Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Clockwork Angels")

Hier sammeln sich nur die Perlen an Threads, die niemals im Datennirvana verschwinden dürfen.
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costaweidner
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Feedback")

Beitrag von costaweidner »

Thunderforce hat geschrieben: 06.10.2020 13:29 :)

Das freut mich wirklich, danke.
Wir sollten vielleicht zumindest mal schauen, ob wir nicht entweder regelmäßig was posten oder halt einen der Mods fragen, das Ding ins Museum zu packen. Wenn der Kram hier gelöscht wird, weil wir faule Idioten sind, fände ich das schon ärgerlich. *g*
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Feedback")

Beitrag von Thunderforce »

Stimmt. Aber jetzt ist der Thread ja erstmal wieder gesichert *g*
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Sambora
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Feedback")

Beitrag von Sambora »

Ich kann ihn natürlich ins Museum schieben und wenn ihr was schreiben wollt, wieder zurück. Wenn ihr wollt.
Ich muss ihn auch nicht sperren, dann könntet ihr im Museum schreiben.
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Feedback")

Beitrag von Thunderforce »

Hmm. Ich wäre dafür, ihn hier zu lassen und wenn wir durch sind, ab ins Museum damit. Oder @ Costa?
Soooo schnell werden Threads ja nun auch nicht gelöscht.
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Feedback")

Beitrag von costaweidner »

Thunderforce hat geschrieben: 06.10.2020 13:52 Hmm. Ich wäre dafür, ihn hier zu lassen und wenn wir durch sind, ab ins Museum damit. Oder @ Costa?
Soooo schnell werden Threads ja nun auch nicht gelöscht.
Ich hab halt nicht wirklich einen Dunst, wie zuverlässig das Konzept der Löschroutine ist, wenn hier teilweise sinnlos irgendwelche Threads von 2008 oder so noch existieren, obwohl da nie was passiert.
Andererseits ist sicher richtig, dass es im DEI eher auffällt, wenn es mal wieder ein Review gibt, da es ja immer noch komige "Neue Beiträge"-Verweigerer gibt.
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Feedback")

Beitrag von Thunderforce »

SNAKES AND ARROWS (2007)


1. Far Cry (5:18)
2. Armor and Sword (6:35)
3. Workin‘ Them Angels (4:46)
4. The Larger Bowl (4:06)
5. Spindrift (5:23)
6. The Main Monkey Business (6:01)
7. The Way the Wind Bows (6:27)
8. Hope (2:02)
9. Faithless (5:30)
10. Bravest Face (5:11)
11. Good News First (4:51)
12. Malignant Narcissism (2:16)
13. We Hold On (4:12)

TOTAL PLAYING TIME: 62:38


Cover


Ein Jahr Pause gönnten sich Rush nach dem Ende ihrer R30-Tour zum 30jährigen Bandjubiläum, bevor sie dann im Januar 2006 mit den Arbeiten an „Snakes and Arrows“ begannen. Produziert von Nick Raskulinecz dauerten die Aufnahmen insgesamt nur fünf Wochen, was ja nahezu rekordverdächtig ist, wenn man bedenkt, wie lange die Herren für „Vapor Trails“ im Studio zubrachten. Hier wollte man sich auch ein wenig das Aufbruchs-Feeling, das man bei den Aufnahmen zu „Feedback“ gehabt hatte, bewahren.Veröffentlicht wurde das 18. bzw. inkl. „Feedback“ 19. Studioalbum der Band schließlich dann Anfang Mai 2017.

Die Vorarbeiten liefen diesmal getrennt voneinander ab, während Lee und Lifeson zu Hause im Home Studio an der Musik arbeiteten und mit Hilfe eines Click Tracks langsam fertige Songs ausarbeiteten, arbeitete Peart zu Hause (er lebte mittlerweile in Kalifornien) an den Texten. Man konferierte online und Peart kam natürlich auch mal nach Kanada zu Besuch.

Lifeson schrieb diesmal viel auf einer Akustikgitarre, besann sich also auf die Basics. Inspiriert wurde er zu dieser Arbeitsweise von Pink Floyd-Gitarrist David Gilmour, den Alex bei dessen Tourstop in Toronto getroffen und mit ihm gesprochen hatte. Gilmour wird auch in Alex‘ Thanklist von „Snakes and Arrows“ genannt. Peart wiederum experimentierte auch mit elektronischen Drums und Triggern herum. Für seine Texte griff er zum Teil auf ältere Ideen zurück, die schon 15 Jahre herumlagen und befasste sich ansonsten mit Themen wie Glaube, Religion, Krieg, Hoffnung, Angst, eher übergreifende Themen also, in die er aber natürlich viel persönliches einflocht.

Im März 2006 waren sechs Songs als Rough Tracks fertig und wurden Peart von seinen beiden Bandkollegen vorgestellt. Im Mai des gleichen Jahres begab man sich zu dritt ins Studio um weiter an den Liedern zu arbeiten und hatte im Juni dann acht Lieder fertig ausgearbeitet. Nach einer kleinen Sommerpause fand man sich dann im September 2006 wieder zusammen und arbeitete den Rest aus.
Der Albumtitel ist auf Pearts Mist gewachsen und setzt sich aus dem Namen des indischen Spiels „Leela“ (auch als „Snakes and Ladders“ bekannt) und dem „Hamlet“-Zitat „Slings and Arrows“ zusammen. Nachdem er herausfand, dass das Leela-Spiel auch als „The game of snakes and arrows“ bekannt ist, stand der Titel fest. Das Cover stammt von einem Brettspiel, das Peart entdeckte und kaufte. Die anderen beiden mochten das Bild und so wurde es zum Albumcover. Hugh Syme, sonst ja der Haus- und Hof-Coverartist von Rush gestaltete dafür das gesamte Booklet, jedem Song (bzw. zumindest denen mit Lyrics) ist hier eine Doppelseite mit eigenem Artwork gewidmet.

Aufgenommen wurde das Album in den Glen Tonche-Studios in New York, wo ursprünglich nur die Drums aufgenommen werden sollten. Allerdings fühlte sich die Band dort so wohl, dass sie gleich blieb und das Album in 36 Tagen einzimmerte. Auf der Suche nach frischem Input fand man Nick Rasculinecz, der bereits mit Bands wie den Foo Fighters und Velvet Revolver gearbeitet hatte und der ein langjähriger Fan der Band war. Raskulinecz war es auch, der die Band anhielt, an ihre Grenzen zu gehen und neues zu probieren, sich aber gleichzeitig an die Komplexität/Melodik ihrer Früh-80er-Werke zu erinnern. Außerdem bestand er darauf, dass Lee wieder mehr mit seinen Bass Pedals arbeiten sollte, die nun in beinahe jedem Song auf „Snakes and Arrows“ zum Einsatz kamen und soviel benutzt wurden wie seit „Power Windows“ 1985 nicht mehr. Gemixt wurde die Platte in Kalifornien, so dass nun Lifeson und Lee wiederum Peart zu Hause besuchen konnten.
Nach den Aufnahmen sagte Peart, dass „Snakes And Arrows“ ihm von allen Rush-Studioalben beim Aufnehmen am meisten Spaß gemacht hätte und er das Ergebnis so sehr genießen würde, wie nie zuvor. Alles in allem kann man wohl von einem sehr entspannten und angenehmen Entstehungsprozess für dieses Album ausgehen.


Far Cry
Das Album beginnt mit einem schönen Breakgewitter, an dessen Ende ein mächtiger Akkord steht, der mich vom ersten Hören an an „Hemispheres“ erinnert hat. „Far Cry“ ist ein für Rush-Verhältnisse recht schneller, treibender und harter Rocksong und man merkt sogleich die Gelöstheit, die die Musik verströmt, man hört dem Song an, dass es in einer guten Zeit entstand und dass die Band ihre dunklen Jahre endgültig hinter sich gelassen hatte. Die Lyrics, gerade die der Bridge, lassen sich vielleicht am ehesten als die Beschreibung des typischen Auf und Abs des Lebens beschreiben und wie wichtig es Peart ist, nicht aufzugeben und immer weiterzumachen. Das Lied eröffnete damals auch den zweiten Teil der Shows auf der Tour zum Album und die Energie, die da rübergebracht wurde, war schon ziemlich wahnwitzig. Auch auf späteren Touren war „Far Cry“ noch im Liveprogramm der Band zu finden.


Armor and Sword
„Armor and Sword“ arbeitet mit vielen Bildern aus dem Bereich Kampf, Rüstung und verknüpft diese mit Glaube und Religion etc, wobei Peart „Armor“ als „a good kind of faith“ und „Sword“ als „a bad kind of faith“ beschrieb, sprich, es geht um Glauben oder Spiritualität, um einen selbst, und wie der Wille, sich zu schützen, andere auch durchaus verletzten kann „What should have been our armor becomes a sharp and angry sword“.
Den einleitenden Drumpart hat sich Neil bei Buddy Richs „Mercy Mery Mercy“ abgeschaut. „Armor and Sword“, knapp der längste Song des Albums, nimmt im Vergleich zum Opener das Tempo deutlich raus und fungiert in den Strophen fast schon als Halbballade, bevor dann Alex mit einem recht mächtigen Riff einsteigt und den Song heavier werden lässt. Außerhalb dieser Parts klingt „Armor and Sword“ recht entspannt, fast laid back. Insgesamt finde ich, das Lied klingt wie eine entspanntere, weniger verkrampfte „Großer Bruder“-Version der „Counterparts“-Ära.


Workin‘ Them Angels
Auch „Workin‘ Them Angels“ bleibt vom Tempo ähnlich zurückhaltend, klingt aber noch einmal eine Ecke offener, entspannter und einfach cooler als „Armor and Sword“ - einer der besten Songs auf diese Album, Textlich geht es vermutlich um eine Rückschau auf Pearts der Musik gewidmetem Leben, die Jahre auf Tour, die ungezählten Abende auf der Bühne und die Musik, die die Band in über 30 Jahren zu den Leuten brachte. Er klingt dabei aber sehr versöhnlich, mit sich selbst im Reinen, einfach zufrieden. So klingt auch der ganze Song, der bereits das Engel-Thema des letzten Rush-Albums „Clockwork Angels“ andeutet, eine Band, die die Früchte von 3 Jahrzehnten harter Arbeit genießt. Es sei ihnen gegönnt, zumal, wenn sie dabei immer noch derart relevant klingt.


The Larger Bowl
Die Lyrics zu „The Larger Bowl“ basieren auf der malayischen Gedichtform des „Pantun“. Textlich geht Peart zurück zu „Half the World“ von „Test for Echo“, setzt sich also mit der Ungerechtigkeit der Welt auseinander, der Ungleichheit von Chancen und Möglichkeiten, wobei es hier eher auf eine persönliche Ebene geht und darum, wie man mit den Karten klarkommen muss, die einem das Leben so hinlegt. Der Song ist wieder etwas flotter, basiert aber auf überwiegend akustischen Gitarren, bzw. arbeitet mit wenig Verzerrung. Auf den ersten Blick ist der größte Hit des Albums mit sehr eingängigem Chorus und einer Melodie, die sich sofort festsetzt. Damals habe ich oft auch hier im Forum gelesen, der Song sei deswegen zu flach und könne nicht mit dem Rest des Materials mithalten, was aber natürlich derber Schwachsinn ist. Auf seine Art und gemessen an seiner ‚Rolle‘ auf dem Album erinnert er mich immer ziemlich an „The Wreckers“ vom Nachfolger, bzw. umgekehrt.


Spindrift
„Spindrift“ schleicht sich langsam rein und klingt zunächst recht düster, zumindest musikalisch. Lee singt allerdings relativ hoch in den Strophen (irgendwie erwarte ich trotzdem jedes Mal, dass er tiefer singt und bin irgendwie überrascht von dem recht hohen Gesang), was ein wenig einen Gegenpool zu der dunkleren Ausrichtung der Musik bildet. Als „Spindrift“ bezeichnet man Gicht, die sich bei starkem Wind auf Wellenkämmen bildet und passend dazu (und auch zum zugehörigen Booklet-Artwork mit Möwen über aufgepeitschter See) versprüht das Lied eine maritime Atmosphäre, erinnert an raue Küsten und weites, offenes Meer, über dem gerade ein Sturm tobt. Das Lied ist weniger eingängig das die ersten vier, aber nicht weniger toll, eher im Gegenteil. Textlich interpretiere ich es, trotz aller Bilder aus der Seefahrt und Metaphern aus dem maritimen Bereich eher als die Beschreibung einer Beziehung von zwei Personen zueinander.


The Main Monkey Business
Das erste von gleich drei Instrumentals auf „Snakes and Arrows“ und meiner Meinung nach das beste. Instrumentals waren bei Rush noch nie Füller oder wirkten irgendwie unfertig, sondern zählten stets mit zu den besten Songs der jeweiligen Phase. So auch hier. „The Main Monkey Business“ (der Titel ist von einem Zitat von Geddy Lees Mutter inspiriert, die über einen Cousin aus der Familie sprach) ist recht düster. Peart arbeitet hier viel mit Samples und Triggern und brauchte sehr lang, um die Parts zu lernen, insgesamt dauerte die Arbeit an diesem Song von allen Liedern am längsten. Bis auf einen Part während eines Gitarrensolos um Minute 3 herum, wo er eine Piccolo-Snare spielt, verzichtet er in diesem Song auf den Einsatz der Snare-Drum, um die dunkle Atmosphäre noch besser herauszuarbeiten. „The Main Monkey Business“ ist trotz der Großartigkeit von „Leave that Thing Alone“ meiner Meinung nach das beste Rush-Instrumental seit „YYZ“ 1981. Ganz genau genommen ist es auch kein Instrumental, da an zwei oder drei Stellen sehr weit im Hintergrund Geddys Gesang zu hören ist, auch wen er keinen Text, sondern nur „Woohoooohooo“ oder so ähnlich singt *g*


The Way the Wind Blows
Dieser Song, der sich textlich damit auseinandersetzt, wie Religion wieder zunehmend missbraucht wird, religiöse Spinner ihre Agenda durchbomben wollen und mehr und mehr Leute irrational diesen Leuten folgen (wobei Peart mit der mehrmals wiederholten Textzeile “From the Middle East to the Middle West“ klarmacht, dass er sich nicht auf eine bestimmte Religion bezieht, sondern alle meint), wurde von Peart im Nachhinein als sein persönlicher Favorit von „Snakes and Arrows“ bezeichnet, sowohl was das Anhören angeht, als auch das eigentliche Spielen des Songs. Ich kann natürlich nur als Hörer sprechen und zumindest da sehe ich das anders als der Großmeister. „The Way the Wind Blows“ ist wieder eher im langsamen Tempo angesiedelt, klingt aber angespannter und unruhiger als zum Beispiel „Spindrift“ oder „Workin‘ them Angels“. Die Strophen sind unruhig, rastlos, die Bridge klingt dann etwas entspannter und der Chorus beginnt ganz ruhig und wird dann etwas aufbrausender. Eigentlich eine schöne Wellenbewegung, trotzdem packt mich der Song nicht ganz so wie die bisherigen anderen. Das liegt aber glaube ich zu einem gewissen Teil auch an der Tour zum Album. Auf der Tour spielten Rush jeden Abend ganze neun Songs der Platte und zu Beginn des zweiten Sets gab es immer einen Block aus fünf dieser neuen Songs. „The Way the Wind Blows“ war der fünfte und das war einfach ein bisschen zuviel des Guten für meinen Geschmack. Also vielleicht tue ich dem Song so auch ein bisschen Unrecht, aber für mich ist er kein Highlight auf diesem Album.


Hope
Das zweite Instrumental, kurz und eine reine Lifeson-Akustikgitarren-Soloveranstaltung. Aufgenommen in der „Great Hall“ des Studios mit extra reingekarrten Teppichen, um das Echo beim aufnehmen zu mindern. Aufgenommen wurde es offenbar in einem Take. Hübsche Nummer, mehr ein Zwischenstück, live wurde es verwendet, um Neil Peart nach seinem wie üblich wahnwitzigen Schlagzeugsolo etwas Luft zum Verschnaufen zu geben.


Faithless
„Faithless“ liest sich textlich ein bisschen wie der Gegenentwurf zu „The Way the Wind Blows“. Peart beschreibt hier seinen eigenen „Glauben“, er bezieht sich dabei auf einen moralischen Kompass, gesunden Menschenverstand und einfach sein inneres Gefühl, an dem er sein Leben und seine Entscheidungen ausrichtet. Für sich allein stehend, nicht ausgerichtet an irgendeiner spirituellen Lehre oder religiösen Vorgaben. „A guiding star beats a spirit in the sky“. Gläubige Menschen würden vermutlich genau diesen moralischen Kompass als Die Stimme Gottes (oder was auch immer) bezeichnen und vermutlich weiß Peart das auch, dennoch ist es ihm offenbar ein Anliegen, sich von solchen Denkweisen abzusetzen. Der textlich schöne Chorus fasst es wohl am besten zusammen: “I don‘t have faith in faith / I don‘t believe in belief / You can call me faithless but I still cling to hope / And I believe in love and that's faith enough for me.“ - Wer wäre ich, ihm da zu widersprechen?
„Faithless“ ist ein weiterer, eher langsamer Song – das ist übrigens ein Vorwurf, den man diesem Album machen könnte. Viele Songs sind eher langsam angelegt und verbreiten eine recht ähnliche Stimmung und zudem sind sie im zweiten Drittel des Albums vielleicht auch etwas überrepräsentiert. Geschenkt. „Faithless“ packt mich wieder und knüpft qualitativ wieder an die Songs bis inkl. „The Main Monkey Business“ an. Lustig finde ich, dass Rush bei „Faithless“ bewusst versuchten, einen für sie ungewöhnlich langsamen Song zu schreiben, dabei fällt er tempotechnisch auf diesem Album aber eben gar nicht aus dem Rahmen. Die Streichinstrumente in „Faithless“ spielte übrigens Ben Mink, mit dem die Band bereits 25 Jahre zuvor auf dem Song „Losing It“ („Signals“) zusammengearbeitet hatte.


Bravest Face
„Bravest Face“ kann man textlich wohl als „Der Schein kann trügen und man sollte immer auch hinter die Fassade blicken“ zusammenfassen. Musikalisch ist es einer dieser Rush-Songs (vgl. „High Water“), die ich mir ums Verrecken nicht merken kann und quasi jedes Mal neu entdecke. Akustische Strophen, Bridge und Chorus sind etwas lauter und der Chorus nimmt auch etwas Tempo auf, dennoch steht auch dieses Lied schon in einer Reihe mit „Spindrift / Wind / Faithless“, kann sich aber für mich nicht deutlich genug von diesen absetzen. Die Strophen sind sogar etwas uninspiriert. Es bleibt ein guter Song, aber im Rush-Kontext kann man eigentlich schon von einem Füller sprechen. Bemerkenswert ist allerdings noch das Gitarrensolo, das mich ziemlich an Mark Knopfler erinnert.


Good News First
Das Artwork im Booklet zeigt einen schwarzen Vogel, der auf einem frisch zugeschütteten Grab sitzt. Daneben flattert eine Zeitung mit der Headline „Cure discovered“ durchs Bild, was angesichts des Krebstodes von Neils Ehefrau einige Jahre zuvor schon recht bitter ist. Der Song beginnt eigentlich musikalisch recht positiv und ‚uplifting‘, die Strophen wirken aufgrund des Effekts auf dem Gesang dann aber leicht unheimlich und düster, wohingegen im Chorus wieder die Sonne aufgeht. Auch den Song kann ich mir nie so richtig merken, aber im Gegensatz zu „Bravest Face“ ist es ein super Song. Textlich spricht Peart darüber, dass der nächste Schock, die nächste Horrornachricht jederzeit hinter jeder Ecke lauern kann und wie wichtig es darum ist, die positiven Dinge und Aspekte des Lebens um so stärker zu würdigen und daran festzuhalten. Toller Song, der einen darin erinnert, in einer Welt, die immer beschissener zu werden scheint, die Hoffnung trotzdem nicht zu verlieren.


Malignant Narcissism
Der Titel des Songs, dem dritten Instrumental, stammt aus dem Film „Team America: World Police“ der „South Park“-Macher Trey Parker und Matt Stone, beide große Rush-Fans (so gab es zum Beispiel ja auch auf der R30-Tournee das Video-Intro, in dem die South Park-Bengel als „Li‘l Rush“ verkleidet „Tom Sawyer“ spielen). Während des Songs ist auch ein Sample aus dem Film zu hören. Der Song entstand ganz am Ende, als die übrige Musik schon eingespielt war und basierte mehr auf einer Jam-Idee Geddy Lees, dessen Bass dann durch ein Gesangs-Mikrophon aufgenommen wurde. Lifeson nahm seine Gitarre sogar erst später beim Abmischen in Florida auf und Peart spielte die Drums auf einem schon zum Großteil abgebauten Schlagzeug mit nur vier Becken und vier Trommeln. Alles in allem eine sehr spontane Nummer also, was man dem Song auch anhört. Er klingt selbst für dieses Album nochmal extra cool und beinhaltet diverse Kabinettstückchen speziell auf dem Bass. Live eine absolute Wucht, von Lee lakonisch mit “Sometimes we can‘t help ourselves“ angekündigt, bevor man dermaßen vom Leder zieht, dass einem Normalsterblichen eigentlich nur angst und bange werden kann. Sehr schön in diesem Zusammenhang natürlich auch der selbstironische Songtitel.


We Hold On
„We Hold On“ beschließt das Album als einer der flotteren und rockigeren Songs und schließt so ein wenig den Kreis zum Anfang, auch wenn „Far Cry“ noch deutlich mehr auf die Tube drückt. Ein Text, einerseits eine Durchhalteparole, andererseits setzt er sich mit der Frage auseinander, warum man trotz aller Rückschläge oder langweiliger Routine eigentlich immer weiter macht. Eine Antwort gibt er nicht, man macht halt weiter, weil man eben weiter macht. Vielleicht gibt es einen anderen Weg, vielleicht auch nicht. Das Album endet so ein bisschen offen. Geht es weiter, wenn ja wie? Bezieht sich das auch auf die Band? War das die Intention? Keine Ahnung. Der Song ist musikalisch schön energiegeladen, lässt textlich aber zumindest bei mir mehr Fragen offen als das er Antworten gibt. In der Hinsicht ein wenig ein merkwürdiger Abschluss, aber wenn man sich wiederum an die Message von „Good News First“ erinnert, vielleicht auch der einzige, der Sinn ergibt.


Nach etwas mehr als einer Stunde ist „Snakes and Arrows“ dann zu Ende. Als es erschien, fand ich es super und fand es klar besser als „Vapor Trails“, mit dem ich erst viel später richtig warm geworden bin. Dann habe ich es lange Zeit, eigentlich bis heute, ziemlich vernachlässigt, weil ich inzwischen sowohl Vorgänger als auch Nachfolger klar besser und spannender fand. Heute habe ich es fast ein wenig wiederentdeckt, wobei ich nach „Faihless“ einen kleinen Bruch feststellte, der mir so bisher nicht aufgefallen ist,. Zwar sind „Good News First“ und vor allem „Malignant Nercissism“ nochmal richtig spitze, aber die ersten neun Lieder packen mich mit Ausnahme von „Where the Wind Blows“ irgendwie noch mehr und der Teil des Albums wirkt auch in sich geschlossener. Der Rest wirkt fast wie ein Bonus. Das kann Einbildung sein, aber bemerkenswert fand ich auch, dass der sehr ausführliche Wikipedia-Artikel zu „Snakes and Arrows“ über sämtliche Songs nach „Faithless“ mit Ausnahme von „Malignant Narcissism“ kein einziges Wort verliert, zu den anderen Liedern gibt es aber zum Teil recht umfassende Infos. Merkwürdig.
Insgesamt ist das Album auf jeden Fall besser, als ich es in Erinnerung hatte, vermutlich wäre es um zwei Stücke („Wind“ und „Face“) gekürzt sogar noch besser.

Damit endet mein Teil des Rush-Threads, für „Clockwork Angels“ darf Costa nochmal ran. Er hat ja jetzt Zeit :D - Ich bedanke mich fürs Lesen und Diskutieren in den *nachguck* FUCKING HELL! - fast sechs Jahren, seit wir diesen Thread begonnen haben. :-)



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Far Cry (Live 2007) The Main Monkey Business (Live 2007) Spindrift (Live 2007)
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Snakes & Arrows")

Beitrag von Doctor_Wasdenn »

Tolles Review!

Snakes and Arrows war das erste Rush-Album, dass ich bei erscheinen kennen gelernt habe. Hatte mich vorher in die Sachen aus den 70ern verliebt und war bei den 80er-Sachen eher skeptisch, wegen dem massiven Keyboard-Einsatz. War dann froh, dass die inzwischen der Vergangenheit angehörten. Die Sachen ab Presto habe, ich glaube ich, erst anschließend kennen gelernt. Starkes Album, wie ich finde, und das nach einer schon recht langen Karriere.
Zuletzt geändert von Doctor_Wasdenn am 25.12.2007 17:11, insgesamt 154-mal geändert.

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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Snakes & Arrows")

Beitrag von acore »

Zu dem Album habe ich eine ganz besondere Beziehung. Die Vorabsingle "Far Cry" kam heraus, als meine Frau hochschwanger mit unserem ersten Sohn war. Im Kreissaal konnten wir unsere eigene Musik mitbringen und das Lied lief in Dauerschleife. Im Endeffekt wurde es dann doch noch ein Kaiserschnitt ohne musikalischer Begleitung durch Rush, aber dennoch werde ich "Snakes & Arrows" und speziell "Far Cry" bis an mein Lebensende mit der Geburt unseres Sohnes in Verbindung bringen.

So wie ich die ersten Wochen nach der Geburt von Sohn Nr. 2 beim Fläschchengeben ständig versucht habe, mir Maidens "Final Frontier" schönzuhören, was eher nicht gelungen ist. Dennoch habe ich jetzt immer beim Anhören des Albums das Bild vom Sohn, wie ich ihm das Fläschchen gebe, im Kopf. Aber das ist ja der Rush-Thread :D .
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Snakes & Arrows")

Beitrag von MetalEschi »

Ich mag Snakes & Arrows sehr, wahrscheinlich ist es tatsächlich mein Favorit der drei letzten. Die Lockerheit, die hier rüberkommt, ist unvergleichlich.
Sie lasen: Qualitätsposting von MetalEschi (c)2020
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Snakes & Arrows")

Beitrag von guitar-fiend »

Ein wenig Offtopic aber ich möchte euch herzlichst den Podcast "Something for nothing" empfehlen!

Zwei Endvierziger aus New Jersey diskutieren in sympathischer Weise über alles aus dem Rush Universum.
Herzstück sind die Episoden, in denen ein Album Song für Song seziert wird, aber es gibt auch sehr interessante
Interviews aus dem Umfeld. Teilweise mit Leuten, die wirklich nah an Rush dran waren (z.B. Lichtmann Howard Ungerleider)
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Snakes & Arrows")

Beitrag von costaweidner »

Sehr, sehr schönes Review für deinen Feierabend im Thread. *g*

Das Album müsste ich eigentlich mal wieder hören, ich hab da außer 'Far Cry' und 'Workin' Them Angels' gar nix so richtig im Kopf. Was ich aber hundertpro unterschreiben würde, ist die Formulierung "Gelöstheit" um die Stimmung des Albums zu beschreiben, das ist wirklich so das erste Gefühl, was bei mir aufkommt wenn ich an das Album oder auch die Live-Versionen der Songs davon denke.
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Snakes & Arrows")

Beitrag von metalbart »

Du hättest natürlich auch jeden Monat einen Song posten können, dann wär das Ding hier auch bis 2023 sicher :D
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Porcupine
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Snakes & Arrows")

Beitrag von Porcupine »

Wunderbares Review. Unglaublich, wieviele Infos man hier bekommt, die zumindest mir noch überhaupt nicht bekannt waren. Hier lernt man ja richtig was. :)

Zum Album: Für mich war Snakes And Arrows von Anfang an eine kleine Enttäuschung, was sich bis heute nicht geändert hat. Und das liegt tatsächlich an der zurückhaltenden, ruhigen Art, die die allermeisten Songs prägt. Der Auftakt mit Far Cry ist natürlich grandios und die beiden Songs danach sind auch klasse. Und alle drei Instrumentals sind absolute Albumhighlights. Aber Spindrift und vor allem The Way The wind Blows finde ich derbe langweilig. Also so richtig. Und Songs wie Faithless und Bravest Face sind halt irgendwie nett, ziehen die Wurst aber auch nicht vom Teller. Dadurch hängt das Album im zweiten Drittel trotz der Instrumental-Aufhellungen schon sehr arg durch, bevor es gegen Ende wieder besser wird.

Jetzt hab ich aber doch wieder Bock, mir das nochmal anzuhören. Der letzte Durchlauf ist schon ewig her.
TheRiverDragon
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Snakes & Arrows")

Beitrag von TheRiverDragon »

Es freut mich, dass es hier weitergeht. Tolles Review. "Snakes and Arrows" sehe ich ähnlich wie MetalEschi. Für mich ist "Snakes And Arrows" sogar die beste Rush seit der "Roll The Bones".
Jedenfalls ist "Snakes And Arrows" ein Album, dass sicher noch oft von vielen wiederentdeckt wird und in 10 oder 20 Jahren im Vergleich zur übrigen Discografie höher eingeschätzt werden wird als nach der Veröffentlichung.
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Apparition
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Re: Living on a lighted stage... - Rush für die Massen (neu: "Snakes & Arrows")

Beitrag von Apparition »

Ich höre dieses Album sehr selten, wahrscheinlich, weil es mir auf Dauer einfach zu entspannt ist. Eigentlich schade, weil mit "Working them Angels", "Far Cry" und "Faithless" mindestens drei Songs drauf sind, die ich niemals missen wollte. Vor allem "Faithless" ist als es rauskam ganz wichtig gewesen und ist es immer noch. Bei den anderen habe ich mitunter etwas Schwierigkeiten, mich richtig zu erinnern. Eventuell fehlt mir etwas das auf und ab, das andere Rush-Alben ausmacht. Ich muss es mal wieder hören, ich fand nämlich immer, dass es trotz seiner entspannten Stimmung ein Geheimtipp ist.
Als Westernheld muss ich Ihnen sagen, hier ist man nicht ordinär, sondern in Lebensgefahr.
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