Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon Thunderforce » 19.07.2018 09:41

JudasRising hat geschrieben:
NegatroN hat geschrieben:Was aber auch richtig ist, ist dass die klassischen Medien sterben. Dass der ÖR bei den neuen Medien eine vergleichbare Rolle spielen wird, kann ich mir nur schwer vorstellen. Aktuell tut er es definitiv nicht. Das wird die Gebühr dann tatsächlich langfristig in Frage stellen, denn für ein Nischenangebot wäre sie nur schwer zu rechtfertigen. Dahin geht die Reise aber aktuell. Wenn der ÖR das abwenden will, muss er sich dramatisch verändern und da bin ich - wie bei vielen anderen alten Unternehmen - sehr skeptisch.


Exakt.
Für mich ist das längst ein Nischenprodukt, ich nutze vielleicht 5 % des Angebots mehr oder weniger regelmäßig: Ab und zu ne Doku/Report, nach Feierabend die Nashörner, hin und wieder ein Film auf Arte und auf ONE die Lindenstraße, das war's eigentlich. Und das kriege ich so ziemlich alles auch woanders.


Ich nutze es auch nicht bzw. nur zu einem Anteil, der deutlich unter 1% liegen dürfte, trotzdem finde ich wichtig und gut, dass es da ist.
Ich zahle auch 10 Euro oder wat an Netflix und nutze nur wenig von dem, was man da sehen kann. Und die 40 Millionen Spotify-Lieder, die ich für meine 10 Euro kriege, hab ich auch noch längst nicht durch *g*
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon Thunderforce » 19.07.2018 09:45

Und, um nochmal mit dem Steuervergleich zu kommen:

Ich nutze auch keine Schulen, auf die andere Leute ihre Kinder schicken, und für die ich Steuern zahle.
Ich nutze Gott sei Dank auch nichtmal ansatzweise das Gesundheitssystem so wie andere Leute, die sich jede WOche ne Spritze setzen müssen, die 2000 Euro kostet oder ähnliches. Trotzdem zahl ich den gleichen Beitrag wie die.
Dafür fahre ich die Straßen mehr kaputt, als jemand, der mit dem Fahrrad oder Straßenbahn zur Arbeit fahren kann.

Warum sich ausgerechent beim Rundfunk in schöner Regelmäßigkeit darüber (also die vermeintliche Ungerechtigkeit) so angewichst wird, verstehe ich irgendwie nicht.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon Tolpan » 19.07.2018 09:50

Thunderforce hat geschrieben:Beim ÖR läuft sicherlich vieles verkehrt, ich verstehe zum Beispiel nach wie vor nicht, warum man mit ARD und ZDF zur Fußball WM fahren muss und dort zig Leute beschäftigen muss, die davon berichten und da eben involviert sind.

Zugleich belustigt und besorgt beobachte ich auch den immer mehr Richtung RTL/Pro 7 abkippenden Infotainment-Schwachsinn eines Fernsehsenders wie der WDR. Mit versteckter Kamera Handwerker filmen, Grillwürstchen testen, Tiefkühlfraß vergleichen und ähnliches, was da regelmäßig im Vorabend-Programm läuft.

Das jetzige Modell ist sicherlich nicht ideal. ABer wenn man sieht, was für Idioten in den Netzwerken alle so ins "Zwangsgebühren und Staatsfernsehen abschaffen" Horn tuten, allein das reicht doch als Beweis, dass der ÖR inkl. Beitrag wichtig und richtig ist.

Sie sind ja dieses Mal gar nicht nach Russland gefahren, sondern hatten das Studio in Deutschland.

Aber da bin ich auch grundsätzlich offen: Haben die Öffis für Unterhaltung zu sorgen oder ist Unterhaltung etwas, für das man bezahlen muss (monetär/Werbung ertragen)?

Ich sehe da die Gewichtung ganz klar auf Information und erst in 2. Linie auf Unterhaltung.

XXX Millionen für die BuLi-Rechte? Müssen IMHO absolut nicht sein und sind nicht zu rechtfertigen. Wer live sehen will, soll ins Stadion/in die Kneipe gehen oder Sky bezahlen. Da fehlt es deutlich an der Kosten/Nutzen-Relation. Und wenn man sagt, Fußball gehört zur deutschen Leitkultur (*g*) und damit ins öffentliche Fernsehen, dann halt 3. Liga übertragen für weit weniger Geld.

Und wie sieht es mit Pilcher/Tatort/Traumschiff und Co. aus?

Könnte man IMHO ebenfalls reduzieren (abschaffen dürfte wohl zur Revolution führen...*g*).
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon infected » 19.07.2018 09:50

Thunderforce hat geschrieben:Ich kann mir nicht vorstellen, dass Radio und TV auf absehbare Zeit verschwinden.
Nicht so lange es noch eine Generation gibt, die jetzt 50+ ist, die damit aufgewachsen ist.
Tagszeitungen verschwinden doch auch nicht. Oder Vinyl. *g*

Ich meine, erst neulich eine Meldung gesehen zu haben, dass WDR2 und SWR3 neue Zuhörer-Rekorde vermeldet haben.

Beim ÖR läuft sicherlich vieles verkehrt, ich verstehe zum Beispiel nach wie vor nicht, warum man mit ARD und ZDF zur Fußball WM fahren muss und dort zig Leute beschäftigen muss, die davon berichten und da eben involviert sind.

Zugleich belustigt und besorgt beobachte ich auch den immer mehr Richtung RTL/Pro 7 abkippenden Infotainment-Schwachsinn eines Fernsehsenders wie der WDR. Mit versteckter Kamera Handwerker filmen, Grillwürstchen testen, Tiefkühlfraß vergleichen und ähnliches, was da regelmäßig im Vorabend-Programm läuft.

Das jetzige Modell ist sicherlich nicht ideal. ABer wenn man sieht, was für Idioten in den Netzwerken alle so ins "Zwangsgebühren und Staatsfernsehen abschaffen" Horn tuten, allein das reicht doch als Beweis, dass der ÖR inkl. Beitrag wichtig und richtig ist.


Thunderforce hat geschrieben:Und, um nochmal mit dem Steuervergleich zu kommen:

Ich nutze auch keine Schulen, auf die andere Leute ihre Kinder schicken, und für die ich Steuern zahle.
Ich nutze Gott sei Dank auch nichtmal ansatzweise das Gesundheitssystem so wie andere Leute, die sich jede WOche ne Spritze setzen müssen, die 2000 Euro kostet oder ähnliches. Trotzdem zahl ich den gleichen Beitrag wie die.
Dafür fahre ich die Straßen mehr kaputt, als jemand, der mit dem Fahrrad oder Straßenbahn zur Arbeit fahren kann.

Warum sich ausgerechent beim Rundfunk in schöner Regelmäßigkeit darüber (also die vermeintliche Ungerechtigkeit) so angewichst wird, verstehe ich irgendwie nicht.


Thunderforce hat geschrieben:
JudasRising hat geschrieben:
NegatroN hat geschrieben:Was aber auch richtig ist, ist dass die klassischen Medien sterben. Dass der ÖR bei den neuen Medien eine vergleichbare Rolle spielen wird, kann ich mir nur schwer vorstellen. Aktuell tut er es definitiv nicht. Das wird die Gebühr dann tatsächlich langfristig in Frage stellen, denn für ein Nischenangebot wäre sie nur schwer zu rechtfertigen. Dahin geht die Reise aber aktuell. Wenn der ÖR das abwenden will, muss er sich dramatisch verändern und da bin ich - wie bei vielen anderen alten Unternehmen - sehr skeptisch.


Exakt.
Für mich ist das längst ein Nischenprodukt, ich nutze vielleicht 5 % des Angebots mehr oder weniger regelmäßig: Ab und zu ne Doku/Report, nach Feierabend die Nashörner, hin und wieder ein Film auf Arte und auf ONE die Lindenstraße, das war's eigentlich. Und das kriege ich so ziemlich alles auch woanders.


Ich nutze es auch nicht bzw. nur zu einem Anteil, der deutlich unter 1% liegen dürfte, trotzdem finde ich wichtig und gut, dass es da ist.
Ich zahle auch 10 Euro oder wat an Netflix und nutze nur wenig von dem, was man da sehen kann. Und die 40 Millionen Spotify-Lieder, die ich für meine 10 Euro kriege, hab ich auch noch längst nicht durch *g*


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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon Thunderforce » 19.07.2018 09:56

Tolpan hat geschrieben:Sie sind ja dieses Mal gar nicht nach Russland gefahren, sondern hatten das Studio in Deutschland.



Ah okay, das wusste ich nicht. Dann nehm ich den Punkt zurück.

Was BuLi und so weiter angeht, da kenne ich mich zu wenig aus. Ich dachte, das läuft ohnehin nur noch im Bezahlfernsehen, zumindest live.


Pilcher, Traumschiff, Tatort interessiert mich alles nicht und könnte darum wegen mir weg :D
Aber genau diese Denke ist ja verkehrt. Andere Leute interessiert dafür ne Live-Übertragung von Rock am Ring nicht, oder eine schöne Doku, meinetwegen auch eine von der BBC zugekaufte.

Letztlich müssen die Verhältnismäßigkeiten stimmen. Ich will lieber nicht wissen, was für SUmmen früher eine Show wie Wetten Dass verschlungen hat, damit da Leute wie Michael Jackson (natürlich ein Extmbeispiel, aber da waren ja schon in jeder Folge hochkarätige Leute) ein Lied Playback performen oder Graupen wie Til Schweiger ihren neuen Film vorstellen.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon Tolpan » 19.07.2018 10:29

Thunderforce hat geschrieben:Was BuLi und so weiter angeht, da kenne ich mich zu wenig aus. Ich dachte, das läuft ohnehin nur noch im Bezahlfernsehen, zumindest live

Naja, 1. und 2. Liga erhalten pro Jahr mittlerweile mehr als 1 Milliarde an TV-Geldern:

http://www.fernsehgelder.de/

Der Großteil kommt vom Bezahlfernsehen, aber die Öffis zahlen IMHO auch dreistellige Millionen. Aktuelle Zahlen habe ich ad hoc nicht gefunden.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon Rivers » 19.07.2018 10:44

Thunderforce hat geschrieben:Warum sich ausgerechent beim Rundfunk in schöner Regelmäßigkeit darüber (also die vermeintliche Ungerechtigkeit) so angewichst wird, verstehe ich irgendwie nicht.


Weil, wie Schnabel schrieb, die Methode scheiße war und immer noch komisch ist. Weil das Programm genauso manipulativ und sedierend ist wie viele andere auch und immer noch zu wenig dagegen gemacht wird. Weil es Alternativen gibt, die genauso gut funktionieren. Dummerweise wird das Thema gerade von den Rechten okkupiert, daher wichsen da momentan besonders viele herum.

An den teuren Nahverkehrstickets maulen die Leute ja auch rum. Und Straßen und Baustellen sowieso. *g*
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon Rotorhead » 19.07.2018 10:44

Thunderforce hat geschrieben:Ich will lieber nicht wissen, was für SUmmen früher eine Show wie Wetten Dass verschlungen hat, damit da Leute wie Michael Jackson (natürlich ein Extmbeispiel, aber da waren ja schon in jeder Folge hochkarätige Leute) ein Lied Playback performen oder Graupen wie Til Schweiger ihren neuen Film vorstellen.



Ich denke nicht, dass man den Leuten Geld zahlen musste für die Auftritte. Da haben ja per se nur Leute abgehangen, die ne neue Platte oder Film oder Buch zu promoten hatten. So wie bei Raab halt. Jede halbwegs intelligente Plattenfirma hat auf Biegen und brechen versucht, ihre Leute da irgendwie zu platzieren.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon Tolpan » 19.07.2018 10:53

Rivers hat geschrieben:das Programm genauso manipulativ

Beispiele?
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon infected » 19.07.2018 10:57

Rivers hat geschrieben:
Thunderforce hat geschrieben:Warum sich ausgerechent beim Rundfunk in schöner Regelmäßigkeit darüber (also die vermeintliche Ungerechtigkeit) so angewichst wird, verstehe ich irgendwie nicht.

(...)Weil das Programm genauso manipulativ und sedierend ist wie viele andere auch und immer noch zu wenig dagegen gemacht wird. Weil es Alternativen gibt, die genauso gut funktionieren.(...)

Das würde mich aber auch interessieren, sowohl, was da manipulativ ist, als auch die gut funktionierenden Alternativen.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon NegatroN » 19.07.2018 11:02

Thunderforce hat geschrieben:Ich kann mir nicht vorstellen, dass Radio und TV auf absehbare Zeit verschwinden.
Nicht so lange es noch eine Generation gibt, die jetzt 50+ ist, die damit aufgewachsen ist.
Tagszeitungen verschwinden doch auch nicht. Oder Vinyl. *g*


Nicht verschwinden. Aber die Rolle als zentrales Medium wird verloren gehen und der Markt wird da deutlich schrumpfen. Sowohl das Angebot wie auch die Zahl der Sender.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon waltersobchak » 19.07.2018 12:28

NegatroN hat geschrieben:
waltersobchak hat geschrieben:Das Parlament entscheidet auch über die Verwendung von Steuern für die Justiz. Trotzdem kommt doch niemand auf die Idee, dass unsere Justiz
nicht unabhängig wäre.


Aber diese Finanzierung hat doch keine inhaltlichen Auswirkungen. Richter sind Beamte (und damit sowohl unkündbar wie auch mit festgesetztem Sold) und ein Verfahren hängt nicht davon ab, wieviel Geld einem Gericht zur Verfügung steht.

Das sind völlig andere Rahmenbedingungen als bei Angestelltenverhältnissen und Inhalten, die alle komplett von Geld abhängig sind.



Wer sagt denn, dass es inhaltliche Auswirkungen bei den Öfis hätte? Es handelt sich nicht um Beamte aber um Angestellte des öffentlichen Dienstes.
"Ein Verfahren hängt nicht davon ab, wieviel Geld einem Gericht zur Verfügung steht". Wer sagt denn, dass eine kritische Berichterstattung davon abhänge, wieviel Geld einem Sender zur Verfügung steht?

"Das sind völlig andere Rahmenbedingungen als bei Angestelltenverhältnissen und Inhalten, die alle komplett von Geld abhängig sind."
Das ist ein ganz schöner Tritt in Richung aller kritischer Journalisten bei den Öfis.
Und vor allem in der Konsequenz auch schwierig:
Wenn diese Rahmenbedingungen und Inhalte alle vom Geld abhängig sind (wie du schreibst), dann muss man sich zwangsläufig die Frage
stellen, was einem lieber ist: Wer steuert die Vergabe diese Geldes? Der Staat oder ein privates Unternehmen?
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon Leviathane » 19.07.2018 12:31

Thunderforce hat geschrieben:Und, um nochmal mit dem Steuervergleich zu kommen:

Ich nutze auch keine Schulen, auf die andere Leute ihre Kinder schicken, und für die ich Steuern zahle.
Ich nutze Gott sei Dank auch nichtmal ansatzweise das Gesundheitssystem so wie andere Leute, die sich jede WOche ne Spritze setzen müssen, die 2000 Euro kostet oder ähnliches. Trotzdem zahl ich den gleichen Beitrag wie die.
Dafür fahre ich die Straßen mehr kaputt, als jemand, der mit dem Fahrrad oder Straßenbahn zur Arbeit fahren kann.

Warum sich ausgerechent beim Rundfunk in schöner Regelmäßigkeit darüber (also die vermeintliche Ungerechtigkeit) so angewichst wird, verstehe ich irgendwie nicht.


Sehe ich ganz genauso und ich gucke wirklich nur 1x die Woche Lindenstrasse und höre morgens auf WDR2 die Verkehrsnachrichten. Trotzdem finde ich es super und absolut sinnvoll, das es dieses Angebot gibt. Ob es jetzt diese epische Sendervielfalt braucht, steht dann wieder auf einem anderen Blatt.

TV wird vermutlich eh über die Zeitschiene weniger werden, aber Radio werden die Leute immer hören, denn auch wenn das Publikum jünger wird, werden die nicht aufhören Autos zu fahren oder zu arbeiten, wo man ja klassisch doch eher Radio hört.

Und was Fußball und Traumschiff angeht - das ist ja doch mit den Einschaltquoten zu erklären, denke ich. Wenn es das nicht mehr geben würde, wäre die allgemeine Akzeptanz auch noch weniger vorhanden.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon infected » 19.07.2018 12:44

waltersobchak hat geschrieben:
NegatroN hat geschrieben:
waltersobchak hat geschrieben:Das Parlament entscheidet auch über die Verwendung von Steuern für die Justiz. Trotzdem kommt doch niemand auf die Idee, dass unsere Justiz
nicht unabhängig wäre.


Aber diese Finanzierung hat doch keine inhaltlichen Auswirkungen. Richter sind Beamte (und damit sowohl unkündbar wie auch mit festgesetztem Sold) und ein Verfahren hängt nicht davon ab, wieviel Geld einem Gericht zur Verfügung steht.

Das sind völlig andere Rahmenbedingungen als bei Angestelltenverhältnissen und Inhalten, die alle komplett von Geld abhängig sind.

(...) Wer sagt denn, dass eine kritische Berichterstattung davon abhänge, wieviel Geld einem Sender zur Verfügung steht?
(...)

Ganz einfach, du brauchst dafür einen gewissen Apparat drumherum für Recherche. Aufbereitung, usw. und der kostet nun einmal (und das nicht in einem unerheblichen Maß). Je mehr gespart wird, desto mehr Stellen fallen dann auch in dem Bereich, um so weniger eigene Beiträge gibt es, um so mehr Agentur-Beiträge. Es hat schon seinen Grund warum z.B. auch Zeitungen zunehmend gleichförmiger werden.
Das ganze Konstrukt mit der Beitragserhebung ist so staatsfern angelegt, das ist gut so und soll auch so bleiben. Und die weiteren/neuen Kanäle im Internet wurden ja jetzt für den ÖR freigemacht, so dass sie da entsprechend auch etwas aufbereiten können.
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Re: Allgemeiner Politik/Zeitgeschehen-Thread, Teil 2

Beitragvon NegatroN » 19.07.2018 12:50

waltersobchak hat geschrieben:Wer sagt denn, dass eine kritische Berichterstattung davon abhänge, wieviel Geld einem Sender zur Verfügung steht?


Müssen wir jetzt ernsthaft darüber diskutieren, warum Menschen in Positionen, in denen sie auch gegenüber ihrem Vorgesetzten oder Geldgeber kritisch sein sollen, genau das nur können, wenn sie keine negativen Konsequenzen zu fürchten haben? Oder warum das Produzieren eines Berichts oder eine Dokumentation mehr mit Geldmitteln zu tun hat als die Entscheidung in einem Prozess?

Ich glaube, das ist mir zu mühsam.

waltersobchak hat geschrieben:Wenn diese Rahmenbedingungen und Inhalte alle vom Geld abhängig sind (wie du schreibst), dann muss man sich zwangsläufig die Frage
stellen, was einem lieber ist: Wer steuert die Vergabe diese Geldes? Der Staat oder ein privates Unternehmen?


Der Sinn der Gebührenfinanzierung ist gerade, dass WEDER der Staat NOCH ein privates Unternehmen das steuern kann. Genau deswegen muss man eben diese Frage nicht stellen.
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