Harem Scarem - United (12.5.2017)

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Heiko-S-
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Re: Harem Scarem - United (12.5.2017)

Beitragvon Heiko-S- » 27.05.2017 13:50

Hallo Frank,

Ja,ist halt Geschmackssache...ich kann mit Grunge,bzw. Seattle wenig bis gar nicht... :wink:
Handwerklich und kompositorisch gibt es auf der Voice...nix zu beanstanden,mir schmeckt halt die düstere Ausrichtung nicht so...
Ist aber,wie gesagt,eher ´ne persönliche Sache...
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Frank2
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Re: Harem Scarem - United (12.5.2017)

Beitragvon Frank2 » 27.05.2017 14:22

Heiko-S- hat geschrieben:Hallo Frank,

Ja,ist halt Geschmackssache...ich kann mit Grunge,bzw. Seattle wenig bis gar nicht... :wink:
Handwerklich und kompositorisch gibt es auf der Voice...nix zu beanstanden,mir schmeckt halt die düstere Ausrichtung nicht so...
Ist aber,wie gesagt,eher ´ne persönliche Sache...


Sicher ist alles Geschmackssache.
Aber gerade für Menschen wie mich, die Alice in Chains oder Pearl Jam
genauso vergöttern wie Journey oder Foreigner, stellt die Scheibe eine
echte Bereicherung der Sammlung dar.
Verbindet sie doch beide Stile in geradezu perfekter Art und Weise.
Das haben andere Bands des Genres, als Beispiel fallen mir da spontan
Dokken ein, weitaus schlechter hinbekommen :wink:
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Re: Harem Scarem - United (12.5.2017)

Beitragvon Heiko-S- » 27.05.2017 14:35

Da hast du Recht...bei Dokken hätte es nicht geschadet,wenn nach Beast From The East Schicht im Schacht gewesen wäre.Danach konnte mich nichts mehr so weit überzeugen,dass es für einen Kauf gereicht hätte...von Don´s Meisterwerk Up From The Ashes abgesehen...
Klar,wer Alice In Chains und Pearl Jam mag,für den ist Voice Of Reason mit Sicherheit eine Offenbarung.Ich höre die Scheibe hin und wieder auch gern.Dafür muss ich aber In Stimmung sein...dann passt das!... :wink:
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Re: Harem Scarem - United (12.5.2017)

Beitragvon acore » 27.05.2017 16:34

Ich mag halt diese düstere Atmosphäre auf VOR. Die Ausrichtung hat die Band so nie wieder aufgenommen. Aber ich kann durchaus verstehen, wenn man die Scheibe nicht so arg mag.
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Re: Harem Scarem - United (12.5.2017)

Beitragvon Heiko-S- » 28.05.2017 11:49

Nun ja,es gibt keine Harem Scarem-Scheibe,die ich nicht mag...dafür hat die Band einfach zuviel Klasse...
Ich möchte es mal so beschreiben,Das Debüt,Mood Swings und United kann ich zu jeder Tages-und Nachtzeit und bei jeder Gefühlslage in den Player packen...passt immer.Sozusagen die Sternstunden der Band,meiner bescheidenen Meinung nach...
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Re: Harem Scarem - United (12.5.2017)

Beitragvon Beidlman » 18.09.2017 18:45

Hab mir vor einigen Tagen mal wieder das Live at the Phoenix Video reingezogen und das hat irgendwie den totalen HS Rausch bei mir ausgelöst.
Ich fand die Band schon immer großartig, aber momentan bin ich extremst süchtig nach den Kanadiern.
Wie geil bitte ist das Gitarrenspiel von Pete Lesperance????

Im Gegensatz zu vielen anderen Bands bauen HS imho auch nicht ab. Die letzten beiden Scheiben sind genial und Titel wie no regrets, the midnight hours, live it, all i need, bite the bullet usw. stehen den Klassikern in nichts nach.

Gibt aber auch ein paar Scheiben, die ich noch nicht kenne: Die beiden unter dem Namen Rubber erschienen Platten kenne ich ebenso wenig wie das Solo Zeugs von Herrn Lesperance.
Rubber war glaub ich ein bischen poppiger, oder? Kennt das jemand?

Im Ernst: Leute, hört mehr Harem Scarem!!!
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Re: Harem Scarem - United (12.5.2017)

Beitragvon acore » 18.09.2017 22:19

Beidlman hat geschrieben:Hab mir vor einigen Tagen mal wieder das Live at the Phoenix Video reingezogen und das hat irgendwie den totalen HS Rausch bei mir ausgelöst.
Ich fand die Band schon immer großartig, aber momentan bin ich extremst süchtig nach den Kanadiern.
Wie geil bitte ist das Gitarrenspiel von Pete Lesperance????

Im Gegensatz zu vielen anderen Bands bauen HS imho auch nicht ab. Die letzten beiden Scheiben sind genial und Titel wie no regrets, the midnight hours, live it, all i need, bite the bullet usw. stehen den Klassikern in nichts nach.

Gibt aber auch ein paar Scheiben, die ich noch nicht kenne: Die beiden unter dem Namen Rubber erschienen Platten kenne ich ebenso wenig wie das Solo Zeugs von Herrn Lesperance.
Rubber war glaub ich ein bischen poppiger, oder? Kennt das jemand?

Im Ernst: Leute, hört mehr Harem Scarem!!!

Yep, Rubber geht in einer poppigere Richtung.

Die Darren Smith Band (Ex-Drummer der Band) darfst du dann auch nicht links liegen lassen:





Produziert von Harry Hess...

Und Doctor Rock & The Wild Bunch sollte man auch kennen. Produced by Harry Hess, Gitarre: Pete Lesperance, Backing Vocals & Keyboards: Harry Hess







Bei den Belgiern Mystery haben Hess und Lesperance auch ihre Spuren hinterlassen:





Die finde ich von den drei Bands aber am schwächsten.
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Re: Harem Scarem - United (12.5.2017)

Beitragvon Heiko-S- » 19.09.2017 06:57

Die Backwards vom Mystery kommt leider nicht mehr an das selbstbetitelte Debüt von Mystery heran.
Dieses ist ein wahrer Edelstein und gehört meines Erachtens in jeder gut sortierte AOR/Melodicrock-Sammlung,insbesondere für Fans von Dalton/Europe/Treat oder Skagarack




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Re: Harem Scarem - United (12.5.2017)

Beitragvon Beidlman » 19.09.2017 16:49

Danke für die Tipps!
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Re: Harem Scarem - United (12.5.2017)

Beitragvon Alexforgood » 04.06.2019 21:50

Beidlman hat geschrieben:Ich fand die Band schon immer großartig, aber momentan bin ich extremst süchtig nach den Kanadiern.
Wie geil bitte ist das Gitarrenspiel von Pete Lesperance????

Sehr. Lesperance ist absolut fantastisch, äußerst geschmackvoll, songdienlich und dennoch virtuos. Ich habe ihn mal tiefstapeln hören, er sei auch früher nie so fix wie Vai oder Satriani gewesen - mag sein, daß Lesperance nie Technik gebolzt hat, aber er ist ein unfaßbar präziser Musiker, und zwar auch in den schnellsten Passagen, wer ihn live gehört hat, weiß, was ich meine. Lesperance ist imo als willkommenes Gegengewicht auch dafür verantwortlich, daß HS nicht voll ins Harry-Hess-Fahrwasser abdriften, denn der Ausnahme-Sänger hat schon ein fatales Faible für schlagernahe Schmachtfetzen (vergl. seine Solo-Projekte).

Und auch "United" trägt in weiten Teilen die Züge des Songwriters Harry Hess. Irgendwie habe ich immer den Eindruck, der großartige Mann sieht jedesmal, wenn er vor seinem weißen Blatt sitzt und einen neuen Song schreiben möchte, diese 40-jährige Blondine, die einsam auf der Kirmes steht, inmitten fröhlicher, lärmender Menschenmassen, und dann kommt Harry Hess und hängt ihr ein Lebkuchenherz um den Hals (mit seinem Song).

In den schlimmeren Momenten ("Gravity", "The sky is falling") geht das schon fatal in Richtung Bierzelt, auch die billige Stampfbassdrum von Creighton Doane trägt dazu bei, daß zumindest ich erstmal schlucken mußte und mich auf die unzähligen schönen Aspekte jedes Songs konzentrieren. :nerv: Mittlerweile habe ich das Album aber wahsinnig ins Herz geschlossen und mir ist auch schnurz, ob da manchmal die Gefühlsseligkeit aus den Lautsprechern trieft: Das sind Harem Scarem, Mann, die Band mit dem besten Sänger aller Zeiten im Rock-Bereich und den besten Vokal-Arrangements ever und mit einem total eigenständigen Groove (wozu übrigens auch der famose neue Bassist Stan Miczek beiträgt).

Harem Sacrem werden bei mir immer eine wild card haben, sie haben mir soviele fröhliche Stunden beschert, da fallen ein paar schwache Platten (Rubber-Ära, "Overload", "Human Nature", "Hope") echt nicht ins Gewicht. Keine andere Band hat mir soviel gute Laune bereitet, keine andere werde ich so wenig leid wie Harem Scarem.

"United" fällt in die obere Hälfte ihrer Veröffentlichungen, was eine große Auszeichnung ist. Ich kann mich User acore nur anschließen, die Trias der übermäßig überirdischen Überalben besteht eindeutig aus "Mood Swings" (1993), "Voice Of Reason" (1995) und "Weight Of The World" (2002).

"Voice Of Reason" ist das progressivste Album der Band, hier scheinen sie die genialsten und teilweise abgefahrendsten Ideen hineingesteckt zu haben. HS waren wohl nie wieder so unbekümmert um Breitenwirkung wie bei dieser Platte. Deswegen spaltet sie die Gemeinde wohl auch. Grunge-Einflüsse kann ich allerdings weniger erkennen, ich finde, das ist immer so ein naheliegendes Schlagwort bei Alben, die Mitte der 90er von ansonsten etwas anders ausgerichteten Bands gemacht wurden. Manchmal trifft es zu (wie bei Rushs "Counterparts"), manchmal nicht, wie bei "Waiting For The Punchline" von Extreme oder meiner Meinung nach im Fall von "Voice Of Reason".

Ich höre bei diesem Album eine düsterere Atmosphäre, ja, aber nur wegen der vielen Chromatik (also den Sekundschritten), keineswegs höre ich diese lässige Wegwerfgeste, die den Grunge ausgezeichnet hat. Im Gegenteil, "Voice Of Reason" ist ein detailliert durchkonzipiertes Werk, ein phantasievoll zusammengeschustertes Monster, was mehrmaliges Hören voraussetzt. Um nur ein winziges Beispiel anzuführen, die Zeile "lust fucked off and", die den Song "Warming a frozen rose" einleitet und später erst in einem verstehbaren Kontext wiederauftaucht.

Überhaupt sind die lyrics dieser Scheibe das mit Abstand Beste, was Hess jemals geschrieben hat - wenn auch etwas misogyn im Gesamtbild :wink: . Im eben genannten Song zum Beispiel: "monochrome memories / colourless melodies" oder im Song "Blue": "I want another life / that comes with a guarantee". Das ist schon was anderes als der ewige "rollercoaster of life", der in den Schlagermomenten bei Hess auftaucht. Oder auch "following tormented youth", eine Zeile, die im Song "Breathing sand" zu finden ist. Die ganze "Voice Of Reason" ist rappelvoll mit erstklassigen Ausnahmetexten. Ich bin wirklich untröstlich, daß die Band diese Linie nie wieder in gleichem Maße verfolgt hat.

Und weil mir jetzt so wehmütig zumute ist, werde ich mal "Let it go" von diesem Album hören, einen der schönsten Songs, die je geschrieben wurden.
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Re: Harem Scarem - United (12.5.2017)

Beitragvon Seelenfaenger » 06.06.2019 10:23

Danke für den Kommentar und tolle Einschätzung!

Ich bin Harem Scarem Fan der ersten Stunde und für mich steht die "Voice of reason" an erster Stelle des Bandkatalogs.
Es ist richtig, dass sie danach nie mehr so intensiv, düster und auch hart klangen.
Grunge-Anleihen kann ich schon erkennen, vor allem im heruntergestimmten Gitarrenriffing, aber dies ging nie zu Lasten der genialen AOR-Melodien, die halt in ein damals zeitgemäßes Klangfeld eingebettet wurden.
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Re: Harem Scarem - United (12.5.2017)

Beitragvon Alexforgood » 21.06.2019 14:02

Seelenfaenger hat geschrieben:Ich bin Harem Scarem Fan der ersten Stunde und für mich steht die "Voice of reason" an erster Stelle des Bandkatalogs.
Es ist richtig, dass sie danach nie mehr so intensiv, düster und auch hart klangen.
Grunge-Anleihen kann ich schon erkennen, vor allem im heruntergestimmten Gitarrenriffing, aber dies ging nie zu Lasten der genialen AOR-Melodien, die halt in ein damals zeitgemäßes Klangfeld eingebettet wurden.

Deine Vorliebe für VOR teile ich, irgendwie werde ich mir nie klar darüber, ob ich "Mood Swings" oder "Voice Of Reason" für HSs opus magnum halten muß. :D

Zu den runtergestimmten Gitarren, da muß man sagen, daß ja nicht der Grunge das Downtuning erfunden hat. Sein Saiteninstrument ständig umzustimmen hat eine ewig weit zurückreichende Tradition (der schlimmste von allen war wohl Heinrich Ignaz Franz Biber, der bei seinen "Rosenkranzsonaten" bei jeder einzelnen ein anderes Tuning verwendt hat und sogar oft die beiden mittleren Saiten der Violine über Kreuz gespannt hat). Bei der Gitarre kennt man es aus dem Gypsy Jazz, daß die teilweise ihre Saiten richtig schlackerig gestimmt haben. Im Rock kenne ich mich nicht sooo gut mit diesem Thema aus, aber ich weiß, daß Allan Holdsworth das getan hat, Steve Vai (was ihn dann dazu verleitet hat, sich von Ibanez eine Siebensaitige bauen zu lassen) und prominenterweise King´s X (die nachweislich großen Eindruck auf etliche Grungegitarristen gehabt haben, insbesondere die von AIC, Pearl Jam und Soundgarden).

Was bei King´s X so krass war, ist, daß nicht nur Ty Tabor, der Gitarrist, sondern auch Bassist und Leadsänger Doug Pinnick schwer in den Keller gegangen sind - was Sinn macht, wenn man bedenkt, daß auch der Bassist gern weiterhin die volle Bandbreite seines Instruments nutzen will und außerdem, und das wird bei denen sicher so gewesen sein, bei Improvisationen gern weiterhin beim Gitarrenmann auf die Finger schauen und nicht im Kopf mühsam rumtransponieren möchte.

Da fällt mir ein, daß HSs Bassspieler Mike Gionet die Band ja nach VOR verlassen hat. Zwar habe ich mal gelesen, es seien private Gründe gewesen (wöglicherweise ähnliche wie bei Frank Aresti und Joe Dibiase von FW), aber evtl. war ihm die Entwicklung der Band auch nicht so ganz geheuer, immerhin ist es eine irre Wegstrecke vom Debutalbum zu VOR. Eine extrem positiv zu bewertende allerdings. :pommes:

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