Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 1: QUEEN)

Hier sammeln sich nur die Perlen an Threads, die niemals im Datennirvana verschwinden dürfen.
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kevsauer1
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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 2: DREAM THEATER)

Beitrag von kevsauer1 » 19.06.2011 20:39

Ich habe schon unzählige Reviews zu dieser Platte gelesen, aber deins ist das erste was, die Gefühle die ich beim hören dieses Albums empfinde in Worte packt.

*verneig*
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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 2: DREAM THEATER)

Beitrag von My Friend Of Misery » 19.06.2011 21:46

kevsauer1 hat geschrieben:Ich habe schon unzählige Reviews zu dieser Platte gelesen, aber deins ist das erste was, die Gefühle die ich beim hören dieses Albums empfinde in Worte packt.

*verneig*
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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 2: DREAM THEATER)

Beitrag von Assaulter » 19.06.2011 21:50

Das Debut finde ich einen kleinen Tick besser, aber die ersten beiden DT Alben gehören schon zum besten was es so an Musik gibt.

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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 2: DREAM THEATER)

Beitrag von Seffus » 20.06.2011 08:46

Assaulter hat geschrieben:Das Debut finde ich einen kleinen Tick besser, aber die ersten beiden DT Alben gehören schon zum besten was es so an Musik gibt.
Genau so!
Da werd ich zwar ziehmlich allein dastehen aber es gibt auch (selten) Tage an denen ich mir James LaBrie nicht geben kann, was mir bei Charlie Dominici bisher noch nie passiert ist.

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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 2: DREAM THEATER)

Beitrag von Ghost_in_the_Ruin » 20.06.2011 20:36

Seffus hat geschrieben:
Assaulter hat geschrieben:Das Debut finde ich einen kleinen Tick besser, aber die ersten beiden DT Alben gehören schon zum besten was es so an Musik gibt.
Genau so!
Da werd ich zwar ziehmlich allein dastehen aber es gibt auch (selten) Tage an denen ich mir James LaBrie nicht geben kann, was mir bei Charlie Dominici bisher noch nie passiert ist.
Ich glaube da stehst du eindeutig nicht allein, es gibt nicht wenige, denen die Stimme LaBries nicht passt und noch mehr Leute, die das Debüt von Dream Theater eindeutig am stärksten sehen.
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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 2: DREAM THEATER)

Beitrag von Stepfather » 21.06.2011 13:26

Makellos das Teil. Alltime Fave von mir und somit ist die Höchstnote gerechtfertigt.
So und nun mal die Königin. :)
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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 2: DREAM THEATER)

Beitrag von Raphi » 21.06.2011 15:40

Einzige Dream theatre die ich habe, weil das einfach nicht so ganz meine Musik ist.
Gefallen tut mir das zwar gut aber die Faszination kann ich nicht ganz nachvollziehen.

So ähnlich wie bei Queensryche...

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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 2: DREAM THEATER)

Beitrag von oger » 19.08.2011 21:48

Ghost_in_the_Ruin hat geschrieben:
FW hat geschrieben:zweitbeste!
Kommt ja noch ein Album... *g*

Richtig.

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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 2: DREAM THEATER)

Beitrag von Ghost_in_the_Ruin » 19.08.2011 22:02

oger hat geschrieben:
Ghost_in_the_Ruin hat geschrieben:
FW hat geschrieben:zweitbeste!
Kommt ja noch ein Album... *g*

Richtig.
Du glaubst gar nicht, wie oft ich dieses Review schon angefangen habe, aber zufrieden war ich bislang nie... *g* :(
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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 2: DREAM THEATER)

Beitrag von oger » 19.08.2011 22:27

Is aus den 70ern, ne?

Review wird eh top. :)

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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 3: QUEENSRŸCHE)

Beitrag von DerMitDemHut » 20.08.2011 14:01

kevsauer1 hat geschrieben:
Ghost_in_the_Ruin hat geschrieben:
kevsauer1 hat geschrieben:Mit der Band konnte ich noch nie viel anfangen :(
Was stört dich? Zu viel Metal? *g* :wink:
joa eigentlich schon

Das ist einfach nicht so ganz meine Musik.

Der Sänger nervt auf dauer, die Refrains und Melodien kann man sofort mit singen nach dem 3. durchlauf gehen sie einem aber schon auf den Sack, der Sound ist typisch 80iger (was in meiner Welt nichts gutes bedeutet), die Band sah zu der Zeit aus wie eine Gruppe schwuler Vampire usw...


Alles Gründe warum ich mit der Band nicht viel anfangen kann

Kev, Du enttäuschst mich. Das hätte ich von Dir nie erwartet :o Du warst doch sonst immer so geschmackssicher

Queensryche sind bis einschließlich Promised Land eine großartige Band gewesen. Sehr schwer zu sagen, welches der Alben da die Nase vorne hat. Wahrscheinlich Promised Land, da es am reifsten wirkt. Aber keines der ersten fünf Alben (die EP nicht mitgerechnet) bekommt weniger als 9 /10 Punkten. Warning wirkt aber am ehesten wie aus einem Guss. Mindcrime ist göttlich, aber mich stört ein klein wenig der Schlagzeugsound.
*bildsignatur sei die DerMitDemHut gefallen tut*


Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht
schon angezündt
Schon angezündt’! Das gibt ein Schein
und damit so fahren wir bei der Nacht
ins Bergwerk ein


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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 2: DREAM THEATER)

Beitrag von LastInLine » 20.08.2011 16:56

Warning ist schon wegen dem ersten Track, No Sanctuary, Child Of Fire und natürlich Roads Of Madness für mich die beste der Jungs. Die waren mal richtig richtig geil.

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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 3: QUEENSRŸCHE)

Beitrag von kevsauer1 » 20.08.2011 20:09

DerMitDemHut hat geschrieben:
kevsauer1 hat geschrieben:
Ghost_in_the_Ruin hat geschrieben:
kevsauer1 hat geschrieben:Mit der Band konnte ich noch nie viel anfangen :(
Was stört dich? Zu viel Metal? *g* :wink:
joa eigentlich schon

Das ist einfach nicht so ganz meine Musik.

Der Sänger nervt auf dauer, die Refrains und Melodien kann man sofort mit singen nach dem 3. durchlauf gehen sie einem aber schon auf den Sack, der Sound ist typisch 80iger (was in meiner Welt nichts gutes bedeutet), die Band sah zu der Zeit aus wie eine Gruppe schwuler Vampire usw...


Alles Gründe warum ich mit der Band nicht viel anfangen kann
Tja ich bleib aber dabei!

Mir ist die Mucke von denen (im Vergleich zu z.B. Dream Theater oder Fates Warning) viel zu unspektakulär und cheesy.

Ein paar gute Songs haben sie aber mehr auch nicht...


Kev, Du enttäuschst mich. Das hätte ich von Dir nie erwartet :o Du warst doch sonst immer so geschmackssicher

Queensryche sind bis einschließlich Promised Land eine großartige Band gewesen. Sehr schwer zu sagen, welches der Alben da die Nase vorne hat. Wahrscheinlich Promised Land, da es am reifsten wirkt. Aber keines der ersten fünf Alben (die EP nicht mitgerechnet) bekommt weniger als 9 /10 Punkten. Warning wirkt aber am ehesten wie aus einem Guss. Mindcrime ist göttlich, aber mich stört ein klein wenig der Schlagzeugsound.
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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 2: DREAM THEATER)

Beitrag von Ghost_in_the_Ruin » 24.11.2011 20:13

Nach über zwei Jahren kommt meine Top 100 zu ihrem Höhepunkt und Abschluss. Natürlich hat es innerhalb der letzten zwei Jahre ein paar Verschiebungen und neue Alben gegeben, die inzwischen in meiner Top 100 stehen würden, aber alles in allem kann ich auch heute noch mit der Liste gut leben und stehe nach wie vor zu jedem Wort in den einzelnen Reviews.
Für das rege Interesse und die vielen interessanten Beiträge bedanke ich mich, da ich ohne sie wohl irgendwann den Thread unvollendet gelassen hätte, da es doch unerwartet hohen Zeitaufwand und zum Teil viel Suchen nach den passenden Worten mit sich bringt, Reviews zu verfassen, mit denen ich selbst mehr oder weniger zufrieden bin. Letztlich wollte ich hier nur Reviews posten, die aus meiner Sicht dem jeweiligen Album gerecht werden und dabei sowohl Informationen, wie Emotionen rüberbringen. Sicherlich hätte ich die Reviews kürzer halten können, vor allem indem ich mich darin ausschließlich auf das jeweilige Album beschränkt hätte und das restliche Schaffen der jeweiligen Bands unbeachtet gelassen hätte, aber durch die selbstauferlegte 1 Album pro Band-Regel gehört das für mich einfach mit dazu.
Und nun, zum Abschluss huldigen wir alle der Königin!
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Re: Ghostwriters Thread (Aktuell: Platz 2: DREAM THEATER)

Beitrag von Ghost_in_the_Ruin » 24.11.2011 20:17

Platz 1: Queen – A Night at the Opera (1975)

COVER

Is this the real life?
Is this just fantasy?


Heute vor zwanzig Jahren ist Freddie Mercury verstorben. Als Farrokh Bulsara in Sansibar geboren sollte er zum Größten aller Zeiten werden. 1970 schloss er sich mit Brian May und Roger Taylor zusammen und unter dem Namen Queen, die ein Jahr später durch John Deacon komplettiert wurden sollte er Musik-Geschichte schreiben. Es war eine Band der Superlative, die sich hier zusammengefunden hat. Freddie Mercury mit seiner unerreichten Stimme und seinen unglaublichen gesanglichen Fähigkeiten. Brian May mit seinem bis heute einzigartigem Gitarrensound und Gitarrenspiel. Roger Taylor mit seiner Rock-Attitüde und dem kraftvollen Schlagzeugspiel. John Deacon mit diesem erdigen Bass und einigen der coolsten Basslicks aller Zeiten. Jeder einzelne der vier hat mehrere Lieder geschrieben, die alles beinhalten, was Musik ausmacht. Bei den Hauptsongwritern Mercury und May geht die Zahl sogar hoch in den zweistelligen Bereich. Es fällt mir nicht leicht, die Magie zu beschreiben, die für mich von der Musik dieser Band ausgeht. Ich kann nur sagen, dass mich ihre Musik von Kindheitstagen an begleitet hat und ich lange, ja verhältnismäßig sehr lange gebraucht habe, um sie für mich vollständig zu entdecken, soweit es mir möglich ist sie zu begreifen, sie als das zu verstehen, was sie inzwischen für mich darstellt. Musik fernab jeder sonst gesetzten Grenzen. Musik die größer ist und tiefer wirkt als ich es je für möglich gehalten hätte. Und egal, wie die Diskussionen über die Band so verlaufen, ob ihre Alben aus den 1980er Jahren verteufelt werden oder ihr Schaffen auf die immer gegenwärtigen Radio-Songs reduziert wird, egal wie ich mich an diesen Diskussionen beteilige, letztlich habe ich immer diese Gewissheit, dass Queen egal zu welcher Schaffensperiode eine ganz besondere Band waren, die etwas erschaffen haben, was keine andere Band auch nur im Ansatz vollbracht hat. Ja, diese Zeilen mögen pathetisch klingen, aber für mich ist es tatsächlich so, dass Queens Musik sich oftmals so deutlich vom Rest abhebt, dass ich dafür keinen normalen Maßstab mehr anwenden dürfte.

1973 debütierte die Band auf LP-Länge mit ihrem Selbstbetitelten Album, welches bereits viele Momente hat, die die Besonderheit der Band präsentieren. Keep yourself alive, My fairy King, Liar, Jesus, The Night comes down und vor allem das großartige Great King Rat sind schon Songs deren Qualität für mich so herausragend ist, dass ich kaum glauben kann, dass es sich hier um Songs eines Debüt-Albums handeln soll. Insgesamt kann das Album aber nur als Vorahnung für die Nachfolger gelten, denn schon im darauffolgenden Jahr holten Queen zu einem Doppelschlag aus, der schon ausreichen würde, um Queen als eine der besten und wichtigsten Bands überhaupt anzuerkennen. Zunächst präsentierte man QUEEN II (1974). Die A-Seite oder auch Side White teilen sich Roger Taylor mit einem Song und Brian May, der mit Father to Son und White Queen (as it began) zwei unfassbar gute Songs einbringt, vor allem letzterer ist nicht nur oberflächlich betrachtet einfach wunderschön, sondern auch von der theoretisch musikalischen Betrachtungsweise ein Meisterstück. Und das auf einem Zweitwerk einer noch so jungen Band. Die eigentliche Größe von QUEEN II macht dann aber vor allem die B-Seite oder die Side Black aus. Komplett von Mercury geschrieben geben sich die einzelnen Songs jeweils die Klinke in die Hand, einzig das abschließende Seven Seas of Rhye steht etwas für sich. Dieses ist auch die Single des Albums und bringt Queen erste große Aufmerksamkeit. Zudem bildet es das Bindeglied zwischen dem Debüt (wo eine kurze Instrumentalversion des Liedes am Ende steht) und dem dritten Queen Album SHEER HEART ATTACK (1974), welches das Outro von Seven Seas of Rhye im ersten Song Brighton Rock aufnimmt. Seven Seas of Rhye ist ein absoluter Gottsong und trotzdem gebührt meiner Meinung nach dem Rest der Side Black noch mehr Aufmerksamkeit. Angefangen beim Ogre Battle, ein Song, der die Band als Vorreiter vieler späterer Metal-Bands präsentiert. Vom Riffing, über die Lyrics, das Solo, hier sprüht alles diese Attitüde aus, die später so viele Bands inspiriert und geprägt hat. Queen haben 1974 schon die Referenz gesetzt. The Fairy Feller’s Master-Stroke ist ein vertontes Kunstwerk, genauer gesagt beschreibt der Song das Gemälde The Fairy Feller’s Master-Stroke von Richard Dadd. Ein genialer Song, ein Song, der auf seine Art für mich einzigartig ist und der mir manchmal am besten auf dem Album gefällt. Fließend wieder der Übergang zum ruhigen und getragenen Nevermore. Freddie Mercury singt hier natürlich in seiner ganz eigenen Liga und verleiht dem Song eine ganz eigene Magie. Mit The March of the Black Queen hat Mercury dann eines der besten Lieder aller Zeiten geschrieben. Eine vorweggenommene Bohemian Rhapsody, nur natürlich nicht so oft gespielt. Auch dieser Song ist wie White Queen in seinem kompositorischen Aufbau ein musik-theoretisches Meisterwerk und dabei bietet dieser Song noch wirklich alles, wirklich alles, was Musik überhaupt bieten kann. Einen gigantischen Spannungsbogen, immer wieder perfekt gesetzte Tempowechsel, Polyrythmen die den Song so schwer begreifbar machen, auch wenn man jederzeit merkt, dass das erzeugte Durcheinander so gewollt ist, ja eine viel größere Wirkung entfacht als man es für möglich halten soll. Nach einem ruhigeren Mittelpart startet die zweite Hälfte des Songs, und der Song nimmt Fahrt auf. Spätestens in dem Teil, in dem sich Mercury und Taylor ihr Duett liefern ist es nicht mehr zu fassen, wie gut dieser Song ist. Kein Zweifel, spätestens mit diesem Song auf dem zweiten Album ihrer Karriere haben sich Queen an die Spitze der Populär-Musik gestellt und sie sollten diesen Status mit den nachfolgenden Alben noch weiter ausbauen! Aber zunächst wird man von Funny how Love is wieder in die normalen Maßstäbe zurückgeholt, damit man mit Freddie auf den Seven Seas of Rhye durch seine Fantasiewelt segeln kann.

Dass eine Band nach einem solchen Album nicht erstmal eine mehrjährige Kreativpause einlegen muss, ist an sich schon eine Sensation. Dass diese Band noch im selben Jahr ein gutes Album auf den Markt bringt ist eine noch größere. Und dass dieses Album den Vorgänger nochmals toppt und einen weiteren Schritt in Richtung Olymp bedeutet kann man eigentlich überhaupt nicht erklären. Aber genau das macht SHEER HEART ATTACK. Es legt auf QUEEN II nochmals einen drauf. Eröffnet wird das Album vom Brighton Rock. Freddie Mercury präsentiert seine ganze Bandbreite an Tönen die er im Stande ist zu singen. Er fängt die Strophen jeweils sehr hoch an, um sie dann in den sehr tiefen Lagen zu beenden. Was ganz einfach daran liegt, dass er hier ein Duett mit sich selbst singt und in einer kleinen Liebesgeschichte sowohl Frau als auch Mann vertont. Der zentrale Teil des Songs ist aber natürlich Brian Mays Gitarrensolo. Ein Jahrelang von ihm ausgearbeitetes dreistimmiges Solo, dass über mehrere Jahre zentraler Bestandteil seines Live-Solos sein sollte. Ein geniales, wunderbares Stück Gitarrenmusik. Mit Killer Queen schafften Queen dann den endgültigen Durchbruch in den Charts. Der Song erreichte fast die Spitze der Single-Charts und hat dies auch vollends verdient. Ein schwer zu beschreibendes Lied, das vor allem eines eindrucksvoll belegt: Queen konnten völlig neue Musikstile einbinden oder gar kreieren und diese so umsetzen, dass etwas völlig geniales und zudem sogar massentaugliches dabei herauskam. In der Form meiner Meinung nach völlig einzigartig. Anschließend folgt der für mich tollste Teil des Albums. Eine kurze Trilogie, die vom Taylor Song Tenement Funster eröffnet wird. Eine Halbballade, wurzelnd im Rock and Roll, mit zum Teil recht harten Klängen. Anschließend Flick of the Wrist, ein böser und harter Song. Mercury flößt einem in den Strophen richtiggehend Angst ein und die ganze Stimmung könnte hier düsterer nicht sein. Der Refrain lockert das Ganze dann etwas auf und mit Lily of the Valley findet diese Trilogie auch einen ruhigen Abschluss. Es ist kaum zu glauben wie kurz dieser Song ist, wenn man dabei erlebt, was hier alles mit eingeflossen ist. Keine zwei Minuten und doch bietet dieser Song viel mehr Ausdruck als alles was andere Bands in ihren Siebenminütigen Balladen meinen rüberzubringen. Die geradezu perfekte A-Seite des Albums wird dann mit dem Klassiker Now I’m here abgerundet. Ein Song, der live lange Zeit nicht fehlen durfte und der einfach eine auf den Punkt gespielte Gitarrenrocknummer ist. Die B-Seite eröffnet dann das völlig abgefahrene In the Lap of the Gods. Nach gut fünfzig Sekunden Klangfragmenten mit kreischenden Chören kommt ein eigenartig singender Freddie Mercury und lässt den Song recht düster wirken. Zum Ende hin legt Roger Taylor nochmal seine spitzen Schreie ein. Ein Song, den ich nie so ganz begriffen habe, den ich aber irgendwie immer toll finde. Anschließend kommt mit Stone Cold Crazy der Metal Song des Albums, es ist wohl der härteste der Band überhaupt, die hier heftig rifft und durchgängig auf die Zwölf gibt. Toll! Das kurze, ruhige Dear Friends dient als netter Übergang zum allerersten Queen-Song von John Deacon. Misfire ist ein beschwingter Song, der gute Laune verbreitet und damit die B-Seite etwas auflockert. Wie so ziemlich alle Deacon-Songs ist das nicht die komplexeste Musik die Queen geschrieben haben, aber dafür schaffen es seine Songs einfach auf den Punkt zu kommen. Leroy Brown the baddest man in the whole damn town. So lautet eine Refrainzeile in dem Jim Croce Song Bad, bad Leroy Brown und Queen ehren diesen 1972 verstorbenen Musiker mit dem nächsten Song Bring back that Leroy Brown. Ein Song, auf dem unterschiedlichste Instrumente wie Piano und Ukulele verbunden werden und der auch eher locker daher kommt. Das getragene She makes me (Stormtroopers in Stilletoes) wird dann von Brian May gesungen und ist trotz der akustischen Instrumentierung ein ordentlicher Stampfer. Vielleicht ist der Song etwas zu abwechslungsarm für seine Länge, aber mir gefällt er trotzdem. Aber letztlich steuert auch dieser Song das Album nur auf das abschließende Highlight hin. In the Lap of the Gods … Revisited heißt dieses und ist eine der größten Queen-Hymnen überhaupt. Ein Wechselgesang von Freddie Mercury in den hohen und tiefen Lagen in den Strophen und dann kommt der tolle Übergang in den Refrain, bei dem zum Ende die großen Chöre eingebracht werden und der mich immer wieder völlig umhaut und begeistert. Besser kann Musik eigentlich gar nicht sein! Und tatsächlich, wenn es den Nachfolger nicht geben würde, SHEER HEART ATTACK hätte den ersten Platz in meiner Top 100 sicher, so gut ist dieses Album einfach!

Aber mit A NIGHT AT THE OPERA aus dem Jahr 1975 schafften Queen die unmöglich erscheinende dritte Steigerung beim vierten Album. A NIGHT AT THE OPERA ist das beste Album überhaupt und für mich die absolute Definition dessen, was Musik alles sein kann. Das Album ist ernst und komplex. Das Album ist locker-leicht und verspielt. Das Album ist experimentell und anspruchsvoll. Das Album geht einem schnell ins Ohr und bietet viele viele Ohrwürmer. Das Album ist melancholisch und heiter. Es ist ein in sich geschlossenes Meisterwerk, obwohl jeder Song sich so unglaublich von jedem anderen abhebt. Es bietet komplexe, vielschichtige Arrangements, nur um im nächsten Moment auf das nötigste reduziert eine ganz andere Wirkung genauso heftig zu entfachen. Eigentlich kann man die Qualität und Größe dieses Albums nicht an den einzelnen Songs fest machen und doch werde ich auf sie eingehen und versuchen zu beschreiben, was jeden davon so besonders macht.

Eröffnet wird A NIGHT AT THE OPERA von Death on two Legs (Dedicated to … ). Fade in. Eine spielerische Piano-Melodie wird entfacht, nur um nach einigen Sekunden von brutalen, aggressiven Gitarreneffekten verdrängt zu werden, die plötzlich abreißen und einer lockeren und entspannten Klavierpassage Platz zu machen. Darüber legt Brian May ein schrilles und schräges Gitarrensolo und schiebt den Song wieder in die aggressivere Ecke. Spätestens nach der zweiten Strophe wird dann deutlich, dass Queen hier einen ihrer wütendsten Songs überhaupt geschrieben haben. Genauer gesagt Freddie Mercury hat hier seine Wut auf den damaligen Manager der Band Norman Sheffield vertont und niedergeschrieben. Noch aus der Zeit vor dem Debüt-Album galten die gemeinsamen Verträge und obwohl Queen inzwischen eine Best-Seller Band waren, hat Sheffield ihre Entlohnung nicht besonders hoch angesetzt, während er sich selbst wohl die Taschen gut voll gesteckt hat. Mercury singt dieses auch ganz unverhüllt, so dass Sheffield direkt wissen musste, dass er gemeint war, auch wenn ein Name, wie im Songtitel angedeutet nicht genannt wird. Aber Zeilen wie you’ve taken all my money – and you want more oder was the fin on your back part of the deal… (shark!) lassen keinen Zweifel an der Intention des Songs.
Nach den bösen Zeilen und dem wütenden Song folgt Lazing on a Sunday afternoon und es könnte keinen größeren Kontrast geben als diesen etwas mehr als ein Minute kurzen Song. Mercury stellt sich als unbeschwerten und gut gelaunten Typen dar, und erzählt was er so in der Woche macht. Der ganze Song ist völlig locker und macht riesigen Spaß. Durch den Vocal-Effekt wirkt der Song wie aus der Vorkriegszeit und abgesehen von Brian Mays großartigem Solo könnte er auch musikalisch dorthin verfrachtet werden.
Dann der nächste Bruch, und Roger Taylor übernimmt das Mikro. Sein Song I’m in Love with my car ist mal wieder eine fantastische Rock-Hymne und alles in allem vielleicht sogar Taylors bester Song. Gewidmet ist dieser Song einem gewissen Jonathan Harris, der zu der Zeit als Roadie wohl auch Fahrer gewesen ist. Der Song geht jedenfalls direkt durch und vor allem die Bridge when I’m holding your wheel, all I hear is your gear, finde ich musikalisch so unbeschreiblich toll. Es sind ja meistens so kleine Momente, so einzelne Melodien, die aus einem großartigen Song einen geradezu perfekten werden lassen. Ein Rocksong der dazu noch mit echtem Motorenlärm abschließt, wie toll kann man Klischees eigentlich umsetzen?
Auf dem Vorgänger hat John Deacon seinen ersten Song beigetragen, auf A NIGHT AT THE OPERA hat er dann seinen ersten Klassiker verewigt. You’re my best friend ist wohl der zweitbekannteste Song aus seiner Feder und wurde auch als Single veröffentlicht. Ein recht simpler, schnell zugänglicher, aber auch auf dem Punkt fantastischer Song. Textlich eine Freundschafts- und Liebeserklärung an seine Frau und darüber hinaus mit der Besonderheit, dass Deacon hier neben dem Bass auch am Piano zu hören ist.
Danach folgt der erste May Song des Albums und 39 ist tatsächlich ein absoluter May Song. Über eine sehr schöne, folkige Akustiggitarre legt May seinen weichen Gesang. Dazu kommt ein recht stampfender Bass und auch Mercury und Taylor beteiligen sich in den Chören am Gesang. Textlich ist dieser Folk-Song eher Science Ficiton, einer dieser vielen wunderbaren Gegensätze. Es geht um eine Gruppe Freiwilliger, die mit einem Raumschiff neue Lebensräume im All erforschen wollen (in the days when lands were few). Viele Jahre später kommen sie mit guten Neuigkeiten über eine neue Welt wieder, aber während sie nur um ein Jahr gealtert sind ist das Leben auf der Erde normal weiter gegangen und die einst geliebten sind wohl schon verschieden. Jedenfalls legt das die Zeile your mother’s eyes from your eyes cry to me nah.
Sweet Lady ist direkt der nächste May Song und eine sehr abgefahrene Geschichte. Recht hartes Riffing, wilde, komplizierte Schlagzeugpassagen, mehrstimmige disharmonische Gitarrenmelodien und ein teils recht rau klingender Mercury wirken hier zusammen. Die Strophen wirken eigentlich recht normal und eingänglich und auch der Refrain ist gesanglich nicht allzu komplex, dafür aber wird hier schon Instrumental völlig wild gehandelt und zum Ende hin dreht der Song nochmal in einer, wie gesagt abgefahrenen, Solo-Passage auf.
Und mit Seaside Rendezvous geht diese wechselhaft und abwechslungsreiche A-Seite zu Ende. Und natürlich wird auch beim siebten Song zum sechsten Mal etwas völlig anderes gemacht als bei den anderen Songs zuvor. Was vor allem im grandiosen Mittelpart dieses nur gute zwei Minuten langen Songs gespielt wird, ist einfach völlig anders und toll. Mercury und Taylor singen hier ein Bläser-Solo und dazu wird auch tolle Percussion miteingebaut. Völlig großartig, wirklich. Drumherum ist dieser Song eine schöne, locker-flockige, spaßige Gute-Laune Nummer ohne den großen Tiefgang, den die B-Seite dann mit sich bringt.

Diese B-Seite wird nämlich von The Prophet’s Song eröffnet. Dem komplexesten Song Brian Mays und vielleicht sogar der komplexeste Song der Band überhaupt, auch wenn da natürlich die ein oder andere Mercury Nummer nicht wirklich weniger zu bieten hat. Mit fast achteinhalb Minuten ist dieser Song auch der längste Queen-Song überhaupt. Zunächst spielt Brian May etwas ruhigere Akustikgitarre und Freddie legt dann über diese die ersten Textzeilen. Mit der ersten echten Strophe nach diesem Intro fängt dann eine völlig epochale Wahnsinnsgeschichte an.
I dreamed I saw a moonlit stair
(…)
I see no day, I heard him say
so grey is the face of every mortal

oh oh people of the earth
listen to the warning
the prophet he says
for soon the cold of night will fall
summoned by your own

(…)

the earth will shake in two will break
and death all around will be your dow’ry

(…) and two by two my human zoo (…)

flee for your life
who heed me not, let all your treasure make you
fear for your life
deceive you not the fires of hell will take you

Vielleicht wirken diese ganzen Textpassagen auf diejenigen, die das Lied nicht kennen nicht so großartig, wenn man aber weiß, in welcher Art sie dargeboten werden, wie sie musikalisch eingebettet sind, dann kann man nicht anders, als sie völlig großartig zu finden. Im Mittelteil wird der Song zu einem A Capella Kanon und auch wenn man sich manchmal etwas durch diesen Teil durchkämpfen muss, so ist er doch sehr beeindruckend und als Idee und auch in der Umsetzung einfach toll, nur vielleicht etwas zu lang. Danach geht der Song aber nochmal in die vollen und besinnt sich auf die besten Teile vom Anfang. Ein Monolit, ein Gigant. An manchen Tagen der beste Song auf A NIGHT AT THE OPERA für mich und dann auch der beste Song überhaupt.
Fließend ist dann der Übergang zur schönsten Ballade, zum schönsten Liebeslied überhaupt. Love of my Life. Freddie Mercury in seiner ganzen Genialität. Brian May trickst an der Harfe, um dieses Instrument so passend miteinzubringen und auch live wurde dieser Song nur von Mays Akustik-Gitarre, Freddie Mercury und den Fans immer wieder zelebriert. Eines der schönsten Lieder aller Zeiten und damit auch ein Song für die Ewigkeit. Jede Zeile ist perfekt, jeder Ton ist perfekt, nicht eine schwäche hat dieser Song.
You will remember, when this is blown over and everything’s all by the way
when I grow older I will be there at your side to remind you how I still love you
I still love you

Mit Good Company findet sich dann auf der B-Seite auch noch ein Song wieder, der eigentlich besser mit auf die A-Seite gepasst hätte, was aus den rein zeitlichen Platzgründen natürlich nicht gepasst hätte. Brian May singt locker beschwingt über das Leben und gibt den Hinweis sich immer um die Menschen zu sorgen, die einem Nahe stehen. Dabei spielt May auch mit den Worten und so wird aus dem Good Company, mit dem der Vater aus der ersten Strophe wohl noch das große Ganze meint, zunächst eine Liebe, dann ein Unternehmen und am Ende sind es die schließlich verlassenen Freunde. Ein feiner Song bevor es zu dem größten Song aller Zeiten kommt.
Bohemian Rhapsody. Ein unglaubliches Monument. Ich weiß nicht, was ich zu diesem Song noch schreiben soll, was nicht schon hunderte vor mir geschrieben haben. Es handelt sich hierbei einfach um den größten, besten und erhabendsten Song überhaupt. Freddie Mercury hat es spätestens mit diesem Song geschafft einen Status einzunehmen, an den niemand auch nur ansatzweise heranreicht, egal wie sie alle heißen und in welchen Bands sie waren und welche Lieder und Alben sie geschrieben haben. Freddie Mercury war der Größte!
Als Schlusspunkt wird unter A NIGHT AT THE OPERA noch die englische Nationalhymne God save the Queen von Brian May arrangiert. Aber um ehrlich zu sein, ich nehme diese beim Hören des Albums kaum war, da ich jedesmal noch von der Bohemian Rhapsody so gefangen genommen bin.
Danke Freddie, Brian, Roger und John für dieses Album!

Für Queen war A NIGHT AT THE OPERA der Höhepunkt, aber die Band hatte dennoch noch einige Pfeile im Köcher. Im Fahrwasser des übermächtigen Vorgängers folgte 1976 A DAY AT THE RACES. Ein weiteres großartiges Album, das nur einen Schwachpunkt hat. Es erreicht in seiner Gesamtheit nicht die Klasse der drei Vorgänger und auch zwei der drei Nachfolger finde ich etwas besser. Und trotzdem, auch dieses Album quillt vor genialen Songs und großartigen Melodien nur so über. Tie your Mother down, The millionaire Waltz, Somebody to Love, White Man, Good old-fashioned Lover Boy und Teo Torriatte (let us cling together) sind allesamt weitere brillante Zeugnisse der einmaligen Klasse dieser Band, die in den 1970ern einfach eigentlich unbeschreibliches vollbracht hat. So auch NEWS OF THE WORLD aus dem Jahr 1977. Vielleicht handelt es sich hierbei um das schwächste Album der 1970er von Queen, aber wenn ein Album mit so fantastischen Songs wie We are the Champions, All dead, all dead, Spread your Wings, Fight from the Inside, Get down, make Love oder Sleeping on the Sidewalk das schwächste einer Band zu einer bestimmten Phase sein soll, dann zeigt das eigentlich nur, wie groß die Band zu dieser Phase eben war. Das größte Problem des Albums ist da eher, dass es mir immer so zerrissen vorkommt. Vorweg die Klassiker und immer wieder bei allen Anlässen gespielten We will rock you und We are the Champions. Dann Sheer Heart Attack, der auch noch nicht so richtig zum Rest passen will und etwas außen vor steht und erst danach beginnt das Album so richtig, mit den oben erwähnten Highlights.

Aber schon 1978 folgt mit JAZZ ein weiterer Beleg für nahezu komplett göttliches Songwriting über fast eine ganze Album-Distanz. JAZZ ist ein Vorbote der folgenden Alben, und damit schon eine Art Übergangsalbum, auch wenn das eigentliche Übergangsalbum erst danach folgt. Ebenso Abwechslungsreich wie die Vorgänger, aber schon etwas schlichter in seiner Ausrichtung und auch schon weniger in Richtung Rock orientiert bietet das Album mindestens neun brillante Songs, bei leider auch ein, zwei Fillern. Aber Lieder wie Mustapha, Fat bottomed Girls, Dreamer’s Ball oder Don’t stop me now sind wieder mal völlig überragend. 1979 gab es von der Band mal kein neues großartiges Studioalbum, dafür aber das essentielle Live-Album der Band LIVE KILLERS.

1980 dann das überragende Übergangsalbum THE GAME. Ich weiß nicht, warum ich mit der Meinung, dass es sich hierbei um das drittbeste Album der Band handelt und das Album ebenfalls eines der besten Überhaupt ist so alleine dastehe. 10 Songs, 10 Hits. Kein einziger Song fällt in meinen Ohren auch nur ein bisschen ab, im Gegenteil, es wird beinahe von Song zu Song besser. Vom bereits gigantischen Play the Game, über das genauso tolle Dragon Attack hin zum besten und bekanntesten John Deacon Song überhaupt Another One bites the Dust. Danach das tolle Need your loving tonight als Vorbote für das geniale Crazy little thing called love mit Freddie Mercury im Stile eines Elvis Presley. Die B-Seite wird eröffnet vom schönen Rock it (Prime Jive), führt über das herrlich sarkastische Don’t try suicide hin zu der schönsten von Brian May geschriebenen und gesungenen Ballade Sail away sweet sister. Im Anschluss noch das extremst coole Coming soon und der krönende Abschluss Save me. Wie kann man dieses Album nicht genauso abgöttisch lieben wie die anderen aus den 1970ern? 1980 machten Queen auch zum ersten Mal Filmmusik für den Film FLASH GORDON. Das zugehörige Album ist eigentlich nur etwas für absolute Liebhaber und definitiv er eine Sammlungsvervollständigung.

HOT SPACE aus dem Jahr 1982 ist das umstrittenste aller Queen-Alben. Die Band fährt die Schiene, die Another One bites the Dust eingeschlagen hat konsequent weiter und so bietet das Album mit Ausnahme der großartigen Songs Las Palabras de Amor (The Words of Love) und Under Pressure, welches Queen zusammen mit David Bowie aufgenommen haben, viel Funk, Disco und Rythm and Blues. Mir gefällt das Album zwar auch von allen Queen-Alben insgesamt am wenigsten, was aber heißt, dass ich es immer noch sehr gerne mag. Schließlich sind mit Action this Day, Body Language, Put out the Fire und Staying Power auch ein paar sehr starke Songs auf dem Album. Etwas schwächer als ihren sehr guten Ruf finde ich hingegen THE WORKS. 1984 versuchen sich Queen darin die modernen Klänge der 1980er mit ihrem eigenen Band-Sound zu verschmelzen. Das Funktioniert auch an vielen Stellen, aber letztlich finde ich zu wenige Melodien so richtig toll, um aus dem Album eines zu machen, dass mit den vielen Vorgängern von Hot Space oder mit seinen Nachfolgern wirklich mithalten kann. Die Highlights des Albums heißen I want to break free und die etwas kitschige Ballade Is this the World we created. 1986 folgt A KIND OF MAGIC. Viele der Songs wurden für den Highlander Film geschrieben, andere sind ohne diesen Hintergrund entstanden. Das Album bietet wie schon die beiden Vorgänger leider auch einige Songs, die nicht zu den Großtaten der Band zu zählen sind. Auf der andern Seite finden sich mit One Vision, A Kind of magic, Friends will be Friends, Who wants to live forever und Princess of the Universe einige herausragende Lieder. Insgesamt schon ein sehr gutes Album. Das Album THE MIRACLE von 1989 wird oft sehr kritisch bewertet, dabei finde ich es wieder etwas besser als seinen allgemeinen Ruf. Schwach ist auf dem Album nämlich tatsächlich keiner der Songs und mit The Miracle, I want it all, Breakthru, Rain must fall und Was it all worth it finden sich auch auf diesem Album absolute Diamanten von Songs.

Die Band aber konnte zu dem Album nicht mehr touren, was zu unangenehmen Gerüchten führte. Letztlich lag es aber an der Erkrankung Freddie Mercurys und so wurde das 1991 veröffentlichte Album INNUENDO zum Abschiedsalbum dieses so unglaublich charismatischen und brillanten Frontmannes der Band. Ein Album, das an die Klasse der fünf oder sechs größten Alben vor diesem wieder anschließen kann. Eröffnet von wahnsinnig tollen Titeltrack Innuendo. Ein großartiger Song, mit einem völlig gigantischen Mittelteil und einem fast noch besserem Abschluss. Vielschichtig wie die brillanten Hymnen der 1970er, sprich March of the Black Queen, The Prophet’s Song oder Bohemian Rhapsody, dazu natürlich unerreichbar gut gesungen und mit zwei richtig großartigen Gitarrenpassagen, die Flamenco-Gitarre, übrigens gespielt von Steve Howe von Yes und das anschließende Solo von Brian May. Besser kann ein Album gar nicht anfangen. Bei I’m going slightly mad werden die Nebenwirkungen von Freddie Mercurys AIDS Erkrankung eingebracht, in diesem Fall seine beginnende Demenz und es ist so unglaublich toll und beeindruckend, wie er hier damit umgeht und in was für ein passenden Song das eingebracht wird. Selbst in einer solchen Phase mit solchen Themen und einem bereits so eingeschränkten Alltag solche Lieder zu schreiben und zu singen, das nötigt mir einfach uneingeschränkten Respekt ab, auch für die anderen Mitglieder der Band. Das anschließende Headlong ist ein völlig fantastischer Rock Song, der geradezu danach schreit live gespielt zu werden (was leider nur noch die Cover-Bands machen konnten und können). Don’t try so hard und Ride the wild wind sind weitere Highlights dieses so wunderbaren Albums. Aber die volle Wucht entfaltet das Album bei zwei anderen Songs. Einer davon ist These are the days of our lives. Es ist einer der wenigen Songs, die mit ihrer puren Emotionalität auch meine Emotionen stark beeinflussen können. Diese positive Melancholie die dieser Songs ausstrahlt ist unbeschreiblich und wirkt auf mich so stark wie eben kaum ein anderer Song, oder sogar kein anderer Song überhaupt. Dazu gibt es zu diesem Song ein Video, welches das letzte musikalische Lebenszeichen Freddie Mercurys ist. Am Ende des Videos lächelt er in die Kamera und sagt I still love you. Nach Aussagen die ich hierzu gehört habe, wollte man mit dem Video-Dreh schnell durch sein, da Freddie schon so schwach durch seine so weit fortgeschrittene Erkrankung war. Aber am Ende wollte er diesen Satz in einem zweiten Take aufnehmen, da er sich bewusst wurde, dass es das letzte sein würde, was seine Fans von ihm sehen würden und das sollte so positiv sein. Was für ein toller Mensch! Mit Bijou bringen Queen noch ein besonderes Experiment auf dem Album unter und zwar übernimmt hier die Gitarre die Gesangsmelodien und dafür singt Freddie Mercury das Solo. Eine fantastische Idee, aus der ein so unglaublich schöner Liebessong entstanden ist. Und mit The Show must go on endet dieses Album, mit einem Song, der ein musikalisches Vermächtnis Mercurys darstellt. Der Song entlädt noch einmal so intensive Emotionen und birgt noch einmal einen so unglaublichen Umgang Freddie Mercurys mit seiner Krankheit, mit seinem Sterben und mit seinem Tod. Dieser Song, dieses Album geben einem so viel Hoffnung und so viel Kraft mit auf den Weg, wie es kein anderes Album sonst schafft. RIP Freddie! Singer of Songs, Lover of Life…

Danke Queen, für so viele Stunden unerreichbar schöner Musik.
Zuletzt geändert von Ghost_in_the_Ruin am 26.11.2011 14:50, insgesamt 3-mal geändert.
And the lessons that we‘ve learned have all been learned in the hard way
And soon there‘ll be nothing to deny

(New Model Army - Hard Way)

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