.
Selten wurde nach der 2. Black Metal Welle so ein konzentriert gutes, harmonisches und authentisches Black Metal Werk erschaffen, wie es den Franzosen NEHËMAH mit ihrem Debüt gelungen ist.


Zuletzt geändert von Janeck am 13.09.2011 16:29, insgesamt 1-mal geändert.

wrm

Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von wrm » 06.09.2011 18:42

kenn ich, hab ich, mag ich. danke, dass du mich auf die idee gebracht hast, mir diese platte mal wieder anzuhören.

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NHASHI
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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von NHASHI » 06.09.2011 19:32

Ja. Bin immer noch am Überlegen, ob ich mir die dritte noch zulege ...
Black Metal is apocalyptic, with its call to arms and declarations of Satanic or heathen holy wars. By its nature it should not be assimilated into the mainstream; it will always remain isolated in its hatred.

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Kaleun Thomsen
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Re: Apocalypse Now - 51 schwarze Meisterwerke (Aktuell Platz

Beitrag von Kaleun Thomsen » 06.09.2011 20:15

Sehr fein. Absolutes Highlight im französischen BM.
Swingtime is good time, good time is better time!

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