Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 01)

Hier sammeln sich nur die Perlen an Threads, die niemals im Datennirvana verschwinden dürfen.
Benutzeravatar
Porcupine
Stammposter
Stammposter
Beiträge: 7988
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Herne

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 03)

Beitrag von Porcupine » 20.07.2015 08:03

Sehr geiles, zutreffendes Review.
Allerdings ist die Scheibe SO finster, dass ich sie nach anfänglicher Euphorie in den letzten Jahren quasi gar nicht mehr aufgelegt habe. Man muss für so einen Brocken einfach in Stimmung sein, leichtverdaulich geht definitiv anders. Der Thread ist aber ein guter Anlass, das Album mal wieder aus dem Regal zu holen.
TMW316 hat geschrieben:Musik und Schlagzeug sind ja zwei verschiedene Dinge. Das eine hat verschiedene Töne c d e f g a h c und so, das andere macht bum burum bum klick bum zisch.

Benutzeravatar
GoTellSomebody
Stammposter
Stammposter
Beiträge: 19106
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Rheine

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 03)

Beitrag von GoTellSomebody » 20.07.2015 08:18

hellj ist ja ein Riesenfan der Truppe und hat mir die Platte schon desöfteren näherzubringen versucht, und es ist bei den Versuchen geblieben. Das Review finde ich wirklich gut und nachvollziehbar, ich kann also verstehen warum man das gutfindet, nur finde ich mich in dieser Art von Musik überhaupt nicht wieder. Groß ist das natürlich trotzdem und nach allem was ich mitbekomme ist der Tom ein angenehm unaufdringlicher Charakterkopf.

Benutzeravatar
My Friend Of Misery
Stammposter
Stammposter
Beiträge: 7086
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Bada Bing

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 03)

Beitrag von My Friend Of Misery » 20.07.2015 09:47

Treffendes Review.

Scheiß auf Sonnenschein, ich höre das Album jetzt.
Perfektion ist Langeweile.

"[If] you don't know anything about society, you don't have the satisfaction of avoiding it." (Nicholas van Orton)

Benutzeravatar
hellj
Beiträge: 8813
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Rheine
Kontaktdaten:

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 03)

Beitrag von hellj » 20.07.2015 11:57

Tolles Review! Danke.

Benutzeravatar
Noir
Beiträge: 613
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Telegraph Road

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 03)

Beitrag von Noir » 26.07.2015 10:30

Ach, Scheiße! Die Band würde ich wirklich gerne mehr mögen, weil ich den Tom so spannend finde. Das gelungene Review macht auch total Bock auf die Scheibe. Nur geht es mir - auch wenn ich nur die beiden Tom Warrior-Alben direkt davor und danach kenne - leider so wie Porcupine. Vielleicht bin ich ja zu sehr Frohnatur, doch Melana Chasmata und Monotheist liegen mir an 364 Tagen im Jahr echt zu schwer im Magen. Obwohl das im Prinzip großartig gemachte Musik ist und ich die alten Celtic Frost-Sachen völlig genial finde. Daher befürchte ich, mit Eparistera Daimones wird das nicht viel anders sein.

Benutzeravatar
Thunderforce
Stammposter
Stammposter
Beiträge: 27973
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Bad Spänzer
Kontaktdaten:

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 03)

Beitrag von Thunderforce » 16.08.2015 12:05

2010 / Platz 02: AUDREY HORNE - Audrey Horne


Cover


Die Songs
1. These Vultures (1:45)
2. Charon (4:25)
3. Circus (3:33)
4. Down Like Suicide (3:54)
5. Blaze Of Ashes (4:44)
6. Sail Away (5:40)
7. Bridges And Anchors (4:35)
8. Pitch Black Mourning (6:14)
9. Firehose (6:05)
10. Darkdrive (5:31)
11. Godspeed (3:33)


Das Personal
Ice Dale – Guitars
Kjetil Greve – Drums
Toschie – Vocals
Thomas Tofthagen – Guitars


Das Album
AUDREY HORNE sind schon eine Nummer für sich. Fünf Alben hat die Band bis zum heutigen Tag herausgebracht, dabei eine absolut logische und stets nachvollziehbare Entwicklung vom dunklen Alternative-Sound des Debüt hin zum Party-Classicrock von „Pure Heavy“ genommen. Album Nummer 3 aus dem Jahre 2010, schlicht „Audrey Horne“ betitelt, vereinigt das beste aus beiden Welten und ist nicht zuletzt darum mein Lieblingsalbum der Band, die auf dieser Platte vom Sextett zum Quartett geschrumpft war.
Die düsteren Alice In Chains-Momente der ersten beiden Alben sind hier genauso vertreten wie die positiven Classic Rock-Vibes der beiden Nachfolgelaben. Auch wenn die Grundstimmung im allgemeinen schon noch eher düster ist, schaffen es AUDREY HORNE, diese beiden Welten perfekt zu verzahnen und vor allem einen Hit nach dem anderen zu schreiben. Und vor allem schaffen sie es, sich immer weiter zu steigern. Ein Song wie der Quasi-Opener „Charon“ hat bereits ein Hitpotential, dass einem die Ohren schlackern. Die Band steigert sich aber quasi mit jedem Song und wird immer noch besser, die Melodien werden immer noch zwingender, die Atmosphäre immer noch zupackender. Bis inklusive „Bridges And Anchors“ denkt man, dass es jetzt nicht noch geiler werden kann und AUDREY HORNE beweisen jedes Mal das Gegenteil. Wahnsinnssong reiht sich hier an Wahnsinnssong. Übergranaten wie „Blaze Of Ashes“ oder „Darkdrive“ schreiben viele Bands vielleicht einmal pro Karriere, wenige vielleicht auch einmal pro Platte. AUDREY HORNE hingegen ballern die Hits mit beiden Händen raus, was auf „Audrey Horne“ an songwriterischer Brillianz abgeht, passt eigentlich auf keine Kuhhaut.
Nehmen wir zum Beisiel „Blaze Of Ashes“ - Die Steigerung zu Beginn rult schon alles weg, die Melodien der Strophen schaffen die meisten anderen Bands nichtmal als Chorus und der Chorus ist bei AUDREY HORNE wiederum dann nochmal eine zusätzliche Explosion obendrauf, bei der einfach alles aus ist. Wenn man seine Synapsen dann wieder halbwegs eingesammelt hat, haut die Band direkt im Anschluß die mächtige Hymne „Sail Away“ raus, langsam, schleppend, düster, fast doomig, als Ballade beginnend, sich dann steigernd – und erneut in einem Refrain explodierend, dass einem Hören und Sehen vergeht – Ich meine, wie geil kann man denn eigentlich sein? Gerade bei „Sail Away“ dachte ich beim ersten Hören der Platte, dass es das dann jetzt wohl war und sie das Überlied halt in die Mitte der Platte gepackt haben – und dann kam „Bridges And Anchors“, das vielleicht der Signature-Song dieses Album sein könnte. Wie hier im Chorus einfach alles wegfliegt, ist mit Worten echt nicht mehr zu beschreiben. So ein Melodieverständnis wie es AUDREY HORNE biei "Briges And Anchors" beweisen, gibt es meiner Meinung nach nur ganz selten. Abba, Rush, The Beatles mal als Beispiele (ich rede jetzt von Melodieverständnis, nicht vom Stil). Irrwitz. Das Doppel-Lead-Solo zum Ende hin zieht einem dann endgültig alle Schuhe aus. Ziemlich klar der beste Song der Platte und von AUDREY HORNE überhaupt.
„Pitch Black Mourning“ ist zwar der Wahnsinn, wirkt aber gegen den Melodieorkan davor beinahe schon normal. Hier pendeln AUDREY HORNE jedenfalls am deutlichsten zwischen den eingangs genannten stilistischen Polen dieses Albums hin und her. Das sich anschließende „Firehose“ geht wieder mehr in die Richtung von „Sail Away“ - langsam, schleppend, richtiggehend finster. AUDREY HORNE zeigen hier, dass sie durchaus in der Lage sind, auch Abgründe zu öffnen, wenn sie wollen. Wie Lava schleppt „Firehose“ sich dahin, walzt sich unaufhaltsam dem (natürlich erneut) gottgleichen Chorus mit mehrstimmigen Vocals entgegen. Sweet Kerosene! Oh Mann, ey! „Darkdrive“ fasst das Album noch einmal schön zusammen ist ungemein heavy und, man ahnt es schon, wieder einmal mit einem fantastischen Chorus gesegnet, bevor „Godspeed“ das Album ganz ruhig und beschaulich ausklingen lässt.
Es war eigentlich völlig klar, dass AUDREY HORNE hier nie wieder würden heranreichen können. Das vollkommene Fehlen des düsteren Elements auf „Youngblood“ hat das sicherlich für mich auch nicht einfacher gemacht, auch wenn die Songs hier größtenteils noch überzeugen konnten. Das gilt jedoch nicht für „Pure Heavy“, bei dem die Band den Stil weiterführte, jedoch die Hits weitgehend vermissen ließ und sich so für mich leider ziemlich in die Belanglosigkeit spielte. Das Album habe ich bis heute nicht. Egal: Mit „Audrey Horne“ haben AUDREY HORNE ihr Magum Opus geschaffen, ein Monument für die Ewigkeit. Cool wäre halt, wenn sie es sich auch selber mal wieder anhören würden. *g*


Was zum Gucken

Blaze Of Ashes (Live)
You don't even Nomi.
Thekenumschau | RYM Diary 2020 | Letterboxd

Benutzeravatar
Dimebag666
Beiträge: 19941
Registriert: 14.12.2011 21:01
Wohnort: Thanfield

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 02)

Beitrag von Dimebag666 » 16.08.2015 12:29

Huld @ extremornanieren aufs Album

Kann ich aber nachvollziehen, als ich die Band mit Youngblood kennengelernt habe, fande ich das an vielen Stellen großartig (ey, allein die Bridge und Refrain von Youngblood, da bekomm ich jedesmal ein Bonjourtröpfchen in der Hose), aber über die komplette Länge dann doch eher 8,5/10.
Als ich dann zum ersten Mal Audrey hörte, war ich echt fasziniert, wo die Band eigentlich herkommt, das ist auf komplette Albumlänge schon nochmal eine geile Steigerung.

Chris777
Beiträge: 2647
Registriert: 12.11.2014 19:03

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 02)

Beitrag von Chris777 » 16.08.2015 12:34

Wiederum mit Begeisterung geschriebene Huldigung die der Scheibe absolut würdig ist. Alles richtig.
"It's the end of what we know
As the world of imperfection
We all stand trial
Every colour has its glow
'cause we're masters of correction
And self-denial"

Benutzeravatar
Furor
Beiträge: 13662
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Leverkusen

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 02)

Beitrag von Furor » 16.08.2015 16:41

Tolles Review mal wieder. Das Album sehe ich nah an der Höchstnote. War damals auch ziemlich hoch in meinem Poll. Die Nachfolger finde ich auch toll und zwar beide. Hab nie verstanden, was an Pure Heavy jetzt so viel schlechter sein soll. Aber das Highlight bleibt auf jeden Fall dieses Album hier.

Benutzeravatar
Porcupine
Stammposter
Stammposter
Beiträge: 7988
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Herne

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 02)

Beitrag von Porcupine » 16.08.2015 19:55

Völlig grandiose Scheibe und mal wieder eine treffende Huldigung. Nur eine Kleinigkeit sehe ich anders: Für mich ist Pitch Black Mourning DAS Highlight schlechthin, da mich der Refrain komplett fertigmacht. Nach den Mega-Granaten davor ist das eigentlich kaum zu glauben, dass die sich danach NOCHMAL steigern können. Es stimmt aber trotzdem. Schade, dass sie in diesem Stil nicht weitermachen wollten.
TMW316 hat geschrieben:Musik und Schlagzeug sind ja zwei verschiedene Dinge. Das eine hat verschiedene Töne c d e f g a h c und so, das andere macht bum burum bum klick bum zisch.

Benutzeravatar
NegatroN
Stammposter
Stammposter
Beiträge: 21776
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Schräg dahoam
Kontaktdaten:

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 02)

Beitrag von NegatroN » 16.08.2015 20:05

Ich hab letztens mal wieder alle Alben (mit Ausnahme von Pure Heavy, die ich ebenfalls nicht habe) gehört und dabei ist mir aufgefallen, dass die selbstbetitelte zwar die besten Songs hat - da bin ich bei dir - diese aber mit ein bisschen mehr Arschtritt kommen könnten. Sowohl die Produktion wie auch vom Spielerischen her agiert man ein bisschen gebremst, gerade im Vergleich zu live. Wirklich auffallen tut das aber nur im direkten Vergleich. Außerdem ist es schon das berühmte Jammern auf hohem Niveau.

Ansonsten bin ich völlig bei dir.
And we are bored of the fireworks
We want to see the fire
We're long past being careful
Of what we wish for

https://www.negatron.de
https://cloud.collectorz.com/negatron/music

Benutzeravatar
Ghost_in_the_Ruin
Beiträge: 4080
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: The Ruins of the Fortress I swore to defend

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 02)

Beitrag von Ghost_in_the_Ruin » 16.08.2015 20:32

Das Album läuft zur Zeit auch mal wieder bei mir im Auto und ich finde es auch nach mindestens 100 Durchgängen zu keiner Sekunde erwartbar oder langweilig. Im Gegenteil, für mich ist das Album das stärkste Album der letzten 7, 8 Jahre überhaupt. Was die anderen Alben der Band angeht scheint sich unsere Einschätzung zu decken. Die Pure Heavy hab ich auch nicht, höre gerade mal wieder bei Spotify rein und kann mich nachwievor nicht dafür begeistern...
And the lessons that we‘ve learned have all been learned in the hard way
And soon there‘ll be nothing to deny

(New Model Army - Hard Way)

Benutzeravatar
oger
Stammposter
Stammposter
Beiträge: 12267
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Siegen

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 02)

Beitrag von oger » 17.08.2015 03:49

In der Tat eines der tollsten Alben der jüngeren Vergangnheit, eingerahmt von einem grandiosen Vorgänger und Nachfolger.

Dagegen verblasst das letzte Album leider fast vollständig.

Wobei auch das ein paar gute Songs aufweist aber qualitativ locker eine Liga tiefer spielt.

Benutzeravatar
Thunderforce
Stammposter
Stammposter
Beiträge: 27973
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Bad Spänzer
Kontaktdaten:

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 02)

Beitrag von Thunderforce » 17.08.2015 06:57

Immerhin scheine ich nicht der einzige zu sein, der das mit der letzten Platte so empfindet.

@ Negatron: Ich glaube, ich weiß sogar, was Du meinst. Eventuell wurde da ein wenig Arschtritt zugunsten einer "dichteren" Atmosphäre geopfert.
You don't even Nomi.
Thekenumschau | RYM Diary 2020 | Letterboxd

Benutzeravatar
Apparition
Beiträge: 13751
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: At the End of the Line

Re: Decades of ploppession (Aktuell: 2010 - Platz 02)

Beitrag von Apparition » 17.08.2015 07:10

Geiles Album, ich muss aber zugeben, dass mir sowohl der Vorgänger als auch der Nachfolger besser gefallen. Wobei "gefallen" vielleicht das falsche Wort ist, sie fräsen sich einfach nur nachhaltiger in die Hirnwindungen. "Audrey Horne" ist irgendwie über die ganze Distanz sehr gleichartig, während die anderen beiden Alben immer wieder Höhen und Tiefen haben, mehr Widerhaken zum dran festhalten.
"A romantic," said Nightingale. "The most dangerous people on earth."

Gesperrt