Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Hier sammeln sich nur die Perlen an Threads, die niemals im Datennirvana verschwinden dürfen.
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NegatroN
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von NegatroN »

Tolpan hat geschrieben:Das ist zwar richtig, ob dies den "Lügenpresse"-Schutzwall jedoch durchdringt, halte ich für fraglich.
Ja. Und welcher Weg ist nicht fraglich?
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Apparition
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von Apparition »

OriginOfStorms hat geschrieben:
Apparition hat geschrieben:Der schwer fsssbare Begriff "Volksnähe" ist entscheidend bei links versus konservativ. Den Linken geht das völlig ab, bei CDU/csu ist sie einstellungsvoraussetzung für Spitzenämter. Oder kann sich hier jemand Riexinger oder Wagenknecht im Bierzelt vorstellen?
Auf welchem Planeten sind Spahn, Söder oder Altmeier volksnah? Was soll das für ein Volk sein?
Oh, Söder ist ein super Beispiel. Man kann sicher auf Youtube Aufnahmen vom letzten Wahlkampf finden. Der weiss genau, wie man mit Leuten reden muss, um zum Sympathieträger zu werden. Altmeier nicht so, aber der ist auch mehr Parteisoldat. Spahn ist schon ein guter Redner, allerdings auch ein Besserwisser, siehe sein Hartz 4-Ausfall nach der Bundestagswahl.

Dieses Gefühl zu vermitteln, man würde die normalen Leute verstehen und wissen, was sie umtreibt, kann von der Linken auf Bundesebene keiner. Gysi ja, aber der ist ja raus.
Als Westernheld muss ich Ihnen sagen, hier ist man nicht ordinär, sondern in Lebensgefahr.
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Rotstift
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von Rotstift »

Ich sehe grade die Debatte im britischen Unterhaus, und ich ich finde es verstörend dauernd das Wort "honourable" im Zusammenhang mit Boris Johnson zu hören.
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Im übrigen bin ich der Meinung dass die AfD der politische Arm des Rechtsterrorismus ist.
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Porcupine
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von Porcupine »

Tolpan hat geschrieben:
NegatroN hat geschrieben:
Porcupine hat geschrieben:Das Hauptproblem liegt wohl darin dass Populismus und platte Parolen besser funktionieren als vernünftige Lösungsansätze. Abgrenzung, Angstmache und Lügen finden mehr Zuspruch als tiefgreifende Diskussionen über die wahren Probleme. Siehe das Thema Flüchtlinge, Trump und den Wahlkampf vor der Brexit-Abstimmung. Das Volk wird belogen, jubelt den Lügnern zu und beschimpft die Vernünftigen als "Lügenpresse". Dagegen hilft wahrscheinlich nur Populismus von der "richtigen" Seite. Ein anderer Ansatz fällt mir dazu nicht ein.
Populismus von links halte ich für dir komplett falsche Antwort. Was wir vielmehr bräuchten, wären wieder ernsthafte Debatten statt leerer Phrasen. Da sehe ich vor allem die Journalismus in der Pflicht. Gerade im Fernsehen sind Interviews viel zu sehr dazu verkommen, dass die Fragesteller bloße Stichwortgeber für Phrasen der Politik sind. Da wird viel zu selten und wenig konsequent nachgehakt und widersprochen. Das ist bei den etablierten Parteien schon schlimm, aber bei der AfD ist es fatal. Und mit den Ergebnissen der letzten Wahl wird man nicht darum herumkommen, mit ihnen zu reden. Dann darf man sie aber nicht mit ihren hohlen und falschen Phrasen durchkommen lassen, sondern muss sie konsequent festnageln, Falschaussagen widersprechen (am besten sofort mit Belegen, die man dafür natürlich parat haben muss) und immer wieder nachfragen, was damit genau gemeint sein soll. Populisten muss man bloßstellen, sofort und konsequent und bei jedem Satz, immer wieder. Leere Phrasen dagegenhalten macht alles nur noch sinnloser.
Das ist zwar richtig, ob dies den "Lügenpresse"-Schutzwall jedoch durchdringt, halte ich für fraglich.
Ich auch, denn die Protestwähler schauen sich solche Sendungen nicht an. Damit erreicht man die nicht.
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metalbart
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von metalbart »

Was ich spannend fand, dass die Afd umso höhere Werte hat, je östlicher die Wahlkreise sind..
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Porcupine
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von Porcupine »

NegatroN hat geschrieben:
Porcupine hat geschrieben:Das Hauptproblem liegt wohl darin dass Populismus und platte Parolen besser funktionieren als vernünftige Lösungsansätze. Abgrenzung, Angstmache und Lügen finden mehr Zuspruch als tiefgreifende Diskussionen über die wahren Probleme. Siehe das Thema Flüchtlinge, Trump und den Wahlkampf vor der Brexit-Abstimmung. Das Volk wird belogen, jubelt den Lügnern zu und beschimpft die Vernünftigen als "Lügenpresse". Dagegen hilft wahrscheinlich nur Populismus von der "richtigen" Seite. Ein anderer Ansatz fällt mir dazu nicht ein.
Populismus von links halte ich für dir komplett falsche Antwort. Was wir vielmehr bräuchten, wären wieder ernsthafte Debatten statt leerer Phrasen. Da sehe ich vor allem die Journalismus in der Pflicht. Gerade im Fernsehen sind Interviews viel zu sehr dazu verkommen, dass die Fragesteller bloße Stichwortgeber für Phrasen der Politik sind. Da wird viel zu selten und wenig konsequent nachgehakt und widersprochen. Das ist bei den etablierten Parteien schon schlimm, aber bei der AfD ist es fatal. Und mit den Ergebnissen der letzten Wahl wird man nicht darum herumkommen, mit ihnen zu reden. Dann darf man sie aber nicht mit ihren hohlen und falschen Phrasen durchkommen lassen, sondern muss sie konsequent festnageln, Falschaussagen widersprechen (am besten sofort mit Belegen, die man dafür natürlich parat haben muss) und immer wieder nachfragen, was damit genau gemeint sein soll. Populisten muss man bloßstellen, sofort und konsequent und bei jedem Satz, immer wieder. Leere Phrasen dagegenhalten macht alles nur noch sinnloser.
Ich meinte damit auch keine leeren Phrasen oder Lügen. Sondern die Fähigkeit, die eigenen Positionen mit einfachen Worten besser zu verkaufen. Vor allem die SPD und die Grünen sind dazu nicht in der Lage und vielleicht auch ein wenig zu anständig dafür. Wie sonst soll man sich erklären dass die SPD mit dem Mindestlohn ein zentrales Wahlversprechen einlöst, trotzdem weiter Stimmen verliert und stattdessen Frau Merkel in Harvard dafür gefeiert wird?

Tut gutes und redet darüber! Erklärt den Leuten was besser ist als früher. Redet darüber dass die Verbrechensrate so niedrig ist wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Entlarvt die Märchen von den "messerstechenden Horden" als das was sie sind. Jagt die Populisten als euch von ihnen ständig ins Bockshorn jagen zu lassen!
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borsti
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von borsti »

Tolpan hat geschrieben:
borsti hat geschrieben:Die CDU in Sachsen mag vielleicht seit 30 Jahren herrschen aber sie hat eigentlich nie viel dafür getan.
Dann liegt halt der Grundfehler schon mal darin, dass sie, obwohl sie nix gemacht hat, dennoch immer und immer wieder gewählt wurde. Statt mal den anderen Parteien eine Chance zu geben.
Die anderen Parteien sind in Sachsen außerhalb der Großstädte und einiger Enklaven praktisch nicht existent und waren es auch nie. Maximal noch die Linke, die für nicht gerade wenige Leute noch immer als das größte aller Übel gilt. Wird in den alten Bundesländern gerne übersehen, aber die Partei hat eine Geschichte, die sie gerade in den neuen Bundesländern für Einige absolut unwählbar macht.
Tolpan hat geschrieben: Ich sehe immer noch keinen zwingenden Grund, warum man von der CDU aus rechts abbiegen muss.
Naja, die Leute sind halt so dumm - fast alle Leute überall, wenn die Umstände "stimmen". Wenn man sie sich selbst überlässt, zulässt, dass sie politisch verwahrlosen, dann erhöht das die Chance, dass sie irgendwann dahergelaufenen Populisten auf den Leim gehen. Das ist ja nun auch keine neue Erkenntnis des aktuellen Jahrhunderts und passiert nicht nur in Deutschland.

Junge Leute mit höherem Bildungsstand ziehen überall, wo sie können, weg vom Land in die großen Städte. Es bleiben natürlich auch noch welche da aber das sind Leute, die andere Ziele und andere Perspektiven im Leben haben. Die sind von vorn herein nicht so weltoffen aber deshalb erstmal noch keine Rassisten. Nur hat es den Anschein, als würde sich auch politisch keiner für sie interessieren. Im Gegenteil: Es wird sogar noch der Eindruck vermittelt, als müsste man sich dafür schämen, nicht Schritt halten zu wollen. als hätten sie grundsätzlich einfach den falschen Ansatz im Leben gewählt. Schnell ist dann die Rede von "den Abgehängten" auch wenn diejenigen es bis dahin vielleicht gar nicht so gesehen haben.

Irgendwann wundert man sich, was die Leute so für Ansichten entwickeln, tröstet sich aber damit, dass es nur eine Minderheit in der hintersten Pampa ist. Jedenfalls so lange, bis diese Minderheit vielleicht gar keine Minderheit mehr ist oder plötzlich mächtige Unterstützer findet. Und dann hat man Strache, Salvini, Brexit oder Trump an der Backe. Und da geht auch in Deutschland noch was, wenn man nicht aufpasst. Wenn man sich Wahlergebnisse der AFD in den ländlichen Regionen einiger Altbundesländer anschaut, dann hat man da Sachsen vor 10 Jahren.
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Rotstift
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von Rotstift »

Mal ein paar Gedanken aus meinem persönlichen Umfeld: Mein unlängst verstorbener Schwiegervater hat nie etwas anderes als SPD gewählt. Er war Industriearbeiter und 'kleiner Mann', etwas anderes wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Aber er forderte gerne Drogenhändler aus Flugzeugen zu werfen; Homosexuelle waren bei ihm 'Hinterlader' und '175er', außerdem hatte 'der Jude' sowieso umfassenden Einfluss auf die Weltpolitik. Dass 'Zigeuner' schon bei der Geburt versuchen den Arzt zu beklauen, war ebenso selbstverständlich.
Wie gesagt, ein lebenslanger SPD-Wähler. Mit einer DDR-Sozialisation wahrscheinlich auch ein treuer AfD-Wähler.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von costaweidner »

Rotstift hat geschrieben:Mal ein paar Gedanken aus meinem persönlichen Umfeld: Mein unlängst verstorbener Schwiegervater hat nie etwas anderes als SPD gewählt. Er war Industriearbeiter und 'kleiner Mann', etwas anderes wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Aber er forderte gerne Drogenhändler aus Flugzeugen zu werfen; Homosexuelle waren bei ihm 'Hinterlader' und '175er', außerdem hatte 'der Jude' sowieso umfassenden Einfluss auf die Weltpolitik. Dass 'Zigeuner' schon bei der Geburt versuchen den Arzt zu beklauen, war ebenso selbstverständlich.
Wie gesagt, ein lebenslanger SPD-Wähler. Mit einer DDR-Sozialisation wahrscheinlich auch ein treuer AfD-Wähler.
Auch wenn das in der Häufung von üblen Stereotypen natürlich extrem erscheint, sehe ich da vor allem in der Ausdrucksweise eher das Alter/die Generation als entscheidend, oder? Ich weiß natürlich nicht, wie alt der Mann genau war, aber ich denke doch mit einem Geburtsjahr, bei dem das immer noch schlimm zum Zuhören aber wohl leider wenig überraschend ist.
Und wenn dann nur Leute dieses Alters so wären, gäbe es das Problem ja bald nicht mehr, blöd gesagt. Nur ist es ja so nicht, wie die beiden Landtagswahlen eindrucksvoll belegt haben.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von Rotstift »

costaweidner hat geschrieben:
Rotstift hat geschrieben:Mal ein paar Gedanken aus meinem persönlichen Umfeld: Mein unlängst verstorbener Schwiegervater hat nie etwas anderes als SPD gewählt. Er war Industriearbeiter und 'kleiner Mann', etwas anderes wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Aber er forderte gerne Drogenhändler aus Flugzeugen zu werfen; Homosexuelle waren bei ihm 'Hinterlader' und '175er', außerdem hatte 'der Jude' sowieso umfassenden Einfluss auf die Weltpolitik. Dass 'Zigeuner' schon bei der Geburt versuchen den Arzt zu beklauen, war ebenso selbstverständlich.
Wie gesagt, ein lebenslanger SPD-Wähler. Mit einer DDR-Sozialisation wahrscheinlich auch ein treuer AfD-Wähler.
Auch wenn das in der Häufung von üblen Stereotypen natürlich extrem erscheint, sehe ich da vor allem in der Ausdrucksweise eher das Alter/die Generation als entscheidend, oder? Ich weiß natürlich nicht, wie alt der Mann genau war, aber ich denke doch mit einem Geburtsjahr, bei dem das immer noch schlimm zum Zuhören aber wohl leider wenig überraschend ist.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von costaweidner »

Rotstift hat geschrieben:
costaweidner hat geschrieben:
Rotstift hat geschrieben:Mal ein paar Gedanken aus meinem persönlichen Umfeld: Mein unlängst verstorbener Schwiegervater hat nie etwas anderes als SPD gewählt. Er war Industriearbeiter und 'kleiner Mann', etwas anderes wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Aber er forderte gerne Drogenhändler aus Flugzeugen zu werfen; Homosexuelle waren bei ihm 'Hinterlader' und '175er', außerdem hatte 'der Jude' sowieso umfassenden Einfluss auf die Weltpolitik. Dass 'Zigeuner' schon bei der Geburt versuchen den Arzt zu beklauen, war ebenso selbstverständlich.
Wie gesagt, ein lebenslanger SPD-Wähler. Mit einer DDR-Sozialisation wahrscheinlich auch ein treuer AfD-Wähler.
Auch wenn das in der Häufung von üblen Stereotypen natürlich extrem erscheint, sehe ich da vor allem in der Ausdrucksweise eher das Alter/die Generation als entscheidend, oder? Ich weiß natürlich nicht, wie alt der Mann genau war, aber ich denke doch mit einem Geburtsjahr, bei dem das immer noch schlimm zum Zuhören aber wohl leider wenig überraschend ist.
Und wenn dann nur Leute dieses Alters so wären, gäbe es das Problem ja bald nicht mehr, blöd gesagt. Nur ist es ja so nicht, wie die beiden Landtagswahlen eindrucksvoll belegt haben.
Jahrgang 1932. Aber mein Vater (3 Jahre jünger) fährt eine hart linke Agenda.
Ich wollte auch gar nicht behaupten, dass das dann auf eine ganze Generation zutrifft, beileibe nicht. Aber gängiger war oder ist es da ja vermutlich doch.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von GoTellSomebody »

Der entscheidende Unterschied ist ja, dass dieser Mann das gedacht und offen ausgesprochen hat, er das aber vermutlich nie gewählt hätte, wenn ihm eine Partei das unter die Nase gerieben hätte.
Es ist halt auch ein Problem unserer Zeit, dass alles sofort zu einem Politikum wird bzw. werden kann und jeder denkt, er habe eine Meinung, die es wert ist, als allgemeingültig angesehen zu werden.
Zuletzt geändert von GoTellSomebody am 03.09.2019 20:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von Mustafa_Manson »

Ich denke, darüber, dass sich die Politik um die sozialen Nöte der Bürger kümmern muss, besteht hier Einigkeit.

Ursprüglich ging es aber um die Aussage, dass die AFD Dinge thematisiert, die lange Zeit überhaupt nicht öffentlich stattfanden.
Diese Dinge fanden nicht öffentlich statt, weil ein allgemeiner Konsens darüber bestand, dass Rassismus scheisse ist, daher das "Tabu".
Es ging nicht um Bürger mit sozialen Problemen, sondern um Menschen, die "sich kritisch zu Themen wie Einwanderung, Multikulti und Co. geäußert haben".

borsti meint, die sollte man nicht gleich als fremdenfeindlich bezeichnen.
Ich denke, dass man bei 'Kritik' sarrazinscher Art durchaus auf die Fremdenfeindlichkeit darin hinweisen sollte.
Als Kritik verpackter Rassismus dürfte auch weit häufiger vorkommen als der Umkehrfall mit der ungerechtfertigten Nazi-Keule.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von Rotstift »

costaweidner hat geschrieben:
Rotstift hat geschrieben:
costaweidner hat geschrieben:
Rotstift hat geschrieben:Mal ein paar Gedanken aus meinem persönlichen Umfeld: Mein unlängst verstorbener Schwiegervater hat nie etwas anderes als SPD gewählt. Er war Industriearbeiter und 'kleiner Mann', etwas anderes wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Aber er forderte gerne Drogenhändler aus Flugzeugen zu werfen; Homosexuelle waren bei ihm 'Hinterlader' und '175er', außerdem hatte 'der Jude' sowieso umfassenden Einfluss auf die Weltpolitik. Dass 'Zigeuner' schon bei der Geburt versuchen den Arzt zu beklauen, war ebenso selbstverständlich.
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Und wenn dann nur Leute dieses Alters so wären, gäbe es das Problem ja bald nicht mehr, blöd gesagt. Nur ist es ja so nicht, wie die beiden Landtagswahlen eindrucksvoll belegt haben.
Jahrgang 1932. Aber mein Vater (3 Jahre jünger) fährt eine hart linke Agenda.
Ich wollte auch gar nicht behaupten, dass das dann auf eine ganze Generation zutrifft, beileibe nicht. Aber gängiger war oder ist es da ja vermutlich doch.
Der Unterschied: Meine wunderbare Frau war wiederum ein Produkt der 70er Jahre und hat ihrem Vater heftig Contra gegeben. Wenn aber eine kritische Sozialisation entfällt bekommst Du die AfD Wähler von heute.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitrag von NegatroN »

Porcupine hat geschrieben:
NegatroN hat geschrieben:
Porcupine hat geschrieben:Das Hauptproblem liegt wohl darin dass Populismus und platte Parolen besser funktionieren als vernünftige Lösungsansätze. Abgrenzung, Angstmache und Lügen finden mehr Zuspruch als tiefgreifende Diskussionen über die wahren Probleme. Siehe das Thema Flüchtlinge, Trump und den Wahlkampf vor der Brexit-Abstimmung. Das Volk wird belogen, jubelt den Lügnern zu und beschimpft die Vernünftigen als "Lügenpresse". Dagegen hilft wahrscheinlich nur Populismus von der "richtigen" Seite. Ein anderer Ansatz fällt mir dazu nicht ein.
Populismus von links halte ich für dir komplett falsche Antwort. Was wir vielmehr bräuchten, wären wieder ernsthafte Debatten statt leerer Phrasen. Da sehe ich vor allem die Journalismus in der Pflicht. Gerade im Fernsehen sind Interviews viel zu sehr dazu verkommen, dass die Fragesteller bloße Stichwortgeber für Phrasen der Politik sind. Da wird viel zu selten und wenig konsequent nachgehakt und widersprochen. Das ist bei den etablierten Parteien schon schlimm, aber bei der AfD ist es fatal. Und mit den Ergebnissen der letzten Wahl wird man nicht darum herumkommen, mit ihnen zu reden. Dann darf man sie aber nicht mit ihren hohlen und falschen Phrasen durchkommen lassen, sondern muss sie konsequent festnageln, Falschaussagen widersprechen (am besten sofort mit Belegen, die man dafür natürlich parat haben muss) und immer wieder nachfragen, was damit genau gemeint sein soll. Populisten muss man bloßstellen, sofort und konsequent und bei jedem Satz, immer wieder. Leere Phrasen dagegenhalten macht alles nur noch sinnloser.
Ich meinte damit auch keine leeren Phrasen oder Lügen. Sondern die Fähigkeit, die eigenen Positionen mit einfachen Worten besser zu verkaufen. Vor allem die SPD und die Grünen sind dazu nicht in der Lage und vielleicht auch ein wenig zu anständig dafür. Wie sonst soll man sich erklären dass die SPD mit dem Mindestlohn ein zentrales Wahlversprechen einlöst, trotzdem weiter Stimmen verliert und stattdessen Frau Merkel in Harvard dafür gefeiert wird?

Tut gutes und redet darüber! Erklärt den Leuten was besser ist als früher. Redet darüber dass die Verbrechensrate so niedrig ist wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Entlarvt die Märchen von den "messerstechenden Horden" als das was sie sind. Jagt die Populisten als euch von ihnen ständig ins Bockshorn jagen zu lassen!
So bin ich deutlich mehr bei dir.
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