Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

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oger
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von oger »

So wirklich vorhersagen was passieren wird, kann vermutlich keiner.

Sichere Konsequenz wird ein Herunterstufen der amerikanischen Staatsanleihen durch die Rating-Agenturen sein. Das führt dazu, dass die USA neue Schulden nur gegen deultich höhere Zinsen als bisher aufnehmen können, wodurch sich die Situtation weiter verschärft.

Die alten Staatsanleihen verlieren an Wert (siehe Griechenland). Auch Deutsche Banken haben US-Staatsanleihen in beträchtlicher Höhe im Bestand. Im Extremfall könnte dadurch unser Bankensystem erneut ins Schlingern geraten und die Möglichkeiten, den Brand mit staatlichen Mitteln zu löschen, sind seit der Finanzkrise nicht eben größer geworden.

Sollte sich das Ganze weiter auf die Realwirtschaft durchschlagen - was es jetzt schon tut, da die Amerikaner sich aufgrund der drohenden Krise beim Konsum stark zurückhalten - werden unsere Exporte an Autos, Maschinen usw in die USA zurückgehen, was sich hier wiederum auf Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum auswirken wird. Andere europische Staaten und vor allem die Chinesen würde das ebenfalls treffen.

Außerdem wird eine US-Staatspleite den Wert des Dollars nochmal massiv drücken, was sich zusätzlich auf unsere Exporte negativ auswirken wird, weil sie in den USA dadurch verteuert werden.


Es gibt ürigens schon einen Notfallplan. Die US-Regierung würde im August die anstehenden Zinsverpflichtungen begleichen, aber Pensionen und Sozialleistungen verschieben. Immer auf die Kleinen.

Alles in allem sieht das - egal wie die anstehende Abstimmung ausgeht - nach planloser Flickschusterei aus. Ein wirkliches Konzept, die Probleme zu lösen, hat scheinbar keine der Parteien und auch die amerikanische Zentralbank warnt nur noch, das das schlimm ausgehen könnte.

Wenn man dabei noch bedenkt, dass der Anteil der USA am Welt-BIP immer weiter zurückgeht, große Teile der US-Wirtschaft dem Rest der Welt hoffnungslos hinterherhinken und die private Überschuldung immer schlimmer wird, während die Sparquote kaum noch existent ist....

Das klingt ja so ein bisschen pathetisch, aber ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass wir da gerade den Anfang vom Ende einer Weltmacht miterleben.
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borsti
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von borsti »

oger hat geschrieben: Das klingt ja so ein bisschen pathetisch, aber ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass wir da gerade den Anfang vom Ende eines Weltreiches miterleben.
Da sind wir doch schon längst mittendrin. Die USA agieren seit Jahren ganz langsam aber doch merklich immer mehr wie ein angeschlagener Riese. Das ist eine gefährliche Entwicklung, weil ein verwundetes Tier dazu neigen kann, panisch um sich zu schlagen.
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sprity
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von sprity »

Ich habe das die letzte Zeit gar nicht so richtig verfolgt, außer über den humoristischen Weg von Daily Show und Colbert Report. Als ich dann aber heute im Auto AFN - The Eagle gehört hatte, ist mir die Lage erst so richtig bewusst geworden, als da ein Bericht kam, wo Soldaten irgendein höheres Tier beim Militär gefragt haben ob sie ihr nächstes Gehalt noch bekommen und der nur drauf antwortete, dass er das auch nicht wüsste.
Zuletzt geändert von sprity am 30.07.2011 15:22, insgesamt 1-mal geändert.
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infected
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von infected »

oger hat geschrieben:So wirklich vorhersagen was passieren wird, kann vermutlich keiner.

Sichere Konsequenz wird ein Herunterstufen der amerikanischen Staatsanleihen durch die Rating-Agenturen sein. Das führt dazu, dass die USA neue Schulden nur gegen deultich höhere Zinsen als bisher aufnehmen können, wodurch sich die Situtation weiter verschärft.

Die alten Staatsanleihen verlieren an Wert (siehe Griechenland). Auch Deutsche Banken haben US-Staatsanleihen in beträchtlicher Höhe im Bestand. Im Extremfall könnte dadurch unser Bankensystem erneut ins Schlingern geraten und die Möglichkeiten, den Brand mit staatlichen Mitteln zu löschen, sind seit der Finanzkrise nicht eben größer geworden.

Sollte sich das Ganze weiter auf die Realwirtschaft durchschlagen - was es jetzt schon tut, da die Amerikaner sich aufgrund der drohenden Krise beim Konsum stark zurückhalten - werden unsere Exporte an Autos, Maschinen usw in die USA zurückgehen, was sich hier wiederum auf Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum auswirken wird. Andere europische Staaten und vor allem die Chinesen würde das ebenfalls treffen.

Außerdem wird eine US-Staatspleite den Wert des Dollars nochmal massiv drücken, was sich zusätzlich auf unsere Exporte negativ auswirken wird, weil sie in den USA dadurch verteuert werden.


Es gibt ürigens schon einen Notfallplan. Die US-Regierung würde im August die anstehenden Zinsverpflichtungen begleichen, aber Pensionen und Sozialleistungen verschieben. Immer auf die Kleinen.

Alles in allem sieht das - egal wie die anstehende Abstimmung ausgeht - nach planloser Flickschusterei aus. Ein wirkliches Konzept, die Probleme zu lösen, hat scheinbar keine der Parteien und auch die amerikanische Zentralbank warnt nur noch, das das schlimm ausgehen könnte.

Wenn man dabei noch bedenkt, dass der Anteil der USA am Welt-BIP immer weiter zurückgeht, große Teile der US-Wirtschaft dem Rest der Welt hoffnungslos hinterherhinken und die private Überschuldung immer schlimmer wird, während die Sparquote kaum noch existent ist....

Das klingt ja so ein bisschen pathetisch, aber ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass wir da gerade den Anfang vom Ende einer Weltmacht miterleben.
Durchaus möglich.
Was auch noch durchaus möglich wäre (und auch in einigen Kommentaren erwähnt wurde), dass es wohl auch die Republikanische Partei aufgrund der Spannungen innerhalb der Partei zerreissen könnte.
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NegatroN
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von NegatroN »

ReplicaOfLife hat geschrieben:Es ist mir echt unbegreiflich, wie man sich mit derartig weit hergeholter Propaganda, wie die sie betreiben, ein derartiges Following aufbauen kann. Ich mein, vor 20 Jahren standen solche Leute mit selbstgemalten Schildern vor Abtreibungskliniken oder bei Kiss-Konzerten vor der Halle und wurden von keinem Ernst genommen, heutzutage scheinen sie eine sehr ernstzunehmende Kraft in der republikanischen Partei zu sein. Und bei deren 'God bless America & fuck all the rest"-Attitüde wird einem echt anders.

Die USA scheinen in den letzten 10 Jahren in eine Spirale geraten zu sein (gedrängt worden zu sein?), die immer weiter Richtung Hetze gegen alles Fremde, Angst vor allem, was anders ist und bedingungsloses Verschliessen der Augen vor handfesten, sachlichen, aber unbequemen Argumenten führt. Gehört wird, wer am lautesten schreit, nicht, wer die Wahrheit spricht. Das kann nicht mehr lange gut gehen.

Und was nächste Woche passieren sollte, sollte es wirklich zum Staatsbankrott, mag ich mir nicht ausmalen. Kann mir da so ziemlich jedes Szenario zwischen bürgerkriegähnlichen Zuständen und weitestgehend Business as Usual vorstellen.
Ich will das hier jetzt nicht zu einer Religionsdebatte machen, aber IMO gibt es schon einen sehr klaren Zusammenhang zwischen dieser Bewegung und der extremen Religiosität ihrer Anhänger. Die bringt es mit sich, dass Logik und rationales Verhalten komplett ausgeblendet werden, solange man ihnen nur vermittelt, dass man auf Gottes Seite steht.

Es sind die gleichen Leute, die den Präsidenten wegen seiner Gottesfürchtigkeit wählen, die die Bibel für wahr halten und Wissenschaft ablehnen. Das ist genau das Denken, das solchen Wahnsinn möglich macht.
And we are bored of the fireworks
We want to see the fire
We're long past being careful
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MetalManni
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von MetalManni »

Vielleicht sollte man dann im Umkehrschluss lieber chinesische Staatsanleihen kaufen...
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Diewaldo
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von Diewaldo »

infected hat geschrieben: Durchaus möglich.
Was auch noch durchaus möglich wäre (und auch in einigen Kommentaren erwähnt wurde), dass es wohl auch die Republikanische Partei aufgrund der Spannungen innerhalb der Partei zerreissen könnte.
Wenn man sich momentan die Website von der Tea Party anguckt, dann kann man tatsächlich den Eindruck bekommen.

http://www.teapartypatriots.org/
This is no longer about Democrats or Republicans. This is about the future of America. The current crop of politicians have ZERO credibility when it comes to promising to cut spending. Their political careers are more important than their service to their country and those they represent.

DON'T THEY GET IT?? WE DON'T TRUST THEM!
They have NEVER lived up to their promises of cutting spending, and we don't expect them to do it now.

The President has abdicated his role completely in leading this country and he is focused solely on his reelection campaign.

The Democrats in Congress are playing political games, desperately trying to maintain the bloated and unsustainable size of government, while trying to help the President get reelected.

Republican Leadership is avoiding responsibility, trying to convince the American people with their rhetoric that THIS time we can trust them, while their actions lead us down the same path that the Democrats would like to take us.
Kann man eine Laute eigentlich auch leise spielen?
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tigerarmy
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von tigerarmy »

Der Bundesstaat Minnesota ist ja bereits seit Anfang des Monats pleite.
Allerdings scheint es noch einen halbwegs geordneten Tagesablauf zu geben.

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Minnesota ... 62951.html

Die Frage ist aber auch hier, wie soll sich denn die Situation überhaupt wieder zum Besseren wenden. Und was die Pleite für die gesamte USA heißen würde, kann man sich ja in der Tat noch gar nicht ausmalen.
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Mayhem
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von Mayhem »

Tolpan hat geschrieben:Besteht eigentlich die Möglichkeit, dass sich die Tea Party mal komplett von den Republikanern abspaltet oder liegt das außerhalb des Möglichen?

Wenn jetzt die linken Republikaner mit den Demokraten stimmen würden, könnte das zu einem Riss führen?
Ist wohl eher unwahrscheinlich. In den USA gibt es sowas wie Parteidisziplin grundsätzlich so gut wie gar nicht oder zumindest ist sie wesentlich schwächer ausgeprägt als z.B. in Deutschland oder v.a. England. Ein eigenwilliges Abstimmungsverhalten wird dementsprechend - auch innerparteilich - nicht als politisches Stigmata sondern eher als überzeugtes Eintreten für die eigenen Ansichten behandelt und auch parteiinterne Auseinandersetzungen haben einen anderen Stellenwert.
Zudem dürften sich auch die TP darüber im klaren sein, dass es so gut wie unmöglich ist in einem dermaßen eingeschliffenem Zwei-Partein-System 'ne dritte Partei zu etablieren, selbst wenn sie aktuell populäre Meinungen vertritt.
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oger
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von oger »

tigerarmy hat geschrieben:Der Bundesstaat Minnesota ist ja bereits seit Anfang des Monats pleite.
Allerdings scheint es noch einen halbwegs geordneten Tagesablauf zu geben.

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Minnesota ... 62951.html

Das hört sich nicht direkt nach geordnetem Tagesablauf an:
Mehr als 20.000 der 36.000 Staatsbediensteten sind im Zwangsurlaub, die Nationalparks des Bundesstaates sind in der Hochsaison geschlossen und Dutzende Straßenbauprojekte sind gestoppt worden.
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von tigerarmy »

oger hat geschrieben:
tigerarmy hat geschrieben:Der Bundesstaat Minnesota ist ja bereits seit Anfang des Monats pleite.
Allerdings scheint es noch einen halbwegs geordneten Tagesablauf zu geben.

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Minnesota ... 62951.html

Das hört sich nicht direkt nach geordnetem Tagesablauf an:
Mehr als 20.000 der 36.000 Staatsbediensteten sind im Zwangsurlaub, die Nationalparks des Bundesstaates sind in der Hochsaison geschlossen und Dutzende Straßenbauprojekte sind gestoppt worden.
natürlich nicht in dem Sinne, das wirklich alles seinen geordneten Gang geht...aber zumindest bricht nicht das komplette öffentliche Leben zusammen. Bislang wurden auch keine Plünderungen o.ä. gemeldet (was ja in solchen Situationen oft vorkommt).

Ich möchte auch nicht dran denken, was z.Bsp. in Frankreich in so einer Situation los wäre :D Die würden sich bestimmt nicht einfach abends mit Fastfood vor den Fernseher setzen und den Dingen ihren Lauf lassen...
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oger
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von oger »

Stimmt, genau deswegen haben sich die konservativen Amerikaner ja auch die Franzosen als Lieblings-Feindbild ausgesucht. *g*
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Dew-Scented-Busch
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von Dew-Scented-Busch »

Einen Staatsbankrott abzuwenden, indem man die Grenze für diesen Bankrott erhöht, halte ich ja schon irgendwie für einen Geniestreich.
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costaweidner
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von costaweidner »

Dew-Scented-Busch hat geschrieben:Einen Staatsbankrott abzuwenden, indem man die Grenze für diesen Bankrott erhöht, halte ich ja schon irgendwie für einen Geniestreich.
Genau das hab ich mir auch gedacht...
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powercreation
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Re: Die USA werden uns noch viel Freude bereiten

Beitrag von powercreation »

Dew-Scented-Busch hat geschrieben:Einen Staatsbankrott abzuwenden, indem man die Grenze für diesen Bankrott erhöht, halte ich ja schon irgendwie für einen Geniestreich.
Das ist doch nur eine Formalität. In der Wikipedia steht dazu: "Diese Schuldengrenze wurde regelmäßig vom Kongress angehoben, in den vergangenen 50 Jahren in 77 Fällen,[2] zuletzt am 12. Februar 2010 von 12,4 Billionen auf 14,3 Billionen US-Dollar (etwa 97 % des BIP)." Da wurden einst schöne Worte in die Verfassung geschrieben, die auch ihren Sinn haben. Aber sobald die Verfassung unbequem zu werden droht, bessert man nach. Wir haben seit kurzem auch eine Schuldenbremse in der Verfassung stehen und auch bei uns ist es nur eine Frage der Zeit bis sie abgeschwächt oder ganz gestrichen wird.
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