Weltmeisterschaft 2018 in Russland

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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 02.12.2017 00:15

Gruppe D

ARG-ISL Noch nie gespielt
CRO-NGA Noch nie gespielt

ARG-CRO 2-1-1 (Bei der WM 98 gewann Argentinien mit 1:0 in der Vorrunde, machte den Kroaten bekanntlich nicht viel aus)
ISL-NGA 1-0-0 (1981 hat man einmal ein Freundschaftsspiel ausgetragen)

ARG-NGA 5-1-2 (Nigeria spielt bei WMs eigentlich immer gegen Argentinien, viermal gab es das Duell, viermal gewann Argentinien, immer war es knapp, 2x gab es ein 3:2, 2x ein 1:0)
ISL-CRO 1-1-4 (Der einzige isländische Sieg stammt aus diesem Jahr, dieser war mitentscheidend dafür das Island die Qualigruppe vor Kroatien abschließen konnte)

Fazit: Lustig wie sich die Spiele hier entwickeln - man beginnt mit Neuland, und die entscheidenden Duelle haben dann Vorgeschichte mit Pfeffer. Schön gelost.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 02.12.2017 00:28

Gruppe E

BRA-SUI 3-3-2 (Erst das zweite Pflichtspiel, das erste war ein damals sensationelles Unentschieden in der Vorrunde der WM 50)
CRC-SER Noch keine Begegnung, auch nicht Costa Rica gegen Jugoslawien

BRA-CRC 9-0-1 (Zweimal traf man bei WMs aufeinander, 1990 gewann Brasilien mit 1:0, 2002 mit 5:2. Bei den beiden Copa America-Duellen konnte Brasilien auch klar gewinnen)
SUI-SER Noch keine Begegnung (Gegen Jugoslawien 2-5-6, auch hier stammt das einzige Duell bei einem Endturnier aus dem Jahre 1950)

BRA-SER 1-0-0 (Spannender natürlich die Bilanz gegen Jugoslawien, die ist 8-7-2 und beinhaltet mit 1-2-1 eine ausgeglichene WM-Bilanz)
SUI-CRC 1-0-1 (Beide Spiele aus eher jüngerer Zeit)

Fazit: Eine leichte Reminiszenz an die WM 1950, als es eine Vorrundengruppe mit Brasilien, Schweiz, Jugoslawien und Mexiko gab.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 02.12.2017 00:40

Gruppe F

GER-MEX 5-5-1 (Dreimal gab es das Duell bei Weltmeisterschaften, 86 ging es dabei ins Elfemeterschießen, und 98 war ebenfalls hochdramatisch)
SWE-KOR 1-2-0 (Das einzige Duell in dieser Gruppe, das es nicht schon mal bei einer WM gab)

GER-SWE 15-8-13 (Ganz großes Traditionsduell, mit vier Aufeinandertreffen bei Weltmeisterschaften und einer Pflichtspielbilanz von 8-3-1. Letzter schwedischer Sieg kommt aus dem Jahre 88)
MEX-KOR 7-1-6 (Bei einer WM traf man nur einmal aufeinander, das war 1998 und ging mit 3:1 an Mexiko)

GER-KOR 2-0-1 (Zwei WM-Siege, eine Freunfschaftsspielniederlage aus dem Jahre 2004, da wurde es doch mal wieder Zeit für ein Aufeinandertreffen)
MEX-SWE 2-3-4 (Eine WM-Begegnung aus dem Jahr 1958, 3:0 für den damaligen Gastgeber)

Fazit: Da freuen sich die Archivverwalter, für diese Traditionsgruppe gibt es jede Menge schönes Bildmaterial.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 02.12.2017 00:49

Gruppe G

BEL-PAN Noch nie gespielt
TUN-ENG 0-1-1 (98 in Frankreich gewann England mit 2:0)

BEL-TUN 1-1-1 (2002 trennte man sich bei der WM mit 1:1)
PAN-ENG Noch nie gespielt

BEL-ENG 1-5-15 (Fast alle Spiele stammen aus den frühen und mittleren Jahren des Weltfußballs, in neuerer Zeit ist das eine seltene Partie. Bei WMs gab es das Duell zweimal, ein 4:4 im Jahre 54 und ein 1:0 für England 90)
PAN-TUN Noch nie gespielt

Fazit: Ein eingeschlafenes Traditionsduell, ein komplett Unbekannter, nicht viel Fleisch für Archivare und Anekdotenerzähler.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 02.12.2017 00:59

Gruppe H

POL-SEN Noch nie gespielt
COL-JPN 2-1-0 (Alle Begegnungen aus diesem Jahrtausend)

POL-COL 2-1-4 (Das war in den 80ern mal eine gern gespielte Freundschaftspartie, Pflichtspiele gab es noch keine)
SEN-JPN 2-1-0 (Wenig überraschend kommen die zwei letzten begegnungen vom Anfang des Jahrtausends, als beide Teams ihre erste große Phase hatten)

POL-JPN 4-0-2 (Die vier polnischen Siege kommen alle aus einer Serie von Spielen Anfang 1981, die beiden japanischen Siege gab es danach)
SEN-COL 0-1-0 (aus dem Jahr 2014, da wird es für viele Spieler ein Wiedersehen geben)

Fazit: Überraschend viele Freundschaftsspiele zwischen diesen sehr unterschiedlichen Teams, aber ein Pflichtspiel gab es zwischen Gruppengegnern der Gruppe H noch nie. Da sieht man doch mal wieder, wofür so eine WM gut ist.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 02.12.2017 12:05

Das vorletzte Monometer!

Zur Erklärung: Wie immer liste ich nicht einfach die 32 Nationen nach gedachter Stärke, sondern gucke mir den möglichen Turnierverlauf an. Die Plätze 5-8 sind also die Viertelfinalisten, die Plätze 9-16 die Achtelfinalisten, die Plätze 17-24 die Gruppendritten und die Plätze 25-32 die Gruppenletzten. Wer das diesmal nicht rafft, und dann fragt "Hey, findest du Ägypten echt besser als Polen?" darf von allen beleidigt werden.

1. (1) Deutschland
2. (2) Brasilien
3. (5) Spanien
4. (3) Frankreich
5. (7) Belgien
6. (6) Argentinien
7. (8) Kolumbien
8. (13) Uruguay
9. (4) Portugal
10. (9) Mexiko
11. (10) England
12. (35) Dänemark
13. (16) Kroatien
14. (11) Schweiz
15. (38) Senegal
16. (24) Ägypten
17. (12) Polen
18. (44) Island
19. (22) Schweden
20. (34) Peru
21. (23) Iran
22. (19) Serbien
23. (27) Russland
24. (28) Tunesien
25. (18) Costa Rica
26. (40) Marokko
27. (20) Japan
28. (26) Nigeria
29. (31) Australien
30. (29) Südkorea
31. (36) Panama
32. (32) Saudi-Arabien
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 12.02.2018 11:48

Wird mal Zeit für meine Kurzvorstellungen der Teams, wie immer in umgekehrter Reihenfolge der erwarteten Stärke.

32. Saudi-Arabien

Ausgangslage:
Nach einigen mageren Jahren melden die Saudis sich im Weltfußball zurück, viele der traditionellen Probleme sind die selben wie immer. Fast die gesamte Mannschaft spielt im eigenen Land, und so hat man keine Spieler die in den besten Ligen ständig auf höchstem Niveau spielen. Es gibt eigentlich immer einige Spieler, die vom Talent her eine ordentliche Fußballerkarriere hinlegen könntenm aber zu hause sind sie halt Superstars und verdienen mehr, also warum sollten sie gehen? In einer ähnlichen Crux befinden sich ja Spieler aus China, Russland oder den Emiraten, die Clubs der heimischen Liga zahlen mehr Geld, als die Spieler bei den Clubs im Mitteleuropa, bei denen sie vom Niveau her hingehören würden, zahlen könnten. Kann schon sein das irgendein saudischer Verteidiger genau der richtige Mann für Mainz 05 wäre, und das für seine fußballerische Entwicklung super wäre, wenn er dahin gehen würde, aber finanziell wäre das sicherlich ein Rückschritt. und da kauft Mainz doch dann auch lieber einen ähnlich guten Afrikaner oder Lateinamerikaner, und macht das bessere Geschäft. So sind die saudischen Spieler im internationalen Geschäft immer große Unbekannte, auch wenn sie gerade derzeit ein paar feine Fußballer in den eigenen reihen wissen. Es gibt allerdings noch einen Grund, warum ich die Saudis ganz ans Ende meines Tableaus gesetzt habe: Wer sich mit dem erfolgreich Quali-Coach van Marwijk nicht auf einen Vertrag einigen kann, obwohl da Geld im Überfluss vorhanden ist, und erstmal ein Trainerchaos veranstaltet, der versagt eigentlich bei großen Turnieren fast immer automatisch. Juan Antonio Pizzi soll es jetzt machen, der ist gerade mit Chile schlimm gescheitert, klingt alles nicht gut, es ist ja nicht mehr viel Zeit und gibt kaum noch Freundschaftsspieltermine.

Spieler:
Flügelstürmer Fahad Al-Muwallad ist oft der Auffälligste, der ist jetzt für das nächste Jahr tatsächlich noch nach Levante verliehen worden, versucht mal europäische Luft zu schnappen. Auch ein guter Fußballer ist Yahya Al-Shehri, der so etwas wie den Ideenmann im Mittelfeld geben soll, und auch der hat sich nach Spanien verleihen lassen, bei ihm ist es Leganes geworden. Insgesamt sind kurzfristig sieben saudische Spieler in Spanien geparkt worden, da hat man sich also was ausgedacht, ich bleib jetzt eher skeptisch. Im Sturm soll es wohl Mohammad Al-Sahlawi (Al-Nasr) richten, die derzeitigen saudischen Stürmer sind eigentlich durch die Bank bestenfalls okay. Mir gefällt tatsächlich der Linksverteidiger Yasir Al-Shahrani (Al-Hilal) gut, der kann Druck aufbauen, und daran mangelt es im saudischen Spiel oft. Das möglicherweise größte saudische Talent heißt Mukhtar Ali, ist eigentlich in Somalia geboren und hockt bei Vitesse in Holland auf der Bank. Momentan probiert der Pizzi viele ziemlich abgewirtschaftete Altstars aus, auch das macht eigentlich wenig Hoffnung.

Chancen:
Eine gut geführte, eingespielte Einheit, wie man sie zeitweise in der Qualifikation sehen konnte, hätte in der schwachen Vorrundengruppe wohl tatsächlich ihre Chancen gehabt. So wie die Mannschaft sich momentan darstellt, muss man aber eher um sie fürchten. Hartes Aus in der Vorrunde, und gut für die Russen das sie die hier in der Gruppe haben.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon Sambora » 12.02.2018 12:04

monochrom hat geschrieben:Wird mal Zeit für meine Kurzvorstellungen der Teams, wie immer in umgekehrter Reihenfolge der erwarteten Stärke.



*freu*

Und *prä-freu* auf Realitycheck während der WM :D
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 12.02.2018 12:37

31. Australien

Ausgangslage:
Die Australier hatten eine höchst durchwachsene Qualifikation, und haben sich in die Play-Offs mehr oder weniger hineingewürgt. Dort was es dann ein wenig ansprechender, es ging aber auch gegen ein verwirrt spielendes, kopfloses Honduras. Eigentlich wollten die Australier ja richtig neu aufbauen, aber das ist größtenteils im Ansatz gescheitert, es werden doch wieder viele bekannte Gesichter dabei sein, so breit aufgestellt ist man nicht. Auch der Versuch, spielerisch voranzukommen, musste begraben werden, es gibt die übliche Kost: Kämpferisch und konditionell stark, der rote Faden fehlt, Zusammenspiel ist mäßig und wer Australien guckt um Fußballkunst zu sehen, wird lange warten müssen. Noch dazu spielt man traditionell eher hart. Mit dem Trainer war man nicht mehr zufrieden, zu mager war es, was die Verantwortlichen zu sehen bekamen, und so hat man jetzt kurzerhand Bert van Marwijk angestellt, den ja die Saudis haben dummerweise gehen lassen. Mal gucken was dem so einfällt.

Spieler:
Ein paar beachtenswerte Lichtblick hat dieses Team durchaus zu bieten. Aaron Mooy von Huddersfield ist ein großartiger Kämpfer, an dem sich eine Mannschaft hochziehen kann. Einen guten Torhüter haben sie mit Matt Ryan (Brighton & Hove), ist ja wichtig bei solchen Teams, wo schon viel aufs Tor kommen wird. Veteran Mile Jedinak (Aston Villa) macht immer noch im defensiven Mittelfeld dicht, wahrscheinlich gemeinsam mit Massimo Luongo (Queen's Park), ein echtes englisches Zweitliga-Duo, da weiss man schon was man bekommt. Vorne sollen dann Matthew Leckie von der Hertha, Tom Rogic von Celtic und Tomi Juric von Luzern für Unruhe sorgen, nicht erste internationale Klasse, aber schon Leute die auf einem europäischen Niveau gut mitspielen können. Falls dann da nichts geht, greift mit dem ewigen Tim Cahill (Millwall) ein Spieler ein, der sogar noch schönen 90er-Jahre-geruch mitbringt. Auch Linksverteidiger Aziz Behich (Bursaspor) ist so ein Spieler, der bei einer Weltmeisterschaft gut mal mit auflaufen kann. Was gibt es an hoffnungsvollen Talenten? Alex Gersbach ist gerade bei Lens untergekommen, der wäre ein vielversprechender Außenverteidiger, aber eigentlich ist der Behich da gesetzt. Ajdin Hrustic macht im Mittelfeld beim FC Groningen gerade seine ersten Schritte. Also jetzt auch keine Spieler bei denen man "Hui, ist das ein kommender Fußballriese?" ausruft.

Chancen: Da ist eine Truppe, die etwas unter ihrem Wert vor sich hin schimmelt. Wird schwierig, bis zum Anpfiff eine Einheit zu formen, die ihre Stärken wieder mehr in den Vordergrund stellen kann, und dann hat man ja leider eine ziemlich starke Gruppe erwischt. Das wird nichts, alles andere als Platz 4 wäre eine Überraschung.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon Tolpan » 12.02.2018 13:57

Ist der Bochumer Kruse außen vor?
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 12.02.2018 14:30

Tolpan hat geschrieben:Ist der Bochumer Kruse außen vor?


Auf keinen Fall, aber ich wollte doch das positive an Australien herausstellen. Nicht das Robbie Kruse da eine feste Größe ist.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 12.02.2018 22:34

30. Panama

Ausgangslage:
Am Anfang des Jahrtausends begann eine ganze Gruppe von traditionellen Baseballnationen, sich für Fußball zu interessieren, und in der Weltrangliste den langen Marsch durch die Instanzen aufzunehmen. Venezuela, Nicaragua, die DomRep, Puerto Rico, die Philippinen, Taiwan - sie alle verbesserten sich seitdem, teilweise enorm. Mit Panama hat es nun zum ersten mal ein Team aus diesem Kreis zu einer Weltmeisterschaft geschafft, vor 15 Jahren war das noch völlige Fußball-Diaspora, eine Riesenleistung also. Eine große Überraschung ist das trotzdem nicht, 2014 ist man schon nur haarscharf gescheitert, und beim Gold Cup ist man mittlerweile gerne bis den Halbfinals mit dabei. Man hat sich das richtig erarbeitet, die Spieler sind größtenteils die Ochsentour durch die Hinterhofligen dieser Welt gegangen, immer mehr stoßen aber zu immer besseren Vereinen. Eine große Besonderheit ist der starke südamerikanische Einfluss, viele Spieler wechseln nach Kolumbien, Venezuela, Peru und Ekuador, das kannte man bis dato aus Mittelamerika fast garnicht. Das hat die Jungs hart gemacht, kaum eine Mannschaft sammelt international so viele gelbe Karten wie Los Canaleros. Wir kennen die meisten dieser Spieler nicht, aber es ist auf jeden fall nicht typisch mittelamerikanisches, ballverliebtes, technisches Spiel, sondern eher so ein besonders wepsiges Kolumbien. Die Mannschaft wird höchstwahrscheinlich die älteste im Turnier sein, da sind einige Namen dabei, die den gesamten Aufstieg dieser Fußballnation mitgemacht haben, potentiell wohl mit sechs Spielern im Kader, die dann schon 100 Länderspiele haben. Von den krassen Außenseitern ist das hier das unberechenbarste Team, kann gut sein das da einige Spieler viel besser sind, als man sich das jetzt so vorstellen kann.

Spieler:
So eine Mannschaft braucht einen erfahrenen Mittelfeldmotor, das ist bei Panama Anibal Godoy von den San Jose Earthquakes (Die USA sind ein weiteres Land, wo Spieler aus Panama hoch im Kurs sind). Der wahrscheinlich beste Fußballer Panamas in den goldenen Aufstiegsjahren ist Felipe Baloy, Turm in der Innenverteidigung. Der hat fast seine ganze Karriere lang in Mexiko gespielt, wird diesen Monat 37 und lässt seine Karriere in Guatemala ausklingen. Neben ihm steht dann Roman Torres, hoffentlich immer noch mit Dreads der Stufe 3, der spielt bei den Seattle Sounders. Gabriel Gomez von Bucaramanga in Kolumbien ist so eine Art Regisseur, im Sturm hat man mit Methusalem Luis Tejada von den Sport Boys aus Peru einen richtig abgezocksten Mittelstürmer, der halt nur für 90 Minuten nicht mehr reicht. Von dem her könnten wir dort doch Gabriel Torres von Huachipato (Chile) sehen, den finde ich aber dann doch nur noch bedingt WM-tauglich. Die beiden Torhüter (Jose Calderon von Marathon in Honduras und Jaime Penedo von Dinamo Bukarest) sind in Ordnung, da haben wir von solchen Nationen schon viel schlimmeres gesehen. Wenn Panama Lust hat, schöner zu spielen, dann sieht man das daran, das Alberto Quintero (Universitario, Peru) in der ANfangsaufstellung ist. Das war zuletzt zunehmend der Fall, man ist durchaus bemüht die Qualität des Spiels immer weiter zu erhöhen, und ist enorm gut eingespielt. Klar, das ist nicht die Stunde der nachrückenden Talente, hier belohnt sich eine Generation von Fußballern zum Abschluss ihrer Karrieren. Trotzdem sollte man doch Michael Murillo erwähnen, der wohl rechts hinten verteidigen wird, der hat sich bei den Red Bulls in New York gut durchgesetzt. Und vielleicht sehen wir auch Ismael Diaz, einen Flügelspieler der momentan in der dritten spanischen Liga spielt.

Chancen: Man hat halt so eine blöde Gruppe erwischt, wo man nach menschlichem Ermessen mit Belgien und England zwei Gegner vor sich hat, die einfach 1-2 Nummern zu groß sind. Tunesien danach dürfte dieselbe Güteklasse sein, aber dann ist man halt schon draussen. Ich bin ja für romantische Fußballgeschichten mit Kaminfeuer und Eisbärfell zu haben, aber die sehe ich hier jetzt dann doch nicht. Aber schön das sie auch mitmachen, und höchstwahrscheinlich treten sie wenigstens den Rasen kaputt.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 12.02.2018 23:14

29. Tunesien

Ausgangslage:
Tunesien hätte man jetzt nicht unbedingt bei dieser WM erwartet, die Generation hat sich nicht gerade aufgedrängt. Aber dann kam eine machbare Auslosung, und auch wenn die Demokratische Republik Kongo in der Gruppe den besseren Fußball gespielt haben, war Tunesien einfach abgezockter. Die Qualifikation geht in Ordnung, und sie wurde mit einem Team geschafft, das vorrangig auf Spieler aus der eigenen Liga setzte. Diese gehört zwar zu den besten in Afrika, aber international bekannt sind diese Spieler natürlich nicht. Im letzten Jahr ist die Fußballwelt dann auf diese mannschaft aufmerksam geworden, und seitdem wird fleissig nach Europa und Saudi-Arabien gewechselt, aber die Quali ist dennoch ein Triumph der guten Arbeit zu Hause. Trainer Ali Maaloul ist ein klassischer tunesischer Taktiker, das heißt das wir eine gut eingestellte, disziplinierte Mannschaft sehen werden, bei der die Defensive zuerst kommt und der wahrscheinlich etwas das Gefahrenmoment und die Brillianz abgeht.

Spieler:
Dynamik über die Flügel oder im offensiven Mittelfeld bringt Wahbi Khazri von Stade Rennes, während man hinten zentral ja Aymen Abdennour von Marseille vermuten würde, aber der ist etwas in Ungnade gefallen. Naim Sliti ist so der Typ kleiner Flitzer, der spielt in Dijon und war in der Quali der Offensivspieler, der einem als ehestes mal ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Ein schlampiges Genie haben sie in Youssef Msakni auch, der spielt in Katar, da mag man schlampige Genies. Gute Leute aus der eigenen Liga sind zum Beispiel Mittelstürmer Taha Khenissi (Esperance), der defensive Mittelfeldantreiber Yassine Meriah (Sfax) oder Ghaylene Chaalali (Esperance), wenn man einen schnelleren Mann im Mittelfeld braucht. Talentförderung war nicht das Thema in den letzten zwei Jahren, das sind grötenteils gestandene Spieler, als ehestes geht wohl Dylan Bronn von KAA Gent als Talent durch, der ist ein ordentlicher Innenverteidiger. Zum Glück für Tunesien hat der eine tunesische Mutter. Insgesamt ein bischen so wie immer bei Tunesien, da sind ein paar gute Fußballer im Team, und taktisch ist das auch alles okay, aber es fehlt halt an Klasse.

Chancen:
Wenige, Belgien und England freuen sich wohl primär über einen ordentlichen Gegner zum Einspielen. Und dann kann man mit Panama um die goldene Ananas antreten, die jetzt rein klimatechisch Panama gewissen müsste, oder? Zu bieder, zu ausrechenbar, das wird leider wieder nichts mit dem Erreichen der zweiten Runde.
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon OldschdodPiranha » 13.02.2018 00:32

*freu*

Ich denke übrigens, dass es bei der WM dieses mal einige Überraschungen geben wird. Deutschland ist eine Turniermannschaft, die Afrikaner sind technisch sehr gut, Mittel- und Südamerikaner spielen rustikal und Russland wird die Nervosität vor eigenem Publikum in dieser Hammergruppe das gedopte Genick brechen. :)
Oscar gewann mal einen Helmut Körschgen
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Re: Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Beitragvon monochrom » 13.02.2018 23:57

28. Südkorea

Ausgangslage:
Ich hegte seit ungefähr 2012 den Verdacht, das die ganz große Zeit der Südkoreaner bald vorbei sein könnte, und wurde leider ziemlich heftig bestätigt. Es setzen sich weniger Spieler in Europa durch, es kommen weniger starke Jugendspieler nach, man wird immer mehr von anderen Nationen überholt. Unter Uli Stielike lief es dann eigentlich erstmal ziemlich gut, ein honoriger zweiter Platz bei der Asienmeisterschaft 2015 mit einigen neuen Gesichtern ließ hoffen. Aber dann kam der Mannschaft komplett das Mojo abhanden, der Saft war raus, die letzten drei Spiele konnten alle nicht gewonnen werden und man rettete sich mit raushängender Zunge irgendwie über die Ziellinie. So wenig effektiv haben wir Südkorea eigentlich seit Ewigkeiten in keiner Quali mehr gesehen, zwischendurch musste Stielike seinen Hut nehmen und Shin Tae-Yong übernahm, nur wurde unter dem nun wirklich garnichts besser. Und so probiert man nun herum wie verrückt, macht zig Länderspiele außerhalb des Terminkalenders, also dann nur mit heimischen Spielern, und wirkt dabei wenig überzeugend. Nein, dies scheint mir eins der schwächeren Teams zu sein, welches der Dauerbrenner (seit 1986 durchgehend dabei) aus Asien zu einer WM schickt.

Spieler:
Momentan hat man nur einen Spieler der Extraklasse, das ist Heung-Min Son von den Tottenham Hotspurs. Den kennen wir, den finden wir alle gut, und wenn sie jetzt noch zwei, drei andere von dem Format hätten, dann müssten wir Südkorea ernstnehmen. Haben sie aber nicht. Sung-Yong Ki von Swansea ist im Mittelfeld wohl als Hauptideengeber gesetzt, naja, warum nicht. Ein bisschen Flair und Panache ins Spiel bringen würde Tae-Hee Nam (Al-Duhail, Katar), der ist so ein offensiver Flitzer, ist aber bei all den vielen Kaderumwürfen des letzten Jahres momentan nicht mehr gesetzt. Ja-Cheol Koo von Augsburg ist auf der Position eigentlich erste Wahl, und der ist ja nun immerhin auch solide. Hyun-Jun Suk sollte man vielleicht mal reaktivieren, der trifft im Abstiegskampf bei Troyes wenigstens ab und zu, und viel Auswahl bei den Mittelstürmern hat man ja nun nicht. Aus der Heimat sind der zentrale Mittelfeldmann Jae-Sung Lee oder Linksverteidiger Jin-Su Kim (beide Jeonbuk Motors) meistens an Bord, halt so südkoreanische Dauerläufer. Abwehrchef ist Hyun-Soo Jang (FC Tokyo), der gehört tatsächlich zu Asiens besten Innenverteidigern. An etablierten Kräften, die auch noch in Form sind, war es das dann schon so ziemlich, und wir spüren schon wie dünn das ist. In so einer Situation fragt man schnell nach Talenten, welche die Lücken stopfen sollen, und ein wenig werden wir hier schon fündig. Hee-Chan Hwang trifft für die Salzburger Bullen gerne mal das Tor, und sollte in einer gerechten Welt in diesem Team gesetzt sein. Mal gucken ob das dann auch so funktioniert mit den Hierarchien. Chang-Hoon Kwon ist dieser Saison für Dijon in der League 1 teilweise ein richtiger Hingucker geworden, das wäre dann noch ein Kandidat fürs offensive Mittelfeld. Und vom Meister aus Jeonbuk stammt der junge Innenverteidiger Min-Jae Kim, der sich auf der Position überraschend schnell in die Nationalelf gespielt hat.

Chancen: Ach nö, in der Gruppe nicht. Hier ist eine Mannschaft auf der Suche nach selbst, ohne funktionierendes System, dem es insgesamt auch arg an Klasse fehlt. Das verzeihen die Teams aus Deutschland und Mexiko niemals, und damit ist das Ding ja schon durch.
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