Der Bleeding4Metal Webzine-Blog

Hier könnt ihr eure Band oder euren Event (Konzert, Festival etc.) vorstellen
Benutzeravatar
Bleeding4Metal
Beiträge: 84
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Mülheim-Kärlich

Der Bleeding4Metal Webzine-Blog

Beitragvon Bleeding4Metal » 03.07.2018 16:33

In Koblenz sagt man "Gude". Also Gude, liebe RockHard-Forengemeinde!

An dieser Stelle möchte ich nicht nur einfach ein nettes Webzine vorstellen, sondern auch mal gelegentlich aus unserem Alltag bloggen. Das Hobby ist ein sehr kurzweiliges, und mit unserer bunten Crew sowie den Erlebnissen mit Bands, Touren und Festivals gibt es eigentlich immer mal was zu erzählen, was ja nicht zwingend in unseren WhatsApp-Gruppen/Foren/Stammtischen/Crewparties bleiben muss.

Unser Mag wird übrigens seit 2002 von Hobby-Enthusiasten und mit leidenschaftlicher Einstellung zu unser aller Lieblingsmusik betrieben. Wer sich so etwas auch gut vorstellen könnte, darf uns natürlich gerne kontaktieren. Wir freuen uns immer über engagierten Nachwuchs.

Also, stay tuned für die in Kürze kommenden ersten Beiträge aus dem Bleeding4Metal-Headquarter :)
Benutzeravatar
Bleeding4Metal
Beiträge: 84
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Mülheim-Kärlich

Als Metal-Magazin im DSGVO-Strudel

Beitragvon Bleeding4Metal » 07.07.2018 13:54

Ich denke mal, jeder in Deutschland lebende und geschäftsfähige Mensch - egal ob online oder offline - kam nicht umhin, in irgendeiner Form mit der DSGVO konfrontiert zu werden. Also auch ihr. Ihr wisst schon, DSGVO. Da-ten-schutz-grund-ver-ord-nung. Wir brauchen sieben Silben, um dem Wahnsinn einen Namen zu geben. Interessanterweise die gleiche Silbenzahl wie im alten Bun-des-da-ten-schutz-ge-setz. Da soll noch einer sagen, die Zahl Sieben wäre nicht magisch.

Nun, unser amoklaufendes Brüssel hat sich diesen Schildbürgerstreich ja lange genug ausgedacht. Genauso wie andere Dinge, wie z.B. die maximale Wattzahl eines Staubsaugers. Ich warte ja nur darauf, dass irgendein Hansel merkt, wieviel Watt so ein ordentliches Metal-Konzert schluckt. Vielleicht gibt's dann zukünftig auch eine Begrenzung auf 900 Watt für die PA?

Lassen wir die dystopischen Ausblicke, zurück zum DSGVO. Wenn jemand in der Lage ist, eine ohnehin beknackte Verordnung im Wahnsinn noch zu toppen, dann sind es wir Deutschen. Ich erinnere an das PET-Pfand abhängig vom Kohlesäuregehalt des Getränks. Wäre doch gelacht, wenn wir das im Datenschutz nicht auch schaffen würden. Und ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen. Ab sofort strengstes Kontaktverbot ohne ein "Ja, ich will!". Digitales Vergessen als neue Kultur. Wie man überhaupt noch zueinander finden soll? Gute Frage. Ein Abmahnschutz zur Verhinderung dubioser Geschäftspraktiken? Das haben die Österreicher geschafft, aber wir doch nicht. Und nach fast zwei Jahren entspannter Ignoranz wurde zum Tag des jüngsten Gerichts (Inkrafttreten am 25.05.2018) auf einmal die Panik groß. Denn dann merkten die Betroffenen plötzlich, dass man es ernst meint. Ihr kennt das sicher alle: Es wurde nicht zwei Monate vorher die Zustimmung zu weiterer Geschäftsbeziehung eingeholt. Nein, offenbar hoffte jeder, aus diesem Albtraum noch aufzuwachen. Und so brach ungefähr zwei Tage vor dem Stichtag die völlige Panik aus. Ich weiß nicht, wie es euch erging und bei welchem Bäcker, Arzt, Werbetreibenden oder Puff ihr noch irgendwas unterschreiben musstet. Wir als Magazin haben natürlich auch Unmengen an Kontakte zu Promotern, Labels und sonstigen Vertretern der harten Sounds. Und so trudelten binnen 48 Stunden bei uns massenweise Opt-Ins ein. Teilweise von Kontakten, die wir gar nicht kannten. Teilweise an Adressen, die es gar nicht mehr gab. Eine super Gelegenheit, mal die Leichen wegzuräumen, indem man einfach gar nicht reagiert! Der Nachteil war, dass wir gnadenlos mit Mails zugeballert wurde. Ein Kollege aus dem Headquarter machte sich an die Aufgabe, dort durchzusteigen und unsere Aktivposten eben aktiv zu halten. Die Hinweise in den Mails waren von flehend bis apokalyptisch: "Wir dürfen euch sonst nichts mehr schicken!", "Bitte erlaubt uns, euch weiter mit News zu versorgen!", "Wenn ihr noch Promos von uns wollt, müsst ihr umgehend eine neue Registrierung machen!".

Wie hilflos alle waren, zeigte sich auch daran, dass viele Mails die DSGVO gar nicht erfüllten. Manche waren zuerst als Opt-Out formuliert, dann hatte sich der vollständige Umfang des Wahnsinns doch irgendwie weiter rumgesprochen, und wenige Tage nach Einführung kam dann nochmal eine korrigierte Mail als Opt-In. Und der Wahnsinn zog immer größere Kreise: Auch im Ausland wurde man irgendwann gewahr, dass sich da in Europa und vor allem in Deutschland irgendetwas tut. Eine Menge Anwälte waren ja auch nicht müde, eine bewusste Panik zu verbreiten. Sicherlich zum Selbstzweck, denn vor der DSGVO MUSS man ja Angst haben, damit Herr oder Frau Anwalt auch viele Mandate bekommen. Und so bekamen wir plötzlich auch noch Wochen später Mails aus dem Ausland bis hin zu den USA, die nur lapidar meinten, dass in Deutschland was Komisches vor sich ginge und man bitte nochmal bestätigen sollte, dass man a) an metallischer Versorgung weiter interessiert sei, und b) diese Bekundung bei klarem Verstand äußert.

Vollends verrückt wurde es, als in letzter Reihe auch noch die Promo-Portale auf die DSGVO aufmerksam wurden. Vielleicht kennt ihr so Systeme wie Haulix oder HearTheMusic. Die hatten nämlich dann ein DSGVO-konformes Opt-In integriert, um ihren Kunden eine Dienstleistung anzubieten. Und was machen die ganzen Labels und Promoter, die an einer solchen Plattform hängen? Schicken uns über dieses System nochmal (!) allerlei Zustimmungsgewusel. So kam es, dass wir stellenweise von einer Stelle bis zu drei Aufforderungen nacheinander bekamen. Und unser fleißiger Vertreter unseres Headquarters war mehrere Tage damit beschäftigt, die DSGVO-Mails abzuwickeln. Fast im Minutentakt ging seine Rundmail an alle: "Den hab ich erledigt." - "Ist registriert!" - "Hab ich angeschrieben!". Nach fünf Tagen klangen die Mails schon anders. Z.B. "Uff, den auch. Ich mag nicht mehr ...".

Die Stimmung war wirklich völlig verrückt. Da arbeitet man schon Jahre partnerschaftlich zusammen, und plötzlich macht der pauschale Argwohn die Runde. Schon am 26. Mai - also einen Tag nach Inkrafttreten - wurden die ersten skurrilen Fälle der DSGVO auf heise.de gesammelt. Foren schlossen aus Unsicherheit, mein Metzger hat seine Webseite vorübergehend deaktiviert. Und unser fleißiger Opt-In-Bearbeiter stand kurz vor dem Wahnsinn. In solchen Zeiten ist es sogar richtig erholsam, wenn irgendein kleines finnisches Label so tut, als wäre nichts gewesen. Von diesem erhalten wir einfach weiter unser Promo-Material ohne jede Rückfrage. Was hier gesiegt hat, war sicherlich der Menschenverstand: Wenn zwei sich einig sind und niemand zu Schaden kommt, kann im Gesetz stehen, was will. Jawoll!

Wir haben es irgendwie überlebt und sind nicht aus Feigheit offline gegangen. Natürlich haben wir zwangsweise unsere Datenschutzerklärung ein bisschen nachgepimpt. Glücklicherweise waren wir schon immer sehr datensparsam, was unsere Besucher anging. Ein bisschen Unsicherheit bei den Verrückten da draußen besteht aber immer. Also wenn ihr auf dem nächsten Konzert unserem Fotografen freudig vor die Linse springt und um ein Foto bettelt, wundert euch nicht, wenn dieser erst einmal eine fünfminütige Erklärung der Bildverwendung runterpredigt, das Recht zu schweigen und auf einen Anwalt betont, und euch dann ein Formular von 3 DIN A-4-Seiten unterschreiben lässt. Und immer daran denken: jedes Foto und jede zugesandte Promo kann zu eurem Nachteil ausgelegt werden. Sei es, dass ihr euch auf Festivals zum Horst macht, oder dass ihr einen Verriss für schlechte Musik erhaltet. Davor schützt euch nur noch der totale Opt-Out aus dem Leben.
Benutzeravatar
Bleeding4Metal
Beiträge: 84
Registriert: 26.03.2004 00:21
Wohnort: Mülheim-Kärlich

Was sind eigentlich "relevante Bands"?

Beitragvon Bleeding4Metal » 31.12.2018 11:18

Diese Frage klingt auf den ersten Blick so banal wie auch subjektiv. Natürlich würde jeder Metal-Fan aus dem Stegreif sofort eine Reihe von Bandnamen runterbeten, die für ihn als "relevant" gelten. Egal, ob sie es in die Albumcharts schaffen, oder lediglich ein Drei-Track-Demo über die Underground-Szene traden. Weil nämlich Musik sofort für einen selbst relevant erscheint, wenn man diese abfeiert, diese Herz, Bauch und Kopf erreicht, oder einfach als außergewöhnlich wahrgenommen wird.

So einfach, wie jeder seine persönlichen relevanten Bands aufzählen und begründen kann, so kompliziert wird es bei der Suche nach allgemeingültigen Definitionen. Diese braucht man nämlich, um sich in einer gewissen Breite entscheiden zu können, ob eine Band es wert ist, professionell betrachtet zu werden, oder nicht. Und professionelle und faire Maßstäbe sind wichtig, wenn man die relevante Musik nicht nur für sich selbst filtert, sondern für Dritte. Wie zum Beispiel für euch, liebe Leser. Um es auf den Punkt zu bringen: Jedes Publikationsmedium steht vor dieser schwierigen Frage. Auch Bleeding4Metal. Von außen betrachtet könnte man dies als Luxusproblem abtun; unser Hobby bringt nun mal mit sich, dass wir mit allerlei Musik konfrontiert werden, für die andere Menschen lange stöbern und suchen müssen. Andererseits sind Ressourcen auch immer endlich. Und Bands bzw. Releases mittlerweile gefühlt unendlich. Bei einem Magazin als Freizeitbeschäftigung - wie es unser Verein nun mal ist - ist die begrenzte Ressource die Zeit. Bei kommerziellen Magazinen oder Label-A&Rs ist es neben der Zeit auch das Geld. Dieser Spagat ist schwierig. Da wir ohne kommerzielle Zwänge arbeiten, haben wir immerhin keine entsprechenden Maßstäbe, ob Musikmaterial kommerziell interessant ist und genießen eigentlich dadurch hohe künstlerische Freiheit. Labels, DJs und Broadcaster müssen da schon anders denken, wenn sie sich durch die eingegangenen Bewerbungen wühlen. Ursache hierfür ist, dass die Produktion von Musik seit Jahren so billig wie noch nie ist. Die Digitalisierung erlaubt Direktvertriebe ohne physischen Tonträgerhandel. Jeder Gitarrist mit programmierbaren Drumsampler kann heute an einem Wochenende ein Black Metal-Projekt am PC starten und die Songs weltweit anbieten. Solange man nicht prekär unter der Brücke leben muss oder in Staaten mit eingeschränkter Versorgung lebt, gibt es für die Erschaffung von Musik keine nennenswerten Hürden mehr. Und was für die Künstler ein Segen ist, ist für die Menschen, die sich mit den Resultaten beschäftigen möchten, ein Fluch.

Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge von Bleeding4Metal, als ich 2003 in der Pionierphase hinzugestoßen war und mich schon kurz darauf in der Promoverteilung engagierte. Damals bekam man noch hauptsächlich Promos per Post. Wenn es 40 im Monat waren, waren es schon viel. Doch diese Zeiten sind schon lange vorbei. Auch die professionellen Vertriebe und Promoter nutzen heute entsprechende Online-Plattformen und arbeiten so kostengünstiger. Da eine fertig vorproduzierte Newcomer-Scheibe auch das Label kaum noch was kostet, sind die Risiken gesunken. Viele Labels signen heute Masse für wenig Geld und schauen, welche Band sich entwickelt. In den letzten Jahren sind die Eintagsfliegen enorm in die Höhe geschossen, die wir nie mit einem zweiten Album kennenlernen dürfen. Und dabei habe ich noch nicht von den absoluten Zahlen gesprochen. Wenn man alle Direktangebote mitzählt, bekommen wir in starken Monaten durchaus 150 Veröffentlichungen angeboten. Kurzum: Während die Erschaffung und Verbreitung von Musik immer einfacher geworden ist, macht die Beschäftigung damit pro Album immer noch genauso viel Arbeit wie vor 15 Jahren. Man muss sich immer noch die Musik mehrmals anhören, man muss seine Eindrücke sortieren, niederschreiben und korrekturlesen.

Durch diese gewachsene Diskrepanz, die aktuell vermutlich ihren Höhepunkt erreicht hat, wird schnell klar: Man kann sich nicht professionell mit jeder Musik beschäftigen, die einem über den Weg läuft. Man könnte es jetzt natürlich dem Zufall überlassen, welche Bands in unserem Magazin berücksichtigt werden - fairer allerdings sind klare Maßstäbe. Und beim Aufstellen dieser Regeln muss man sich unweigerlich mit der Frage beschäftigen, was einer Band oder einem Release die entsprechende Relevanz gibt, hier Zeit zu investieren. Mit dieser Frage sind wir übrigens nicht allein! Und viele tun sich schwer damit. Betroffen sind vor allem Magazine, die immer öfter Massen von aufstrebenden Jung-Musikern einen Korb geben müssen, die so viel Herzblut in ihre erste Veröffentlichung gegossen haben. Aber auch die Encyclopaedia Metallum hatte sich im Herbst diesen Jahres mit der Frage beschäftigt, wie im digitalen Zeitalter die Policy für eine Aufnahme von Bands sinnvoll gestaltet werden könnte. Nachdem lange Zeit physische Releases als Indikator relevanter Bands galten, wurde später die Spieldauer der Releases maßgeblich. Mittlerweile spielen noch weitere Aspekte hinein und zur wird Not im Team über die Relevanz entschieden. Auch bei Bleeding4Metal haben wir Kriterien, anhand derer wir die Zusendungen in eine nähere Auswahl ziehen oder eben ignorieren. Diese sollen dazu dienen, eine gewisse Ernsthaftigkeit der Künstler zu bewerten und ernsthaft arbeitende Bands vorzuziehen. Und hierbei muss man betonen, dass dafür nicht zwingend die Produktionsqualität zählt. Sondern eher die Art und Weise, wie engagiert man seine Musik zum Rezensenten oder Hörer bringt. Was bei uns z. B. sofort unter den Radar rutscht sind sämtliche Massenmails von kostenlosen hotmail- oder gmail-Accounts, die in einem Dreizeiler einen lieblosen Dropbox-Download anpreisen. Spätestens hier trennt sich die Spreu vom Weizen, denn man darf schon erwarten, dass sich eine ernsthafte Band auch um eine solide Basis ihrer Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Und leider gibt es mittlerweile sogar einzelne Promoter, die zu dieser Sparversion greifen und anschließend glauben, dass man sich mit 3 Minuten Aufwand eine Titelstory nebst Interview verdient hat. Und es wäre unfair, solche Discount-Promos genauso aufmerksam zu behandeln wie eine Herzblut-Zusendung aus Übersee mit CD, Anschreiben und sorgfältig zusammengestelltem Info-Material. Denn letztendlich sind es Leidenschaft und Einsatz, die über eine langfristige Relevanz von Bands entscheiden. Und diesen Bands, denen es etwas wert ist, wollen wir uns vornehmlich widmen. Denn schließlich erwartet man auch von uns, dass wir den Werken entsprechende Aufmerksamkeit schenken.

Dass solche Regeln einem Künstler nicht immer gerecht werden, ist völlig klar. Und ob die Relevanz später auch zu einer guten Rezension führt, steht auch auf einem ganz anderen Blatt. Andererseits sind Filter in der heutigen Bandflut nötig. Darüber hinaus bleibt es natürlich am Schluss immer noch eine subjektive Entscheidung, was man persönlich für relevant hält und was nicht. Und wir haben noch keinen Rezensenten gebremst, wenn dieser neben unserem offiziellen Programm eine persönliche Perle mit einem Review berücksichtigen möchte.

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast