So wars....

Hier dreht sich alles um unser Festival
Benutzeravatar
Warpig1975
Beiträge: 3044
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Duisburg/Ruhrpott

So wars....

Beitragvon Warpig1975 » 09.06.2014 00:34

So, das Rock Hard Festival 2014 ist Geschichte, und ich will mal kurz meine Eindrücke schildern.

Das RHF stand dieses Jahr für mich unter einem ganz besonderen Stern, denn ich habe, aufgrund eines Unfalls, das erste Mal am eigenen Leib erfahren dürfen, wie sich so ein Festival als gehbehinderter Mensch (Krücken halt) anfühlt. An und für sich nichts besonderes, aber wenn man noch nie in der Situation war, macht man sich über so Themen wie Sitzgelegenheiten, barrierefreie Toiletten, Laufwege etc. irgendwie keine Gedanken. Ums abzukürzen: Das RHF ist auch in diesen Belangen vorbildlich, besonders hervor zu heben ist die uneingeschränkte Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme, sowohl der Crew, als auch ausnahmslos aller Besucher. Danke dafür.

So, und nun zu den Bands:

Freitag:

Es ist eine beschämende Tradition, dass ich den Freitags-Opener beim RHF verpasse. Dabei hatte ich mich auf Nocturnal eigentlich gefreut. Aber bis man halt so da ist...naja, wird halt beim Party.San nachgeholt.

Zodiac standen eigentlich nicht zwingend auf meiner Liste, aber da wir eh im Amphitheater Platz genommen hatten - normalerweise habe ich für Retro-Rock nur wenig übrig, diese Band hat ihre Sache allerdings gut gemacht und passend zum herrlichen Wetter einige coole, schnörkellose Rocksongs losgelassen. Auch vor die Bühne haben die Leute gut gefeiert. Konnte man sich geben

Mein Tageshighlight waren dann Decapitated: Modern gespielten, brutalen Death Metal hat man in den letzten Jahren nicht allzu oft auf dem RHF gehört, umso bedauerlicher, dass ich mir das Spektakel nur als "Zaungast" von oben geben konnte. Ein Umstand, der sich noch durch das ganze Wochenende ziehen sollte, denn selten gab es mehr Bands auf dem Billing, deren Musik so sehr zum "aktiven mitmachen" einlud, wie dieses Jahr.

Danach dann die mit viel Vorschußlorbeeren bedachten Midnight (Kult!!): Rotzig gespielter Heavy Metal mit ordentlicher Motörhead-Schlagseite, tat niemandem weh, braucht aber eigentlich auch keiner.

Da die Reiter in unserer Truppe niemand mag und ich bis Triptykon nicht mehr warten wollte (3x mal gesehen, Live bisher immer eher durchwachsen bis langweilig), ging der erste Festivaltag somit zu Ende. Die Pausen zwischen den Bands haben wir mit dem ein oder anderen Bierchen, Cuba Libre, dem Treffen jeder Menge Bekannter und einigen Nackensteaks vom Schwenker (meiner Meinung nach immer noch die beste Verpflegung auf der Veranstaltung) verbracht.

Samstag

Der Samstag startete mit Screamer, die mit ihrem klassischen Old School Metal durchaus Ton und Stimmung des wiedermal extrem sonnigen und warmen Tages trafen.

Sólstafir waren dann für mich musikalisch eine der herausragensten Bands des ganzen Wochenendes: Leider verpuffte die Wirkung ihrer isländisch-unterkühlten, epischen-progressiven Stoner-Hymnen an der sonnigen Atmosphäre des Tages und dem Banausentum von Teilen des Publikums, meine eigene Begleitung eingeschlossen (Kollege kommt nach 20 Minuten mit Bier und Bratwurst wieder, und bölkt: Ey, sind die immer noch beim Intro, oder wat?" :nerv: )

Die Pretty Maids hatten dann das absolute und - zugebenermaßen auch überzeugendere, Kontrastprogramm zu bieten: Schöner, straighter Heavy Rock, ein cooler Sänger, ordentlich Partystimmung auch ganz oben. Super.

Stumpf ist Trumpf hieß es danach bei Obituary: Die Band ist im DM jetzt nicht meine erste Wahl, aber Live sind die Jungs immer wieder sehenswert

Den Sympathie-Preis und auch den Titel als heimlicher Headliner des Tages, gewannen dann Sacred Reich; Spielfreude, Witz, und Songauswahl waren wieder mal erstklassig und Phil ist einfach immer noch ein erstklassiger Frontmann.

Auf Carcass hatte ich mich sehr gefreut, und obwohl es an der Musik und dem Livesound an und für sich nichts auszusetzen gab, fand ich den ganzen Gig eher mittelprächtig. Irgendwie wollte der Funke nicht überspringen und man fragt sich zurecht, wie eine solche Band zum Headliner wird...

Sonntag

Der Sonntag begann mit Orphaned Land, deren orientalisch angehauchter Heavy Metal perfekt zum späten Tagesanbruch passte und auch den letzten Rest von Gewitterwolken wegblies. Auf Platte brauch ich sowas eher nicht, Live immer wieder ein Genuß.

Insomnium waren dann für mich die Überraschung des Tages; grob hatte ich die zwar immer in die Melodeath-Ecke sortiert hatte, war mir bisher nicht klar, was mir hier für geile Songs mit Melodie, Tiefgang etc. entgangen sind. Publikumsreaktionen waren aber eher verhalten...

Monster Magnet sind auf Festivals für mich eine typische "Kann"-Band: Heute hats gepasst und ich wurde nicht enttäuscht, die schwer groovenden Kiffer-Riffs passten genau zur Tagesstimmung

Annihilator waren dann mein Tageshighlight, die Band hat einfach alles abgerissen und das amphitheater in einen Hexenkessel verwandelt. Jederzeit gerne wieder!

Tesla hatten es nach dem Thrash-Inferno etwas schwer, mit der Zeit kamen die Leute aber in Gang und genoßen zu der sich langsam einstellenden Abkühlung bluesigen Hard Rock mit echter Rock´n´Roll-Attitüde.

Eigentlich war es ja eh klar: Natürlich können Testament Headlinger, und obwohl ich lieber Megadeth an dieser Stelle gesehen hätte, muss man ganz klar sagen, dass Testament ihre Sache mehr als gut gemacht haben. Genaueres kann ich aber nicht sagen, da ich es satt hatte, die ganze Zeit auf Hinterteile zu starren und stattdessen in den Biergarten geflüchtet bin.

Unterm Strich war es wieder einmal ein gelungenes Festival, sehr wahrscheinlich sogar eine der vesten Ausgaben des RHF, die ich bisher erlebt habe. Jederzeit und gerne wieder! :prost:
Heavy Metal in my ears, Is all i ever want to hear.
Before the sands of time run out, We'll stand our ground and all scream out!

Manilla Road - Heavy Metal to the World
On Tour: Slayer - Westfalenhalle, Dortmund
http://www.musik-sammler.de/sammlung/eddie1975 http://www.lastfm.de/user/Eddie1975
Benutzeravatar
Jutting
Beiträge: 4161
Registriert: 26.03.2004 00:21

Re: So wars....

Beitragvon Jutting » 09.06.2014 10:17

Meine Eindrücke: Zunächst einmal zum Festival/Organisation.

Ich war im Vorfeld skeptisch was das Wochenende ohne Götz und Co mit sich bringen würde. Soviel sei gesagt, am reibungslosen Ablauf hat sich nichts verändert. Folgendes ist mir allerdings negativ aufgefallen. Am Freitag wurde offenbar am Einlass kein Sicherheits Check durchgeführt. Ich selbst bin 5 mal rein und wurde immer nur ohne abtasten durchgewunken. Alle anderen vor mir auch. Das gleiche Bild auf dem Campingplatz, da aber das ganze Wochenende. Darauf geachtet, ob man ein Campingbändchen hat, wurde eher sporadisch.

Die Einlass Kontrollen wurden zumindest ab Samstag besser, wobei ich echt den Eindruck hatte, dass die Herrschaften da einfach keine Lust hatten. Ganz im Gegenteil zu den Jungs vor der Bühne. Jedes Jahr ne Super Leistung und immer freundlich dabei. Es gab dieses Jahr überhaupt keinen Zigarettenstand mehr und auch der Geldautomat wurde offensichtlich abgeschafft.

Beides hat man natürlich in der Einkaufspassage gehabt, aber wer bei dem Wetter freiwillig viel gelaufen ist, ist offenbar mit seinem Gesicht vor den Schrubber gerutscht. Was mich allerdings am meisten überrascht hat, war die Tatsache, dass offenbar keiner der Veranstalter geschaut hat was die Händler im Zelt verhökern. Mir kam beim Vorbeischlendern ein Pärchen mit einer Graveland Cd aus eben diesem entgegen :rot:

Da jetzt zu sagen, wenn Götz noch da gewesen wäre, wäre sowas nicht passiert ? Ganz ehrlich ich weiß es nicht. Ich für meinen Teil und so mancher hat die gleiche Aussage am Wochenende getätigt, habe schon eine gewisse Präsenz diesbezüglich vermisst. Da das aber sicherlich jeder anders empfunden haben mag nun zum wesentlichen: Der Musik.

Freitag

Das Festival mit Thrash zu eröffnen hat bekanntlich Tradition und auch dieses Jahr eine gute Entscheidung. Nocturnal erfinden zwar nicht das Rad neu, aber rumpeln spielfreudig bei gutem Sound ihr Set runter.

Zodiac und Decapitated beide von oben gesehen und für brauchbar befunden.

Midnight haben dann genau das gebracht, was ich erwartet habe. Sorry aber mehr als Tagesopener für solchen Schmonsens ist unverschämt. Auch wenn der Freitag eher undergroundiger sein soll. Wenn die Truppe genauso viel Spielzeit wie zwei Tage später Annihlator erhält find ich das schon Grenzwertig.

Danach kommen die Reiter und joa was soll ich sagen ich mag die Jungs. Einzig die Setlist ist zu bemängeln, welche überwiegend neues Material enthält. Wer danach aber behauptet die Reiter seien wie Unheilig nur mit Gitarren, sollte sich vielleicht nochmal fragen ob er wirklich da war und zu gehört hat :wink:

Tryptikon schau ich mir dann noch 30 Minuten an überhaupt nicht meins und offenbar auch 2011 nichts verpasst.

Samstag

Nachdem ein gewisser Hannes morgens um sechs den halben Campingplatz geweckt hat, zieht sich das Warten auf den Einlass wie Kaugummi. Roxxcalibur, Dead Lord und Screamer fallen dann wieder in die Zodiac Kategorie. Tun niemandem weh kann man laufen lassen, alles gut. Gleiches gilt leider nicht für Solstafir, die ohnehin schon mit ihrem Material nen schweren Stand bei dem Wetter haben. Die Band wählt nen Einstieg der so zäh ist, dass es uns dann doch nach 10 Minuten in den Schatten zieht.

Ich kenne und mag die Band, aber typischer Fall von falscher Ort zur falschen Zeit. Die Pretty Maids machen im Anschluss dafür alles richtig. Spielfreudig, Songs en Masse zum Mitgehen und Singen, alles wunderbar.

Danach kommen Obituary und ja Stumpf war's wohl aber dennoch gut. Sacred Reich sind für viele im Vorfeld wohl die Band des Wochenendes und was soll man anderes sagen, außer vollkommen zurecht. Kein Backdrop, keine Deko einfach nur 4 Leute die nichts außer verbrannter Erde hinterlassen. Jeder der danach ran muss hat quasi schon verloren.

Carcass habe ich vorher noch nie gesehen und leider ähnlich wie bei Tryptikon nichts verpasst. Die Headliner bleiben in diesem Jahr hinter den Erwartungen zurück. Macht aber nix, da es auch am Sonntag Bands gibt, die das locker wieder auffangen.

Da es um kurz nach elf schon auffällig dunkel wird, zieht es uns zeitig vor die Bühne, was sich als gute Entscheidung erweist. Pünktlich um 12 als Iron Savior die Bühne entern kommt ein kurzer aber heftiger Schauer runter. Gut fr die Hamburger die somit natürlich viele vor die Bühne unters Dach ziehen :D
Was im Anschluß folgt kann sich aber auch sehen und hören lassen. 1 A Power Metal absolut professionell dargeboten dem man sich vor der Bühne nicht entziehen kann.

Danach folgt zumindest für mich DIE Überraschung des Festivals mit den Blues Pills. Ich mein das da Gesangstechnisch einiges zu erwarten ist, war mir im Vorfeld klar. Das der Rest der Band aber so dermaßen dazu grooven würde nicht. Mag auf den Rängen vielleicht anders angekommen sein, aber in der ersten Reihe ist es wirklich Musik die mich im Inneren trifft und berührt. Ganz tolle Band ohne wenn und aber.

Bei Orphaned Land läuft im Anschluss zumindest eins besser als beim letzten Besuch 2010. Die orientalischen Samples vom Band sind außer bei Brother durchgängig und besser zu hören. Was mich ein wenig gestört hat, ist das Kobis Gesten mittlerweile ein Stück weit aufgesetzt aussehen. Der Stimmung tuts aber keinen Abbruch und Orphaned Land liefern nen gelungen Auftritt ab.

Danach endet das RHF 2014 für uns auch schon. Der Plan zumindest bis Tesla vor Ort zu bleiben wird durch die Extreme Hitze am gesamten Wochenende und daraus resultierenden Kreislauf Problemen verworfen. Im Endeffekt auch nicht weiter tragisch, einzig Annihilator hätte ich mir noch gerne angesehen, Testament haben ja wie ich es bisher rausgelesen habe, mal wieder ziemlich verkackt.

Es bleibt ein schönes wenn auch definitiv zu warmes Wochenende mit großteils guter Musik und netten Leuten wie gewohnt.
Nur im Notfall drücken.

Spoiler:
Nur im Notfall du Depp!


24 Stunden reichen um das Verhaltensmuster dieses Forums zu erkennen. Hier geht es abenteuerlich zu, vogelwild.
Benutzeravatar
aisteh
Beiträge: 113
Registriert: 27.06.2009 14:51

Re: So wars....

Beitragvon aisteh » 09.06.2014 16:28

Warpig1975 hat geschrieben:So, das Rock Hard Festival 2014 ist Geschichte, und ich will mal kurz meine Eindrücke schildern.

Das RHF stand dieses Jahr für mich unter einem ganz besonderen Stern, denn ich habe, aufgrund eines Unfalls, das erste Mal am eigenen Leib erfahren dürfen, wie sich so ein Festival als gehbehinderter Mensch (Krücken halt) anfühlt. An und für sich nichts besonderes, aber wenn man noch nie in der Situation war, macht man sich über so Themen wie Sitzgelegenheiten, barrierefreie Toiletten, Laufwege etc. irgendwie keine Gedanken. Ums abzukürzen: Das RHF ist auch in diesen Belangen vorbildlich, besonders hervor zu heben ist die uneingeschränkte Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme, sowohl der Crew, als auch ausnahmslos aller Besucher. Danke dafür.[...]


Stimmt alles. Bin auch selber Rollstuhlfahrer und das ist so entspannt aufm RHF. Das Gelände an sich ist auch super, weil eben befestigt anstatt von Feldern dazu auch die kurzen Wege zu den Toiletten. Und dann eben auch so "Kleinigkeiten", wie das bewachte Behinderten-WC. Oder auch die Möglichkeit, über den Backstagebereich in den Innenraum zu kommen (Oder in den Graben, wenn die Presse raus ist :pommes: ).

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste