Weltmeisterschaft 2018 in Russland

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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon Tolpan » 11.03.2018 09:45

Unser Rebic sollte seinen Kaderplatz doch eigentlich auch sicher haben, oder?
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 11.03.2018 17:54

Tolpan hat geschrieben:Unser Rebic sollte seinen Kaderplatz doch eigentlich auch sicher haben, oder?


Für die näxhsten Freundschaftsspiele ist er im Kader, sieht also gut aus.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 11.03.2018 19:00

11. Kolumbien

Ausgangslage:
Nachdem man ein paar Jahre etwas im fußballerischen Off war, spielte man eine glänzende Qualifikation für die WM 2014, und rundete das mit einem sehr guten Auftritt im Turnier ab. Dieses Mal war es etwas holpriger, aber wir wissen ja alle wie hart die südamerikanische Qualifikation ist, man muss starke Teams wie Paraguay, Ekuador oder Chile hinter sich lassen, und wenn man das schafft, ist man zurecht bei einer Weltmeisterschaft. Irgendwie hatte man von den nachkommenden Spielern noch etwas mehr erwartet, Kolumbien ist ja im Fußball auf breiter Front im Vormarsch. Die Clubs schlagen sich gut in der Copa Libertadores und der Copa Sudamericana, man hat regelmäßig gute Auftritte bei U20 und U17-Weltmeisterschaften, und es gibt einen ganzen Schwung guter Trainer, der auch im Ausland beliebt ist, besonders in Mittelamerika scheint garnichts mehr ohne kolumbianische Fachkräfte an der Linie zu gehen. Womit wir beim Trainer dieser Mannschaft wären, der kommt aus Argentinien und ist ein alter Bekannter. Jose Pekerman gilt neben Marcelo Bielsa oder Oscar Tabarez zu den großen taktischen Vordenkern Südamerikas in den letzten Jahrzehnten. Ein ganz gewiefter Taktiker, der gerne mal was ausprobiert, wofür man ja im Nationalmannschaftsfußball nicht immer belohnt wird. Sei es wie es ist, hier haben wir immer noch eine stark besetzte Mannschaft, taktisch gut aufgestellt, bissig, die über 90 Minuten gegen eigentlich jedes Team der Welt ordentlich Betrieb machen kann.

Spieler:
Star im offensiven Mittelfeld ist James Rodriguez, dessen Vereinskarriere bei den Bayern wohl nicht ganz zu seiner Zufriedenheit verläuft, der aber bei Kolumbien komplett unumstritten ist. Leider hat er immer wieder körperliche Probleme, da muss man wohl hoffen, das der bei der WM in bester Form ist. Offensiv ist man aber auch ohne ihn stark besetzt, Rechtsaußen Juan Cuadrado (Juventus), der wieder zu absoluter Hochform aufgelaufene Mittelstürmer Radamel Falcao (Monaco), dazu Duvan Zapata (Sampdoria), Luis Muriel (Sevilla), Jose Izquierdo (Brighton & Hove), Carlos Bacca (Villareal) oder Miguel Borja (Palmeiras) - nein, man hat kein Problem überdurchschnittliche bis hervorragende Spieler zu finden, die offensiv was reißen können. Im Mittelfeld sieht es nicht ganz so überladen aus, die eher defensiv orientierten Veteranen Carlos Sanchez (Espanyol) und Abel Aguilar (Deportivo Cali) scheinen momentan gesetzt, klar, die ganzen rücksichtslos offensiv agierenden Wirbler da vorne brauchen eine solide Absicherung. Juan Cuadrado (Juventus) bleibt selbstverständlich erste Wahl auf der rechten Seite, mit Giovanni Moreno (Shanghai Shenhua) hat man noch eine ganz erfahrene Alternative im offensiven Mittelfeldbereich, dort könnte auch Edwin Cardona (Boca Juniors) auflaufen. Torhüter David Ospina sitzt bei Arsenal nur auf der Bank und bekommt wenig Spielpraxis, das könnte ein Problem sein. Reden wir über die Verteidigung, die in der Quali nicht immer perfekt stand. Santiago Arias von PSV ist rechts sicherlich die logische Wahl, genauso wie Frank Fabra (Boca Juniors) auf der linken Seite. Beides gute Leute, aber halt nicht das, was andere Mannschaften bei dieser WM auffahren können. In der Mitte scheint Cristian Zapata von Milan auf jeden Fall gesetzt, und dann müssen wir schon über Talente reden, um den Platz neben ihm streiten sich nämlich zwei der spannendsten jungen Spieler auf dieser Position. Da ist zum einen Davinson Sanchez von Tottenham, der dort in seiner ersten Saison für einen 21-jährigen Innenverteidiger geradezu verblüffend souverän spielt. Aber auch Yerry Mina, der gerade erst von Palmeiras zu Barcelona gewechselt ist, könnte ein ganz großer zentraler Abwehrmann werden. Also jetzt vom Spiel her, körperlich ist der schon ein richtiger Hühne, und enorm kopfballstark, was einen nicht wundert wenn man den sieht. Ziemlich bizarr, wenn die zwei jüngsten Spieler im Kader ausgerechnet Innenverteidiger sind, das ist ja bei allen normalen Mannschaften genau andersrum, aber Kolumbien ist halt anders. Mittelstürmer Roger Martinez spielt bei Villareal gerade eine sehr durchwachsene Saison, so wird er nicht an den vielen starken Offensivkräften Kolumbiens vorbeikommen. Interessanter ist da schon der erst 18-jährige Außenstürmer Juan Hernandez (genannt Cucho) vom spanischen Zweitligatabellenführer Huesca, der spielt da groß auf, und scheint definitiv einer für die Zukunft zu sein.

Chancen:
Das ist eine tolle, offensiv spielende Mannschaft, bei der momentan noch nicht alle Rädchen ineinander greifen. Man hat eine harte Vorrundengruppe, in der man sich wenig Fehler erlauben kann, aber die nächste Runde sollte man schon erreichen. Danach könnte es gegen Belgien oder England gehen, und da wird es schon richtig schwer, aber so soll es ja auch sein bei einer WM. Eigentlich sollte Jose Pekerman mit dieser Truppe schon das Viertelfinale anvisieren.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 11.03.2018 21:46

10. England

Ausgangslage:
Alle die, die meine Analysen vor Turnieren seit Jahren lesen, werden wissen, daß ich den England-Hype oft genug mitgemacht habe. Und all die, die danach die Turniere angeguckt haben, wissen auch, daß dieser Hype jedes verdammte Mal ungerechtfertigt war. Jetzt soll bei England mal wieder alles neu sein, und es stimmt ja auch, man spielt keinen peinlichen Retrofußball mehr, es rückt ein ganzer Haufen von vielversprechenden Talenten nach, und auch bei den Jugendfußballweltmeisterschaften kann man nach ewigen Zeiten der Peinlichkeit endlich wieder mal richtig was reissen. Man verzeihe, daß ich trotzdem noch skeptisch bin, aber ich erinnere mich noch gut an die letzte EM, als mir wieder mal alle Fußballkenner der Welt erzählt haben, wie ernst man England nehmen muss, und dann sind die gegen Island rausgeflogen. Die Qualifikation wurde zwar klar geschafft, aber 2017 war das ganz schön oft ein richtiges Gewürge. Eine große Frage, die im Raum steht, ist zum Beispiel, ob Gareth Southgate jetzt ein guter Trainer ist oder nicht. Mit Southampton ist er abgestiegen, mit der U21-Nationalmannschaft lief es auch nicht so besonders, jetzt ist er Trainer bei den Großen. Ich bin mir unsicher, aber der Hypetrain läuft schon wieder, und anscheinend sind all diese jungen englischen Spieler das größte Ding seit geschnittenem, labbrigen Weißbrot.

Spieler:
Harry Kane trifft in den letzten Jahren für Tottenham wie am Fließband, und soll jetzt also der Lineker seiner Generation werden. Kann ich mir vorstellen, das ist schon ein richtig guter Junge. Raheem Sterling von Man City macht derzeit offensiv ebenfalls einen hervorragenden Eindruck. Und dann hat man da ja noch den ewig rackernden Jamie Vardy von Leicester, passt ebenfalls. Schmeissen wir nun gleich mal den Namen des ersten Supertalents in den Ring, Marcus Rashford von Man Utd ist im Team mittlerweile eine feste Größe. Wie sieht es im Mittelfeld aus? Klar, Dele Alli von Tottenham soll da so eine Art Maradona in ritterlich sein, mal gucken, Fußball spielen kann er ja, ob er auch Fußball arbeiten kann, da bin ich mir nicht so sicher. Sein Mannschaftskamerad Eric Dier soll wohl den defensiven Part im Mittelfeld geben. Dazu kommen dann wohl Alex Oxlade-Chamberlain (Liverpool), den wir alle wegen seines bekloppten Namens lieben, dann Jake Livermore (West Bromwich), ein echter zentraler Kämpfer, und mit Jordan Henderson (Liverpool) noch ein zentraler Passgeber. Joe Hart wurde uns lange als superber Torsteher verkauft, ich persönlich fand den West Ham-Mann nie so richtig doll, aber für dieses Land durfte ja sogar David Seaman 75 mal ins Tor. Mehr muss man über englische Torwarttraditionen eigentlich nicht wissen. Die Abwehr könnte von links nach rechts so aussehen: Ryan Bertrand (Southampton), Gary Cahill (Chelsea), John Stones (Man City) und Kyle Walker (Man City). Klingt jetzt nicht ganz ungeil, wenn man es so liest. Sonst würden da noch Phil Jones (Man Utd) oder Michael Keane (Everton) bereit stehen. Mit Alli und Rashford hab ich ja schon zwei Jungs aus der Talentekiste angesprochen, machen wir mal weiter. Joe Gomez von Liverpool spielt bisher eine richtig feine Saison, gut möglich das der sich gerade noch in die Mannschaft kämpft, so als Back-Up in der Innenverteidigung. Ruben Loftus-Cheek ist diese Saison von Chelsea an Crystal Palace ausgeliehen, ist dort Stammspieler, und durfte auch schon in der Nationalmannschaft ran. Da das zentrale/defensive Mittelfeld in der Quali nicht immer überzeugen konnte, hat auch der ganz gute Chancen, in den Kader zu kommen. Auf derselben Position würde sich auch noch Harry Winks (Tottenham) anbieten, aber der scheint mir etwas hinter Loftus-Creek in der internen Teamreihenfolge zu stehen. Und ganz vorne gäbe es dann noch die jungen Tammy Abraham (Swansea) und Dominic Solanke (Liverpool), wobei letzterer halt mal anfangen müsste das Tor zu treffen. Ach ja, und wenigstens mal erwähnt haben möchte ich Ryan Sessegnon, den vielleicht teuersten 17-jährigen, den es momentan gibt. Der Spielt auf der linken Seite, und räumt bei Fulham in der zweiten Liga gerade so richtig auf.

Chancen:
Ihr seht mich seufzen. In der Vorrunde kann eigentlich nichts schiefgehen, gegen Tunesien und Panama muss man sich einfach durchsetzen. Belgien ist dann eine ganz andere Hausnummer, die sind bärenstark besetzt, und dazu richtig gut eingespielt, ein gewachsenes Team. Gehen wir mal von Rang 2 in der Gruppe aus, dann hätte man danach mit Kolumbien, Polen oder dem Senegal lauter Teams, die ungefähr auf demselben Level spielen wie man selbst. Das Viertelfinale ist für eine englische Mannschaft eigentlich immer ein Erfolg, das wird ein hartes Stück Arbeit, ist aber machbar. Mehr sehe ich dieses Mal noch nicht.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 12.03.2018 20:17

9. Mexiko

Ausgangslage:
Von allen Mannschaften kommt Mexiko mit der seltsamsten WM-Turnierbilanz der jüngeren Zeit nach Russland. Seit 1994 ist man jedes einzelne Mal im Achtelfinale ausgeschieden. Man qualifiziert sich meistens locker, spielt dann in der Vorrunde groß auf, kommt immer weiter, nur um dann sofort im ersten K.O.-Spiel auszuscheiden. Wie unnatürlich so eine Kontinuität ist, muss ich, glaube ich, nicht erwähnen, es gibt da nichts im Weltfußball, was vergleichbar wäre. Die Qualifikation hat man diesmal ohne das geringste Problem geschafft, und das mit über weite Strecken begeisterndem Fußball. Da die USA ziemlich von der Rolle waren, und Costa Rica nicht mehr ganz das Niveau von vor vier Jahren hat, war das aber auch nicht so überraschend, man ist halt klar die Nummer 1 auf dem Kontinent. Schlimm geschmerzt hat die 1:4-Halbfinalniederlage im Confederations Cup gegen Deutschland, für das Turnier hatte man sich eigentlich mehr ausgerechnet. Überhaupt erwartet man daheim von dieser Mannschaft etwas Besonderes, schließlich hatte man noch nie so viele Spieler, die gleichzeitig in Europas Ligen eine gute Figur abgeben, und so hat Trainer Juan Carlos Osorio bei der Zusammenstellung des WM-Kaders die Qual der Wahl. Osorio ist einer von vielen kolumbianischen Trainern, die in den letzten Jahren Mittelamerika erobert haben, ein gewiefter Taktiker, was gut zu den gerne variabel spielenden Mexikanern passt. Eigentlich hätte das ein Turnier werden können, bei dem diese ehrwürdige Fußballnation mal so richtig durchstartet, aber der Auslosungsgott wollte wohl unbedingt das wie immer im Achtelfinale Schluss ist, und hat die allerbeste Konstellation dafür geschaffen. Aber dazu unten mehr.

Spieler:
Im Sturm ruhen die Hoffnungen nach wie vor auf Chicharito, der mittlerweile für West Ham die Stiefel schnürt. Aber vorne kann man einiges auffahren, so zum Beispiel Carlos Vela (mittlerweile bei Los Angeles Galaxy), den Superdribbler Jesus Corona (Porto), Brecher Raul Jimenez (Benfica), Giovani dos Santos (Los Angeles Galaxy) oder Veteran Oribe Peralta (America). Uneingeschränkter Herrscher im Mittelfeld ist Hector Herrera, der ja auch bei Porto Zentrum des Spiels ist. Der ist ein echter Taktgeber alter Schule, wenn man Mexiko effektiv schwächen möchte, dann versucht man wohl primär ihn aus dem Spiel zu nehmen. Neben ihm kann man wohl den verspielten Jonathan dos Santos (Los Angeles Galaxy) erwarten, dazu Marco Fabian (Frankfurt), der dann hoffentlich wieder richtig fit ist, sowie auf der linken Seite Jesus Gallardo (UNAM Pumas). Unverzichtbar natürlich auch Andres Guardado (Betis Sevilla), ein ganz verlässlicher Kämpe im defensiven Mittelfeld, oder es könnte die Stunde von Rodolfo Pizarro (Guadalajara) schlagen, der wäre eine etwas offensivere Option. Wenn man auf der rechten Seite einen mit viel Drang nach vorne bringen möchte, wäre Elias Hernandez (Leon) vielleicht die richtige Wahl. Torhüter ist Guillermo Ochoa (Standard Lüttich), an dem gibt es wenig auszusetzen, der ist zurecht völlig unumstritten. Die Innnenverteidigung ist auch ziemlich gut, da sind derzeit wohl Hector Moreno (Real Sociedad) und Diego Reyes (Porto) die erste Wahl. Carlos Salcedo (Frankfurt) könnte da natürlich auch spielen, aber den haben sie in der Nationalmannschaft oft auch rechts spielen lassen. Dann würde Miguel Layun (Sevilla) auf links rücken, aber vielleicht spielt man auch mit einer Dreierkette, und die Außen rutschen ins Mittelfeld, bei Mexiko ist da im Prinzip alles drin, viele der Spieler sind halt auch schön modern multifunktional. Alternativen in der Verteidigung wären der erfahrene Nestor Araujo (Santos Laguna), Oswaldo Alanis (Guadalajara) oder Hugo Ayala (Tigres). Die mexikanische Liga, die außerhalb Europas ja zu den besten der Welt gehört, hat da immer einiges an Alternativen zu bieten. So, und wo es jetzt an die Talente geht, können wir einige Takte über den Spieler sagen, der vielleicht die größte Hoffnung Mexikos für dieses Turnier ist: Die Rede ist von Hirving Lozano, der sowohl in der Nationalmannschaft, als auch diese Saison bei PSV Eindhoven voll durchgestartet ist. Bei dem treffen Genie und Wahnsinn wahrhaftig aufeinander, der stürmt völlig durchgeknallt und als gäb es kein Halten drauf los, trifft derzeit wie blöde, holt sich aber auch liebend gerne Karten aller Art ab. Ein Spieler, der null in unsere Zeit passt, wenn ihr echte Typen wollt, da rast einer über den Rasen und hält sich an keine Regeln. Vielleicht der Spieler, auf den ich mich am meisten freue, hoffentlich sieht der nicht nach drei Minuten rot, zuzutrauen ist dem nämlich alles. Auch ein heißer Kandidat für einen Platz im Kader ist Orbelin Pineda (Guadalajara), der für sein Alter erstaunlich abgeklärt im zentralen Mittelfeld auftritt, dasselbe gilt auf der gleichen Position für Erick Gutierrez (Pachuca). Etwas defensiver spielt Omar Govea (Mouscron, Belgien), dessen Zeit aber wohl eher nach der WM kommen wird. Edson Alvarez (America) scheint hingegen schon eine echte Alternative für die Innenverteidigung zu sein, auch Cesar Montes (Monterrey) kommt auf der Position immer mehr schon in der Nationalelf zum Einsatz. Um die Zukunft muss einem bei den Mexikanern also nicht Bange sein.

Chancen:
Achtelfinale. Eigentlich geht garnichts anderes, stärker als Schweden und Südkorea scheint man allemal zu sein, aber dann hat man da ja noch Deutschland in der Vorrundengruppe. Und als Gruppenzweiter wartet danach Brasilien, gegen die traditionellerweise wenig geht. Ich hoffe die Wettbüros fordern noch Geld von einem, wenn man Mexiko für ein Achtelfinalaus tippt, und das dann so eintritt.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon Tolpan » 12.03.2018 21:43

Ich hoffe, dass Fabian es in den Kader packt. Aber sein Rücken scheint richtig Malade zu sein... :(
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon Biernot » 13.03.2018 21:45

Schon irre, wie viele Teams richtig gut aufgestellt sind. Die Offensive von Kolumbien z.b. braucht sich vor Deutschland und anderen nicht verstecken, zumindest mit James, dessen Körper aber ziemlich offensichtlich nicht wirklich mit seinem Talent mithalten kann.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 14.03.2018 23:44

8. Uruguay

Ausgangslage:
Dieses kleine Fußballland war ja schon immer eine Sensation, was durch die letzten Jahre mal wieder so richtig schön unterstrichen wurde. Da hat ihr Erfolgstrainer Oscar Tabarez klug eine funktionierende Mannschaft zusammengestellt, führt die wieder an die Weltspitze heran, und spielt zwei richtig gute Weltmeisterschaften mit seiner Truppe. Dabei wurde immer nur so viel geändert, wie absolut nötig war, das heißt das die Mannschaft natürlich irgendwann überaltert. Bei Uruguay begann es Mitte 2016 zu bröckeln, und ab Anfang 2017 lief dann nichts mehr. Fast jede kleinere Fußballnation muss in so einer Situation einen schwierigen Neuanfang wagen, der einen im schlimmsten Falle ein Jahrzehnt oder mehr kostet, und in die Tiefen des internationalen Fußballs plumpsen lassen kann. Tabarez hingegen schmeißt einen ganzen Haufen Youngster ins Feuer, und das funktioniert dann frecherweise auch noch. Eingespielt ist das Ganze naturgemäß noch nicht, aber nachdem man eine sensationell einfache Vorrundengruppe zugelost bekommen hat, kann sich das ja noch ergeben. Und vom Potential her ist das hier natürlich eine echte Wahnsinnstruppe, mit einem der besten Sturmduos der Welt.

Spieler:
Und dieses Sturmduo besteht selbstredend aus Luis Suarez (Barcelona) und Edinson Cavani (Paris). Ja, da darf man das Wort "Weltklasse" einfach mal ohne schlechtes Gewissen bringen. Taktgeber im Mittelfeld ist Matias Vecino (Inter), gerade auch auf dem Weg, ein richtig Großer zu werden. Veteran Cristian Rodriguez (Nach vielen Jahren in den Ligen der Welt mittlerwile zurück bei Penarol) könnte immer noch die linke Seite beackern, ein weiterer altgedienter Kämpe ist der zentral spielende Carlos Sanchez (Monterrey), der wie so viele südamerikanische Nationalspieler in Mexiko unter Vertrag ist. Diego Laxalt (Genua) und Gaston Ramirez (Sampdoria) stehen bei Tabarez derzeit nicht so hoch im Kurs, warum weiß ich nicht, in der Serie A können beide durchaus überzeugen. Stattdessen setzt der Trainerfuchs auf den offensiven Giorgian de Arrascaeta (Cruzeiro), vielleicht auch zurecht, der war in den letzten Spielen schon richtig stark. Nicolas Lodeiro (Seattle) scheint in seiner Karriere nicht über den Status "Talent, was die Hoffnungen nicht ganz erfüllt" hinauszukommen, Schade eigentlich. Aber man hat ja noch einige geile Alternativen - he, stop, ich bin ja noch garnicht bei den Talenten, erstmal gucken wir uns die Abwehr an. Chef dort ist Diego Godin (Atletico), zurecht, viel geilere Innenverteidiger hat die Fußballwelt in den letzten Jahren ja nicht gesehen. Sein Vereinskamerad, der junge Jose Gimenez, ist neben ihm gesetzt, also ein extrem starkes und dazu perfekt eingespieltes Duo. Der ewige Maxi Pereira (Porto) wird natürlich rechts spielen, Martin Caceres (Lazio) oder Gaston Silva (Independiente Buenos Aires) links. Mit Sebastian Coates (Sporting Lissabon) hat man einen guten Ersatz in der Innenverteidigung, starke Außenverteidiger sind hingegen ein Problem, so findet vielleicht Guillermo Varela (Penarol) doch noch einen Platz als Back-Up im Kader. Torhüter ist ein ganz erfahrener und richtig guter Mann, nämlich Fernando Muslera von Galatasaray. So, und jetzt gucken wir uns die ganzen jungen Leute an, die da plötzlich in die Mannschaft gestürmt sind, und besonders das Mittelfeld aber mal so richtig stark machen. Lucas Torreira (Sampdoria) hat bisher noch kein Länderspiel, war aber bei Sampdoria im defensiven Mittelfeld diese Saison so überzeugend, das Tabarez ihn gerade für die anstehenden Freundschaftsspiele nominiert hat. Bereits voll im Team angekommen ist Rodrigo Bentancur (Juventus), der zentral oder rechts spielen kann. Sollten die Stars in der Sturmspitze mal einen schlechten Tag erwischen, oder Suarez sich mal wieder eine rote Karte abholen, so hat man da noch den jungen Maxi Gomez, der gerade eine glänzende Debütsaison für Celta Vigo spielt. Oder man bringt den Offensivallrounder Gaston Pereiro von PSV, oder einen von zwei zentralen Mittelfeldspielern, die gerade in Argentinien ihre ersten Schritte machen, nämlich Nicolas de la Cruz (River Plate) oder Nahitan Nandez (Boca Juniors). Ach ja, Federico Valverde, ein Box-to-Box-Mittelfeldspieler (Wie es so schön heißt) von Deportivo La Coruna wollen wir natürlich auch nicht unter den Tisch fallen lassen. Und für die Verteidigung hätte man dann theoretisch noch Paolo Lemos, momentan an Sassuolo verliehen. Talent bis zum Abwinken also, und ich bin wirklich gespannt wie sich das im Sommer so darstellt.

Chancen:
In der Vorrundengruppe muss man weiterkommen, und eigentlich auch den ersten Platz machen. Vor allem aber muss man sich finden und einspielen, im Achtelfinale wartet aller Wahrscheinlichkeit nach Portugal oder Spanien, und dann muss man als Mannschaft funktionieren. Momentan sind sie da noch Außenseiter, aber auch nur haarscharf. Achtelfinale mit reellen Chancen aufs Viertelfinale, aber mit dem, was dieses Team an starken Spielern auffahren kann, sind sie für jedes Team auf der Welt ein echte Herausforderung.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 15.03.2018 20:52

7. Portugal

Ausgangslage:
Jetzt haben sie also endlich ihren Titel. Nach vielen Jahren, in denen man oft begeisternd aufspielte, hat man sich diesen Titel zwar auf möglichst nervige und quälende Art und Weise erspielt, aber der Briefkopf ist jetzt erfolgreich aufgewertet. Ein komischer Europameister war das, der nur ein einziges Spiel innerhalb von 90 Minuten gewinnen konnte, mit drei Unentschieden die Vorrunde überstand, und sich und die Zuseher eigentlich mehr zum Turniersieg langweilte. Das Geheimnis dieser Mannschaft ist damit eigentlich auch schon erklärt - sie sind einfach verdammt schwer zu besiegen, weil sie gerade genug für den jeweiligen Gegner tun, bzw diesen erfolgreich ans eigene Niveau anpassen. Die Quali bestritt man dann in der leichtesten Gruppe weit und breit, es ging immer nur um den Zweikampf gegen die Schweiz, den man dann über das bessere Torverhältnis für sich entscheiden konnte. Der Stil hat sich jetzt nicht wesentlich geändert, hinten hat man die älteste Abwehr der Welt, davor sind lauter ansprechende bis gute Fußballer, die größtenteils spielverhindernde Aufgaben haben, und dann hat man halt sehr effektive Leute im Abschluss, besonders diese Kanaille der von Idioten in aller Welt peinlich abgekürzt wird. Und machen wir uns nicht vor, die werden auch bei diesem Turnier primär Scheisse zu schlagen sein, was eine ausgezeichnete Taktik zu sein scheint. Vor allem wenn man den zweitbesten Stürmer der Welt da vorne hat.

Spieler:
Klar, der peinliche Messias schreitet da vorne immer noch über den Rasen, und ist halt Weltklasse. Also auf dem Platz, daneben ist er nach wie vor C-Klasse. Um ihn herum hat man mit Bernardo Silva (Man City), Ricardo Quaresma (Besiktas) oder dem Leipziger Bruma ja noch ein paar gute Fußballer. Nanis Zeit scheint hingegen abgelaufen zu sein, der spielt bei Lazio nur noch eine untergeordnete Rolle, und in der Nationalelf ist er ziemlich abgemeldet. In der Quali war Joao Moutinho von Monaco der Taktgeber im Mittelfeld, der bildet da eine zuverlässige Partnerschaft mit Joao Mario (West Ham) und Danilo Pereira (Porto). Letzerer ist ein Schlüsselspieler unter Erfolgstrainer Fernando Santos, der verkörpert Portugals Spiel halt auch vom feinsten, also immer erstmal schön dicht machen. Mit William Carvalho (Sporting) hat man gleich noch so einen Kandidaten, aber warum da aufhören, schließlich gibt es da als Back-Ups noch Andre Gomes (Barcelona), Adrien Silva (Leicester) oder Manuel Fernandes (Lokomotiv Moskau). Alles keine Wunderspieler, aber Leute die einen soliden Job machen, toll das Spiel verschleppen können und im Notfall ordentlich giftig sind. Hinten setzt man primär auf Erfahrung, die Innenverteidigung dürfte wohl aus den Herren Pepe (Besiktas) und Jose Fonte (Dalian Yifang) bestehen, als Ersatz stehen Bruno Alves (Glasgow Rangers) und Luis Neto (Fenerbahce) bereit. Aller sehr erfahren, alle nicht die schnellsten, aber halt eisenhart. Rechts wird mit Cedric Soares von Southampton wohl tatsächlich ein Verteidiger auflaufen, der noch keine 30 Jahre alt ist, links war eigentlich Eliseu von Benfica gesetzt, aber der ist im Verein mittlerweile nur noch Ersatz. Dadurch könnte jetzt die Zeit für Raphael Guerreiro (Dortmund) gekommen sein, oder Fabio Coentrao (Sporting) kehrt hier auf seinen angestammten Platz zurück. Für die rechte Seite hätte man auch noch Nelson Semedo (Barcelona) und Joao Cancelo (Inter) in der Hinterhand. Die endgültige Abwehrformation scheint man noch nicht ganz gefunden zu haben, vielleicht helfen da ja die nächsten Freundschaftsspiele weiter. Torhüter ist weiterhin Rui Patricio von Sporting, ganz solider Mann, aber kein überragender Schnapper. Man wäre nicht Portugal, würde nicht die Talenteproduktion weiter auf Hochtouren laufen, ist aber auch nötig, die Mannschaft ist schon etwas in die Jahre gekommen. Goncalo Guedes (Valencia) ist ein schicker Flügelflitzer, die kann man ja im 4-3-3 immer gut gebrauchen. Davon haben sie gleich noch einen, der vielleicht sogar schon ein Stückchen weiter ist, nämlich Gelson Martins von Sporting. Andre Silva ist hingegen eher ein Mittelstürmer, auf den hatte Milan große Hoffnungen gesetzt, aber in seiner ersten Saison dort hat er sich noch nicht als sonderlich treffsicher erwiesen. Der von den Bayern an Swansea ausgeliehene zentrale Mittelfeldmann Renato Sanches hat zuletzt gar keine Rolle mehr gespielt, da erscheint sogar eine WM-Teilnahme von Ruben Neves vom englischen Zweitligisten Wolverhampton wahrscheinlicher. Offensivallrounder Rony Lopes (Monaco) hat bisher erst einen Länderspieleinsatz, eigentlich unverständlich, der spielt momentan eine richtig feine Saison. Und dann hat Benfica da in Ruben Dias noch ein neues Talent auf der zentralen Verteidigerposition, mal gucken, vielleicht darf der ja schon ein wenig WM-Luft schnuppern.

Chancen:
Man hat eine harte Vorrundengruppe erwischt, mit dem Erzfeind Spanien, der mir momentan etwas stärker vorkommt. Dazu die stark besetzten Marokkaner, und die beste iranische Mannschaft, die wohl jemals zu einer WM gefahren ist. Favorit auf ein Weiterkommen ist man, aber wenn man nur Zweiter werden sollte, droht gleich danach Uruguay, und das ist genau so eine Mannschaft, die sich normalerweise nicht einwickeln lässt. Eigentlich ideale Portugiesenknacker. Ich behaupte jetzt mal frech, das der EM-Titel eigentlich schon mehr ist, als diese Fußballergeneration verdient hat, und das da nicht mehr kommt. Spätestens im Viertelfinale ist diesmal Schluss.
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Deornoth
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon Deornoth » 16.03.2018 17:14

Sehr schöne Analysen hier. Da krieg selbst ich, als fußballtechnisch mittlerweile völlig übersättigter Mensch, direkt Lust auf die WM :)
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 16.03.2018 23:02

6. Belgien

Ausgangslage:
Nach einigen Jahren im Abseits, hat sich seit einigen Jahren ein belgisches Team formiert, welches eine der stärksten Inkarnationen der roten Teufel darstellt. Gespickt mit überragend talentierten Spielern, welche schnell den Weg zu den besten Clubs Europas gefunden haben, wollen die Belgier dieses Mal , wo diese Generation im besten Fußballalter steht, ganz vorne mitspielen. Die EM 2016 verlief etwas enttäuschend, man kam zwar mit gutem Fußball unter die letzten 8, hatte sich aber noch mehr erhofft, und ein Ausscheiden gegen die überraschend starken Waliser war ganz sicher nicht vorgesehen. Dafür war die Qualifikation danach ein einziger Siegeszug, neun Siege, ein Unentschieden, und dabei Tore wie am Fließband. Unter dem neuen Trainer Roberto Martinez spielt man wie verwandelt, das ziemlich enge Wilmots-Korsett wurde abgestreift, und man darf jetzt endlich zaubern. Das erste Spiel verlor er gegen sein Heimatland, aber danach ist man unter Martinez bisher ungeschlagen geblieben. Wird man diesen fröhlichen, kreativen Offensivfußball auch bei der WM zeigen? Man kann ja mal hoffen, auf jeden Fall ist dieses belgische Team ein guter Kandidat für den spektakulärsten Fußnall in diesem Turnier.

Spieler:
Kevin de Bruyne (Man City) ist der Dreh- und Angelpunkt im belgischen Spiel, und der Leader in einem Mittelfeld von lauter hochbegabten Spielern. Als da wären: Axel Witsel, der mittlerweile in China bei Tianjin Quanjian spielt, Marouane Fellaini von Manchester United, Radja Nainggolan von AS Rom, Moussa Dembele von Tottenham und Yannick Carrasco von Dalian Yifang. Jou, das ist mal eine Ansage, vor allem wenn man sich vor Augen hölt, das der Sturm noch einen Tacken stärker besetzt ist. Linksaußen Eden Hazard (chelsea) ist sicherlich momentan einer der besten Fußballer der Welt, Romelo Lukaku trifft fein für Manchester United, Dries Mertens tut dasselbe für Napoli und Kevin Mirallas (Olympiakos) oder Thorgan Hazard (Mönchengladbach) können schön über rechts kommen. Als Back-Up hat man Michy Batshuayi (Dortmund), Christian Benteke (Crystal Palace) oder Nacer Chadli (West bromwich). Jetzt können natürlich alle Schlabischlümpfe der Welt kommen, und mir ins Gesicht schreien, ob ich denn nicht weiß, das Titel in der Verteidigung gewonnen werden. Okay, fühlen wir der mal auf den Zahn. Im Tor wird Thibut Courtois (Chelsea) stehen, sollte der von einem Hai angefallen werden, dann stellen sie halt Simon Mignolet (Liverpool) zwischen die Pfosten, die große belgische Torwarttradition wird also fortgesetzt. Vor ihm, in der Innenverteidigung, können wir uns auf das Tottenham-Duo Toby Alderweireld und Jan Vertonghen freuen, das ist natürlich komplett super. Rechts wäre in einer Viererkette Thomas Meunier (Paris) erste Wahl, aber mit der spielt man nicht, sondern mit drei Leuten hinten, weshalb Meunier normalerweise ins Mittelfeld rückt. Wahrscheinlichste Kandidaten für den Platz neben den Tottenham-Jungs sind Thomas Vermaelen (Barcelona) und Vincent Kompany (Man City), also in jedem Fall Weltklasse, glückliches Belgien. Weitere Alternativen sind Jordan Lukaku (Lazio) für die linke Seite und Dedryck Boyata von Celtic. Was macht der Nachwuchs? Nun, der spannendste Kandidat ist wohl Youri Tielemans (Monaco) im zentralen Mittelfeld, der wird wohl durchaus seine Einsatzzeiten bei der WM bekommen. Leander Dendoncker (Anderlecht) kann in der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld spielen, das ist so ein klassischer Spieler den man mitnimmt, damit er im Hotel das interne Playstationturnier leitet, oder so. Für den Sturm hätte man noch Divock Origi von Wolfsburg, aber da die eine völlige Alptraumsaison spielen, ist der vielleicht nicht mehr so im Fokus. Timothy Castagne (Atalanta Bergamo), Jason Denayer (Galatasaray), Siebe Schrijvers (Genk), Charly Musonda (Celtic), Landry Dimata (Wolfsburg) und Dennis Praet (Sampdoria) werden wir in Russland wohl noch nicht sehen, aber bei den Belgiern kommt definitiv einiges nach.

Chancen:
In der Gruppe muss man weiterkommen, Panama und Tunesien sind für dieses belgische Team keine ernsthafte Herausforderung, und stärker als England sollte man auch sein. Danach würde es gegen Kolumbien, Polen oder den Senegal gehen, alles gute Teams, aber auch da ist belgien momentan Favorit. Mindestziel muss für diese Mannschaft das Viertelfinale sein, dann wartet wohl Brasilien auf einen. Oder, wenn das Turnier etwas anders läuft, trifft man im Viertelfinale auf Deutschland. Da muss sich dann beweisen, ob diese Mannschaft vielleicht sogar um den Titel mitspielen kann. Vorläufig setz ich die mal fürs Viertelfinale.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 18.03.2018 18:26

5. Argentinien

Ausgangslage:
Sie machen es einem nicht leicht, die Argentinier. Vom Potential her immer automatisch eines der stärksten Teams der Welt, aber in den letzten Jahren oft schlecht gecoacht, komisch aufgestellt, und nicht wirklich eine Einheit. Die letzte WM war stark, wenn auch mit ziemlich einfallslosem Fußball, aber vielleicht muss man sich mit einem Lionel Messi im Team auch nicht so viel einfallen lassen. Möglicherweise muss man ja dann nur irgendein System finden, in dem der gute Mann seine Stärken ausspielen kann. Die Qualifikation war auf jeden Fall eine ziemliche Katastrophe, zwei Trainer mussten zwischendurch gehen (Gerardo Martino und Edgardo Bauza), bis man mit Jorge Sampaoli, dem Erfolgstrainer von Chile, doch noch den richtigen Mann fand, um in der Qualifikation zu bestehen. Nicht das der jetzt sofort überzeugen konnte, aber Sampaoli ist ja auch ein Trainer, der eigentlich etwas Zeit braucht, um sein ganzes Genie zu entfalten. Im entscheidenden Spiel musste jedenfalls Messi Argentinien retten, drei Tore in Ekuador, bei einem Unentschieden wäre man in die Play-Offs gegangen, mit einer Niederlage draussen gewesen. Dabei hat Argentinien natürlich auch im Moment die Qual der Wahl, was die Spieler angeht, aber eine Mannschaft ist da bislang nicht entstanden. Warum stehen sie also so weit vorne in dieser Auflistung, hör ich euch jammern? Nun, sobald diese Mannschaft auch nur halbwegs funktioniert, ist sie natürlich richtig stark, und sollte es anfangen zu laufen, so sind sie automatisch einer der großen Titelfavoriten.

Spieler:
Das Angebot an starken Stürmern, das Argentinien momentan hat, spottet eigentlich jeder Beschreibung. Messi (Barcelona), klar, jedes Wort überflüssig. Dann Paulo Dybala von Juventus als eher hängende Spitze, Sergio Agüero (Man City) als klassicher Mittelstürmer, Angel di Maria (Paris), Eduardo Salvio (Benfica), Diego Perotti (Roma) oder Papu Gomez (Atalanta) für die Flügel - das ist schon irre. Und da kann man ja weitermachen, es gibt ja noch Gonzalo Higuain (Juventus), Mauro Icardi (Inter), Lucas Alario (Leverkusen) oder Angel Correa (Atletico). Keinerlei Sorgen ganz vorne also, da geht es eher darum viele glänzende Fußballartisten zu hause zu lassen. Die Probleme liegen an einer anderen Stelle, wer soll diese ganzen Tormaschinen mit klugen Pässen füttern? In der Südamerika-Quali gehörte man nämlich keineswegs zu den torgefährlichsten Mannschaften. Lucas Biglia (Milan) und Ever Banega (Sevilla) sind schon richtig gute Leute für das zentrale Mittelfeld, aber 100-prozentig funktioniert haben beide während der Qualifikation nicht unbedingt. Veteran Javier Macherano (Hebei China Fortune) war ja jahrelang sowas die der Taktgeber im Mittelfeld, aber der hat zuletzt eher in der Innenverteidigung gespielt, ist halt auch nicht mehr der Schnellste. Javier Pastore (Paris) hat in jüngster Zeit garnicht überzeugt, das könnte den Weg frei machen für Marcos Acuna (Sporting), Manuel Lanzini (West Ham) oder Leandro Paredes (Zenit). Das sind schon gute Spieler, aber das allerhöchste Niveau haben die nicht. Es fehlt sowas wie ein klassischer Zehner. Hinten ist Nicolas Otamendi (Man City) neben Mascherano wohl gesetzt, da sehe ich ein kleines Größenproblem. Da man wohl mit einer Dreierkette operieren wird, steht neben diesen beiden mit Marcos Rojo (Man Utd) dann wenigstens einer, der Gardemaß erreicht. Mit Gabriel Mercado (Sevilla) hätte man eigentlich einen guten Rechtsverteidiger an Bord, wo der jetzt aber seinen Platz finden soll, weiß ich nicht. Als weitere Alternativen hätte man Federico Fazio (Roma) oder Nicolas Tagliafico (Ajax) in der Hinterhand, und dann kehrt nach langer Verletzungspause gerade auch Ramiro Funes Mori (Everton) wieder auf den Rasen zurück. Sampaoli ist eigentlich ein überzeugter Anhänger von einer Dreierkette, sicher sah die aber im letzten Jahr selten aus. Torhüter wird Sergio Romero (Man Utd) werden, der ist da nur noch Ersatz und bekommt kaum Spielzeit, also noch eine Baustelle. An der Talentefront setzt man große Hoffnungen auf den offensiven Mittelfeldspieler Giovani Lo Celso (Paris), der könnte möglicherweise das Kreativproblem im Mittelfeld beheben. Für Mittelstürmer Giovanni Simeone (Fiorentina) kommt diese WM wahrscheinlich eins zu früh, vor allem da man da vorne ja keine Probleme hat. Cristian Pavon (Boca Juniors), ein klassischer Linksaußen, war zuletzt immer im Aufgebot, den könnten wir in Russland also durchaus sehen. Auch den wuseligen Offensivallrounder Lautaro Martinez (Racing Club) hat Sampaoli jetzt mal berufen, genauso einen jungen Mann für die rechte Seite, nämlich Fabricio Bustos (Independiente).

Chancen:
Puh, schwierig. Argentinien ist diesmal eine Sphinx, und anscheinend vollkommen abhängig von Lionel Messi. Sowas ist eigentlich nie gut, dazu hat man eine durchaus gemeine Vorrundengruppe, mit den starken Kroaten, und schwierig zu spielenden Außenseitern aus Island und Nigeria. Gehen wir mal davon aus, daß sie das schon packen werden, dann wartet danach aller Wahrscheinlichkeit nach Dänemark oder Peru. Alles machbar, wenn man sich halt mal zusammenreißen würde. Bis ins Viertelfinale sollte es also schon gehen, die Spanier sehe ich dann momentan alllerdings einen Tacken stärker.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 19.03.2018 14:47

4. Spanien

Ausgangslage:
Man trifft überraschend oft die Meinung an, das die spanische Zeit jetzt rum wäre, und dieses Team jetzt wieder so ein Pendler zwischen Achtel- und Viertelfinals werden wird. Warum eigentlich? Es ist ja nicht so, als hätte die spanische Liga plötzlich an Dominanz verloren, oder als wäre der Jungbrunnen, aus dem man schöpfen kann, auf einmal versiegt. Nein, der spanische Fußball ist nach wie vor hervorragend aufgestellt, und die Qualifikation unter dem neuen Trainer Julen Lopetegui (Der vorher vor allem die spanischen Jugendnationalmannschaften trainierte) war wie aus einem Guss. Neun Siege, ein Unentschieden, Italien klar in die Schranken gewiesen bzw zu Hause fast schon gedemütigt. Das kann sich sehen lassen, und wirklich niemand sollte diese spanische Mannschaft unterschätzen. Tiki-Taka gibt es schon länger nicht mehr zu sehen, man spielt ein modernes, offensiv ausgerichtetes 4-3-3, und auch wenn man den Ball immer noch gerne in den eigenen Reihen hat, sucht man deutlich früher den Torabschluss. Dieses Team spielt um den Pokal mit, da ändert auch die fiese Vorrundengruppe (die überall schlecht geredet wird, gute Güte, hat einer dieser Experten denn mal Marokko im letzten Jahr spielen sehen?) nichts dran.

Spieler:
Das beeindruckendste an dieser spanischen Mannschaft ist das Mittelfeld. Vor dem defensiv agierenden Sergio Busquets (Barcelona) dürfen sich der ewige Andres Iniesta (Barcelona) und Isco (Real Madrid) austoben, während David Silva (Man City) in der Nationalelf meistens über die Flügel kommt. Daneben stehen Koke (Atletico), Thiago Alcantara (Bayern), Saul Niguez (Atletico) oder Asier Illarramendi (Real Sociedad) zur Verfügung, da möchte man doch mit der Zunge schnalzen. Hinten hat man ein ganz erfahrenes Paar in der Innenverteidigung, Sergio Ramos (Real Madrid) und Gerard Pique (Barcelona), klar, das ist Weltklasse. Links ist Jordi Alba (Barcelona) gesetzt, rechts wird es wohl auf Dani Carvajal (Real Madrid) hinauslaufen. Dazu hat man noch Cesar Azpilicueta (Chelsea) und Nacho Fernandez (Real Madrid) im Angebot, die beiden sind nicht nur erstklassige Fußballer, sondern auch hinten vielseitig einsetzbar, wichtig wenn es um Plätze in einem WM-Kader geht. Lustig das so ein starker Spieler wie Sergi Roberto (Barcelona) da momentan keine Chance hat, sagt viel aus über das Überangebot an wunderbaren Spielern, die dieses spanische Team hat. Stammtorhüter ist David de Gea (Man Utd), die Nummer 2 heißt Pepe Reina (Napoli), auch hier also keine Fragen, alles super. Als ehestes hat man noch im Sturm Probleme, wobei man ja 4-3-3 spielt, und die offensiven Mittelfeldspieler gerne auf die Flügel schickt. In der Qualifikation war Alvaro Morata (Chelsea) der gefährlichste Mittelstürmer, aber der hat eine leichte Krise, und ist nicht im Aufgebot für die anstehenden Freundschaftsspiele. Damit ist der Weg frei für Diego Costa (Atletico), oder für den derzeit bärenstarken Iago Aspas (Celta Vigo). Auch Rodrigo Moreno (Valencia) ist momentan in großer Form, das sind durchaus Namen, die man vor einem Jahr nicht unbedingt in der Startformation gesehen hätte, aber bei Spanien geht das eben schnell. Mit Lucas Vasquez (Real Madrid) hätte man noch einen klassischen Rechtsaußen, da muss man abwarten, der ist sicherlich eher einer, der von der Bank kommen würde. Das größte Talent im spanischen Fußball heißt Marco Asensio (Real Madrid), daß ist genau so ein Offensivspieler, wie wir ihn von den Spaniern kennen, also ballsicher, elegant und vielseitig einsetzbar. Hector Bellerin (Arsenal) wäre eine Alternative als rechter Verteidiger, aber Lopetegui scheint derzeit auf andere Spieler zu setzen. Zum Beispiel auf Alvaro Odriozola von Real Sociedad, auch ein Rechtsverteidiger, der scheint sich in den Kader gespielt zu haben. Auch Rodri Hernandez (Villarreal) hat noch Chancen, der spielt gerade eine tolle Saison und wäre einer für das defensive Mittelfeld. Mikel Oyarzabal (Real Sociedad), seines Zeichens ein trickreicher Flügelstürmer, sehen wir dann hingegen wohl eher bei der nächsten EM.

Chancen:
Iran und Marokko sind gemeine Gegner, weil man sie fast mit absoluter Sicherheit unterschätzt, beide Teams aber so gut besetzt sind wie vielleicht noch nie. Und dann hat man ja noch den alten Erzfeind Portugal in der Gruppe, und das gleich im ersten Spiel. All das sollte diese spanische Mannschaft nicht zu sehr stören, man will definitv weit kommen, und da ist der Gruppensieg nur der erste Schritt. Wenn alles nach Plan läuft, bekommt man es im Viertelfinale mit der Wundertüte Argentinien zu tun, das ist ein tolles Duell, das wir in einem Pflichtspiel erst zum zweiten Mal hätten. Ich orakle mal mindestens das Halbfinale für Spanien, aber klar, die können das auch gewinnen.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon Chris777 » 19.03.2018 15:11

Off-Topic:
Mikel Oyarzabal (Real Sociedad)


Ist bei Bayern München im Gespräch. Hab den aber noch nie spielen sehen. Einschätzung?
"Ive missed more than 9000 shots in my career. Ive lost almost 300 games. 26 times, Ive been trusted to take the game winning shot and missed. Ive failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed..."
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 19.03.2018 15:33

Chris777 hat geschrieben:Off-Topic:
Mikel Oyarzabal (Real Sociedad)


Ist bei Bayern München im Gespräch. Hab den aber noch nie spielen sehen. Einschätzung?


ich finde den richtig geil, ist aber ein sehr ungewöhnlicher Flügelstürmer. Nicht schnell, und auch ein mittelmäßiger Flankengeber, aber dafür extrem spielintelligent, mit ungewöhnlichen Laufwegen und riesiger Passquote. Dazu mit vielen Vorlagen, aber halt eben nicht durch Flanken. Verwirrender Typ, keine Ahnung für welche Mannschaft der passen soll. Hier ist eine längere Analyse:

http://outsideoftheboot.com/2016/10/13/ ... oyarzabal/

Klingt für mich null nach einem Ribery-Ersatz, und ich würde das sogar noch krassser sehen als der Artikel. Jetzt aber genug vom Bayern-Scouting, das ist echt das Allerletzte was mich in diesem thread interessiert. ;)
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