Der A(OR)Core-Thread: Y&T - eine kleine Huldigung

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acore
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Uriah Heep - Future Echoes Of The Past

Beitrag von acore » 07.08.2019 21:16

Der Uriah Heep Keyboarder Phil Lanzon hat ein neues Soloalbum namens "48 Seconds" draußen. Viel Orchesterbombast, manches ist durchaus kompatibel zur Musik seiner Stammband, einiges könnte auch im ZDF Fernsehgarten laufen. Mit Bläsern habe ich es insgesamt nicht wirklich.... Der Oberhammer ist aber der fast 10 minütige Titelsong, der sich mit dem Erdbeben 1906 in San Francisco beschäftigt. Das wäre auch ein Highlight auf den letzten Uriah Heep Scheiben gewesen.

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acore
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Y&T - eine kleine Huldigung

Beitrag von acore » 25.10.2019 18:17

Nach so viel Uriah Heep hat mich Glaurung, inspiriert von meiner Lobhudelei zum Y&T-Konzert am Wochenende, auf die Idee gebracht, etwas dieser Band zu huldigen. So ausführlich wie bei UH wird es naturgemäß nicht, denn dafür bin ich nicht wirklich der Spezialist für die Band und deren Geschichte. Fan bin ich schon seit Anfang der 80er und die Studioplatten gefallen mir überwiegend ziemlich gut, aber so die 10 Punkte Überflieger hatten sie nie wirklich im Programm. Zumindest nicht auf Albumdistanz. Da stehen richtige Granaten oft neben einigen eher durchschnittlichen Hardrocksongs. So richtig schätzen habe ich die Band eigentlich erst ab ihren regelmäßigen Touren seit der Veröffentlichung von "Facemelter" gelernt. Auf der Bühne sind sie eine absolute Macht und live funktionieren plötzlich auch Lieder, die ich auf Platte jahrelang verschmäht habe. Entsprechend starte ich auch mit dem Konzertbericht zum Auftritt am letzten Wochenende, bevor ich mich die nächste Zeit etwas den Alben widmen werde.

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acore
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Uriah Heep - Future Echoes Of The Past

Beitrag von acore » 25.10.2019 18:18

Y&T – 45th Anniversary Tour 2019: Colossal, Aschaffenburg 19.10.2019

Besetzung:
Dave Meniketti: Guitar, Vocals
John Nymann: Guitars, Backingvocals
Aaron Leigh: Bass Guitar, Backingvocals
Mike Vanderhule: Drums, Backingvocals

Die Bandgründung 1974 nehmen Y&T zum Anlass, dieses Jahr eine 45th Anniversary Tour durchzuführen. Um das würdig zu begehen, wird von jedem Studioalbum mindestens ein Lied gespielt, was zu einigen Überraschungen in der Setlist führt.

Die Band tritt ja inzwischen (fast?) jeden Herbst im Colossaal auf, aber die letzten Jahre habe ich da etwas ausgesetzt, nachdem ich vier Touren hintereinander mitgemacht hatte. Diesmal haben wir einem Freund das Konzert zum Geburtstag geschenkt, der genauso wie seine und meine Frau noch nie auf einem Gig der Band war. Ideale Voraussetzungen für einen unterhaltsamen Abend. Der Colossaal ist sehr gut gefüllt, aber nicht ganz ausverkauft. Vor uns steht ein älterer Herr, dessen letzte Dusche schon etwas länger her ist und der einen entsprechenden Duft verbreitet. Zum Glück ist er der geborene Stoiker, der sich kaum bewegt, dennoch wird es um ihn herum im Verlauf des Konzertes im leerer… Das aber nur am Rande.

“Hurricane” ist ein typischer Up-Tempo-Opener, der die Menge sofort mitreißt. “Lonely Side Of Town” ist für mich jetzt nicht der Überflieger, dafür gefällt mir das megaeingängige “Keep On Runnin’” umso besser. Hier zeigt sich so richtig, wie gut die Band eingespielt ist und auch die Backingvocals immer auf den Punkt perfekt sitzen. Nach dem atmospärischen “Black Tiger” brennt zum ersten Mal die Hütte und Dave ist sichtlich von den Publikumsreaktionen angetan. Das balladeske und eher selten gespielte “Come In From The Rain” ist ein einziges Fest. Gänsehaut pur. “Mean Streak” hätte von der Art her auch als perfekter Opener dienen können und wird entsprechend abgefeiert. Bei “Midnight In Tokyo” ist das Publikum beim Chorus lauter als die Band. Bis dahin das Highlight! “Face Like An Angel” von der ansonsten eher vernachlässigten “Down For The Count”-Scheibe ist dann für mich in seiner Eingängigkeit der absolute Genuss. “Anytime At All” vom gleichen Album im Anschluss past perfekt. Mit “Earthshaker” geht es dann zurück zum ersten Album aus dem Jahr 1976. Eher was für Historiker, aber die Stimmung ist dennoch gut. Das gilt auch für den anschließenden Titelsong “Struck Down” der zweiten Yesterday & Today Langrille. Aber es soll ja jedes Album dran kommen. “I Want Your Money” von der letzten Y&T-Platte “Facemelter” ist so ein typisches Y&T-Lied, das in der Studio-Version eher unspektakulär ist, aber auf der Bühne seine ganz eigene Magie versprüht. Zu “I Believe In You” braucht man eigentlich nicht viel Worte. Eines der genialsten Lieder der Rockgeschichte und wird vom Publikum von vorne bis hinten abgefeiert, während sich Dave von Solo zu Solo mehr in Ekstase spielt. Der Kerl ist ohnehin absolut unterbewertet, was seine Fähigkeiten an der Gitarre betrifft. “Hang ‘em High” ist danach wieder eher der Rocker, der live deutlich besser als aus der Konserve kommt. Super zum Mitgröhlen! “21st Century” ist ein typisches Kind der 90er, als die meisten Helden der 80er irgendwie die Orientierung verloren hatten und zwanghaft glaubten, mit Gewalt anders klingen zu müssen. Heute trotzdem spaßig. “Contagious” ist ja irgendwie die Bon Jovi Platte von Y&T, so war man damals pur auf Eingängigkeit getrimmt. Ich fand das schon immer prima und die Mitsingteile des Titelsongs sind definitiv eine Klasse für sich. Schade, dass heute nicht mehr von der Scheibe auf dem Programm steht. “Summertime Girls” ist dank Baywatch bis heute der größte und eigentlich auch einzige Hit der Band. Entsprechend wird das Lied dann auch von allen abgefeiert. Mehr 80er geht kaum, als die beiden Lieder hintereinander. Bei “Rescue Me” tobt die Meute glatt noch mehr und bei mir verabschiedet sich so langsam die Stimme. Mit “Coming Home”, dem Highlight von “Facemelter” verabschiedet sich die Band. Natürlich wird sie lauthals abgefeiert und kommt kurz danach für den Zugabenblock zurück.

“Sail On By” ist eine Ballade vom Album “Endangered Species”, das ich eigentlich als zweiten 90er Jahre Totalausfall in Erinnerung habe. Balladen funktionieren scheinbar auch in musikalisch verwirrten Zeiten, denn das Lied ist wirklich nicht schlecht. Als Zugabe dann wieder doch nicht der richtige Burner. Danach geht es auf Zuruf weiter. Während vorne öfters “Winds Of Change” fällt, brüllt der halbe Colossaal von hinten “Open Fire”, was natürlich nach dem ruhigen Start in die Zugaben die perfekte Wahl ist. Der Laden steht Kopf! “Don’t Be Afraid From The Dark” ist dann der perfekte Kontrast. Eingängig bis zum Anschlag mit einem Über-Refrain gesegnet. Danach darf sich der “neue” Bassist, der übrigens wie Johnny Depp für Arme aussieht, den Rocker “Straight Thru The Heart” wünschen, womit “Meanstreak” mit 5 Liedern die Album-Wertung heute deutlich gewinnt. Da gibt es Platten, von denen ich mir persönlich mehr Lieder gewünscht hätte, besonders “In Rock We Trust” und “Contagious” kommen mit je nur 1 Lied zu schlecht weg. Das epische “Forever” gibt dann den standesgemäßen Rausschmeißer. Der Colossaal bebt und meine Stimme ist endgültig im Eimer.

Was für ein Abend. Im traditionellen Hardrock-Bereich gibt es eigentlich nichts Vergleichbares, das auf der Bühne Y&T das Wasser reichen kann. Man merkt der Band von der ersten Sekunde den Spaß an, den sie während des Konzertes hat. Entsprechend geht das Publikum von Lied zu Lied mehr ab. Fühlt sich an, als ob ich die nächsten Jahre wieder hingehen werde. Wobei ein neues Album dennoch auch schön wäre.

Setlist:

Hurricane
Lonely Side of Town
Don't Stop Runnin'
Black Tiger
Come in From the Rain
Mean Streak
Midnight in Tokyo
Face Like an Angel
Anytime at All
Earthshaker
Struck Down
I Want Your Money
I Believe in You
Hang 'em High
21st Century
Contagious
Summertime Girls
Rescue Me
I'm Coming Home

Encore:
Sail On By
Open Fire
Don't Be Afraid of the Dark
Straight Thru the Heart
Forever

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Glaurung
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Y&T - eine kleine Huldigung

Beitrag von Glaurung » 26.10.2019 16:30

Da bleibe ich doch am Ball... :pommes:
In my dreams i was drowning my sorrows... but my sorrows they learned to swim.

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moshpitdrama
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Y&T - eine kleine Huldigung

Beitrag von moshpitdrama » 26.10.2019 21:31

Oha, in Hamburg bestand die Zugabe nur aus "Sail on by" und "Forever". Und auch "I'm coming home" wurde ausgelassen. War aber trotzdem wieder großartig, wobei ich die Markthalle eher favorisiere. Downtown Bluesclub hat zwar mit seiner Club-/Wohnzimmeratomsphäre Charme, aber wenn es richtig proppenvoll ist, zu warm und einengend. Beim Rausgehen übrigens interessant die Reaktionen von jüngeren Besuchern mitzubekommen, die total begeistert waren, einmal Dave Meniketti live gesehen zu haben...

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acore
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Y&T - eine kleine Huldigung

Beitrag von acore » 27.10.2019 12:38

Ich habe mir bei Setlist.fm einige Konzerte der Tour angesehen. Also die 5 Zugaben wie im Colossaal sind die absolute Ausnahme. Da können wir uns ja geehrt fühlen :D .

Und 24 Lieder hatten sie bei den 11 Auftritten vorher im Colossaal ansonsten auch noch nie. Definitiv "A Night To Remember"!

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Master_of_Insanity
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Y&T - eine kleine Huldigung

Beitrag von Master_of_Insanity » 27.10.2019 12:55

Vor 1 Monat hatten wir in Bensheim 6 Zugaben :wink: Es war ebenfalls ein außergewöhnliches Konzert

Ich gebe Dir Recht dass Y&T eigentlich kein einziges 10 Punkte Album veröffentlicht haben, sie haben neben überirdischen Knallern leider zu viele Ausschussware auf ihren Platten. Aber live regelt einfach alles, was sie spielen.

Ich hoffe dass es bald eine erneute Tour geben wird!
"The doctor looked at my eyes, no trace of insanity" - King Diamond - Lies

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Frank2
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Uriah Heep - Future Echoes Of The Past

Beitrag von Frank2 » 27.10.2019 13:54

acore hat geschrieben:
25.10.2019 18:18
Y&T – 45th Anniversary Tour 2019: Colossal, Aschaffenburg 19.10.2019

Besetzung:
Dave Meniketti: Guitar, Vocals
John Nymann: Guitars, Backingvocals
Aaron Leigh: Bass Guitar, Backingvocals
Mike Vanderhule: Drums, Backingvocals

Die Bandgründung 1974 nehmen Y&T zum Anlass, dieses Jahr eine 45th Anniversary Tour durchzuführen. Um das würdig zu begehen, wird von jedem Studioalbum mindestens ein Lied gespielt, was zu einigen Überraschungen in der Setlist führt.

Die Band tritt ja inzwischen (fast?) jeden Herbst im Colossaal auf, aber die letzten Jahre habe ich da etwas ausgesetzt, nachdem ich vier Touren hintereinander mitgemacht hatte. Diesmal haben wir einem Freund das Konzert zum Geburtstag geschenkt, der genauso wie seine und meine Frau noch nie auf einem Gig der Band war. Ideale Voraussetzungen für einen unterhaltsamen Abend. Der Colossaal ist sehr gut gefüllt, aber nicht ganz ausverkauft. Vor uns steht ein älterer Herr, dessen letzte Dusche schon etwas länger her ist und der einen entsprechenden Duft verbreitet. Zum Glück ist er der geborene Stoiker, der sich kaum bewegt, dennoch wird es um ihn herum im Verlauf des Konzertes im leerer… Das aber nur am Rande.

“Hurricane” ist ein typischer Up-Tempo-Opener, der die Menge sofort mitreißt. “Lonely Side Of Town” ist für mich jetzt nicht der Überflieger, dafür gefällt mir das megaeingängige “Keep On Runnin’” umso besser. Hier zeigt sich so richtig, wie gut die Band eingespielt ist und auch die Backingvocals immer auf den Punkt perfekt sitzen. Nach dem atmospärischen “Black Tiger” brennt zum ersten Mal die Hütte und Dave ist sichtlich von den Publikumsreaktionen angetan. Das balladeske und eher selten gespielte “Come In From The Rain” ist ein einziges Fest. Gänsehaut pur. “Mean Streak” hätte von der Art her auch als perfekter Opener dienen können und wird entsprechend abgefeiert. Bei “Midnight In Tokyo” ist das Publikum beim Chorus lauter als die Band. Bis dahin das Highlight! “Face Like An Angel” von der ansonsten eher vernachlässigten “Down For The Count”-Scheibe ist dann für mich in seiner Eingängigkeit der absolute Genuss. “Anytime At All” vom gleichen Album im Anschluss past perfekt. Mit “Earthshaker” geht es dann zurück zum ersten Album aus dem Jahr 1976. Eher was für Historiker, aber die Stimmung ist dennoch gut. Das gilt auch für den anschließenden Titelsong “Struck Down” der zweiten Yesterday & Today Langrille. Aber es soll ja jedes Album dran kommen. “I Want Your Money” von der letzten Y&T-Platte “Facemelter” ist so ein typisches Y&T-Lied, das in der Studio-Version eher unspektakulär ist, aber auf der Bühne seine ganz eigene Magie versprüht. Zu “I Believe In You” braucht man eigentlich nicht viel Worte. Eines der genialsten Lieder der Rockgeschichte und wird vom Publikum von vorne bis hinten abgefeiert, während sich Dave von Solo zu Solo mehr in Ekstase spielt. Der Kerl ist ohnehin absolut unterbewertet, was seine Fähigkeiten an der Gitarre betrifft. “Hang ‘em High” ist danach wieder eher der Rocker, der live deutlich besser als aus der Konserve kommt. Super zum Mitgröhlen! “21st Century” ist ein typisches Kind der 90er, als die meisten Helden der 80er irgendwie die Orientierung verloren hatten und zwanghaft glaubten, mit Gewalt anders klingen zu müssen. Heute trotzdem spaßig. “Contagious” ist ja irgendwie die Bon Jovi Platte von Y&T, so war man damals pur auf Eingängigkeit getrimmt. Ich fand das schon immer prima und die Mitsingteile des Titelsongs sind definitiv eine Klasse für sich. Schade, dass heute nicht mehr von der Scheibe auf dem Programm steht. “Summertime Girls” ist dank Baywatch bis heute der größte und eigentlich auch einzige Hit der Band. Entsprechend wird das Lied dann auch von allen abgefeiert. Mehr 80er geht kaum, als die beiden Lieder hintereinander. Bei “Rescue Me” tobt die Meute glatt noch mehr und bei mir verabschiedet sich so langsam die Stimme. Mit “Coming Home”, dem Highlight von “Facemelter” verabschiedet sich die Band. Natürlich wird sie lauthals abgefeiert und kommt kurz danach für den Zugabenblock zurück.

“Sail On By” ist eine Ballade vom Album “Endangered Species”, das ich eigentlich als zweiten 90er Jahre Totalausfall in Erinnerung habe. Balladen funktionieren scheinbar auch in musikalisch verwirrten Zeiten, denn das Lied ist wirklich nicht schlecht. Als Zugabe dann wieder doch nicht der richtige Burner. Danach geht es auf Zuruf weiter. Während vorne öfters “Winds Of Change” fällt, brüllt der halbe Colossaal von hinten “Open Fire”, was natürlich nach dem ruhigen Start in die Zugaben die perfekte Wahl ist. Der Laden steht Kopf! “Don’t Be Afraid From The Dark” ist dann der perfekte Kontrast. Eingängig bis zum Anschlag mit einem Über-Refrain gesegnet. Danach darf sich der “neue” Bassist, der übrigens wie Johnny Depp für Arme aussieht, den Rocker “Straight Thru The Heart” wünschen, womit “Meanstreak” mit 5 Liedern die Album-Wertung heute deutlich gewinnt. Da gibt es Platten, von denen ich mir persönlich mehr Lieder gewünscht hätte, besonders “In Rock We Trust” und “Contagious” kommen mit je nur 1 Lied zu schlecht weg. Das epische “Forever” gibt dann den standesgemäßen Rausschmeißer. Der Colossaal bebt und meine Stimme ist endgültig im Eimer.

Was für ein Abend. Im traditionellen Hardrock-Bereich gibt es eigentlich nichts Vergleichbares, das auf der Bühne Y&T das Wasser reichen kann. Man merkt der Band von der ersten Sekunde den Spaß an, den sie während des Konzertes hat. Entsprechend geht das Publikum von Lied zu Lied mehr ab. Fühlt sich an, als ob ich die nächsten Jahre wieder hingehen werde. Wobei ein neues Album dennoch auch schön wäre.

Setlist:

Hurricane
Lonely Side of Town
Don't Stop Runnin'
Black Tiger
Come in From the Rain
Mean Streak
Midnight in Tokyo
Face Like an Angel
Anytime at All
Earthshaker
Struck Down
I Want Your Money
I Believe in You
Hang 'em High
21st Century
Contagious
Summertime Girls
Rescue Me
I'm Coming Home

Encore:
Sail On By
Open Fire
Don't Be Afraid of the Dark
Straight Thru the Heart
Forever
Saustarker Bericht, da wird man ja richtig neidisch :wink:
Meniketti halte ich sowieso seit jeher für einen der unterbe-
wertesten Gitarristen überhaupt.
Und überhaupt: Was für eine Setlist! :sabber:

Perry Rhodan
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Uriah Heep - Future Echoes Of The Past

Beitrag von Perry Rhodan » 27.10.2019 15:42

Frank2 hat geschrieben:
27.10.2019 13:54
acore hat geschrieben:
25.10.2019 18:18
Y&T – 45th Anniversary Tour 2019: Colossal, Aschaffenburg 19.10.2019

Besetzung:
Dave Meniketti: Guitar, Vocals
John Nymann: Guitars, Backingvocals
Aaron Leigh: Bass Guitar, Backingvocals
Mike Vanderhule: Drums, Backingvocals

Die Bandgründung 1974 nehmen Y&T zum Anlass, dieses Jahr eine 45th Anniversary Tour durchzuführen. Um das würdig zu begehen, wird von jedem Studioalbum mindestens ein Lied gespielt, was zu einigen Überraschungen in der Setlist führt.

Die Band tritt ja inzwischen (fast?) jeden Herbst im Colossaal auf, aber die letzten Jahre habe ich da etwas ausgesetzt, nachdem ich vier Touren hintereinander mitgemacht hatte. Diesmal haben wir einem Freund das Konzert zum Geburtstag geschenkt, der genauso wie seine und meine Frau noch nie auf einem Gig der Band war. Ideale Voraussetzungen für einen unterhaltsamen Abend. Der Colossaal ist sehr gut gefüllt, aber nicht ganz ausverkauft. Vor uns steht ein älterer Herr, dessen letzte Dusche schon etwas länger her ist und der einen entsprechenden Duft verbreitet. Zum Glück ist er der geborene Stoiker, der sich kaum bewegt, dennoch wird es um ihn herum im Verlauf des Konzertes im leerer… Das aber nur am Rande.

“Hurricane” ist ein typischer Up-Tempo-Opener, der die Menge sofort mitreißt. “Lonely Side Of Town” ist für mich jetzt nicht der Überflieger, dafür gefällt mir das megaeingängige “Keep On Runnin’” umso besser. Hier zeigt sich so richtig, wie gut die Band eingespielt ist und auch die Backingvocals immer auf den Punkt perfekt sitzen. Nach dem atmospärischen “Black Tiger” brennt zum ersten Mal die Hütte und Dave ist sichtlich von den Publikumsreaktionen angetan. Das balladeske und eher selten gespielte “Come In From The Rain” ist ein einziges Fest. Gänsehaut pur. “Mean Streak” hätte von der Art her auch als perfekter Opener dienen können und wird entsprechend abgefeiert. Bei “Midnight In Tokyo” ist das Publikum beim Chorus lauter als die Band. Bis dahin das Highlight! “Face Like An Angel” von der ansonsten eher vernachlässigten “Down For The Count”-Scheibe ist dann für mich in seiner Eingängigkeit der absolute Genuss. “Anytime At All” vom gleichen Album im Anschluss past perfekt. Mit “Earthshaker” geht es dann zurück zum ersten Album aus dem Jahr 1976. Eher was für Historiker, aber die Stimmung ist dennoch gut. Das gilt auch für den anschließenden Titelsong “Struck Down” der zweiten Yesterday & Today Langrille. Aber es soll ja jedes Album dran kommen. “I Want Your Money” von der letzten Y&T-Platte “Facemelter” ist so ein typisches Y&T-Lied, das in der Studio-Version eher unspektakulär ist, aber auf der Bühne seine ganz eigene Magie versprüht. Zu “I Believe In You” braucht man eigentlich nicht viel Worte. Eines der genialsten Lieder der Rockgeschichte und wird vom Publikum von vorne bis hinten abgefeiert, während sich Dave von Solo zu Solo mehr in Ekstase spielt. Der Kerl ist ohnehin absolut unterbewertet, was seine Fähigkeiten an der Gitarre betrifft. “Hang ‘em High” ist danach wieder eher der Rocker, der live deutlich besser als aus der Konserve kommt. Super zum Mitgröhlen! “21st Century” ist ein typisches Kind der 90er, als die meisten Helden der 80er irgendwie die Orientierung verloren hatten und zwanghaft glaubten, mit Gewalt anders klingen zu müssen. Heute trotzdem spaßig. “Contagious” ist ja irgendwie die Bon Jovi Platte von Y&T, so war man damals pur auf Eingängigkeit getrimmt. Ich fand das schon immer prima und die Mitsingteile des Titelsongs sind definitiv eine Klasse für sich. Schade, dass heute nicht mehr von der Scheibe auf dem Programm steht. “Summertime Girls” ist dank Baywatch bis heute der größte und eigentlich auch einzige Hit der Band. Entsprechend wird das Lied dann auch von allen abgefeiert. Mehr 80er geht kaum, als die beiden Lieder hintereinander. Bei “Rescue Me” tobt die Meute glatt noch mehr und bei mir verabschiedet sich so langsam die Stimme. Mit “Coming Home”, dem Highlight von “Facemelter” verabschiedet sich die Band. Natürlich wird sie lauthals abgefeiert und kommt kurz danach für den Zugabenblock zurück.

“Sail On By” ist eine Ballade vom Album “Endangered Species”, das ich eigentlich als zweiten 90er Jahre Totalausfall in Erinnerung habe. Balladen funktionieren scheinbar auch in musikalisch verwirrten Zeiten, denn das Lied ist wirklich nicht schlecht. Als Zugabe dann wieder doch nicht der richtige Burner. Danach geht es auf Zuruf weiter. Während vorne öfters “Winds Of Change” fällt, brüllt der halbe Colossaal von hinten “Open Fire”, was natürlich nach dem ruhigen Start in die Zugaben die perfekte Wahl ist. Der Laden steht Kopf! “Don’t Be Afraid From The Dark” ist dann der perfekte Kontrast. Eingängig bis zum Anschlag mit einem Über-Refrain gesegnet. Danach darf sich der “neue” Bassist, der übrigens wie Johnny Depp für Arme aussieht, den Rocker “Straight Thru The Heart” wünschen, womit “Meanstreak” mit 5 Liedern die Album-Wertung heute deutlich gewinnt. Da gibt es Platten, von denen ich mir persönlich mehr Lieder gewünscht hätte, besonders “In Rock We Trust” und “Contagious” kommen mit je nur 1 Lied zu schlecht weg. Das epische “Forever” gibt dann den standesgemäßen Rausschmeißer. Der Colossaal bebt und meine Stimme ist endgültig im Eimer.

Was für ein Abend. Im traditionellen Hardrock-Bereich gibt es eigentlich nichts Vergleichbares, das auf der Bühne Y&T das Wasser reichen kann. Man merkt der Band von der ersten Sekunde den Spaß an, den sie während des Konzertes hat. Entsprechend geht das Publikum von Lied zu Lied mehr ab. Fühlt sich an, als ob ich die nächsten Jahre wieder hingehen werde. Wobei ein neues Album dennoch auch schön wäre.

Setlist:

Hurricane
Lonely Side of Town
Don't Stop Runnin'
Black Tiger
Come in From the Rain
Mean Streak
Midnight in Tokyo
Face Like an Angel
Anytime at All
Earthshaker
Struck Down
I Want Your Money
I Believe in You
Hang 'em High
21st Century
Contagious
Summertime Girls
Rescue Me
I'm Coming Home

Encore:
Sail On By
Open Fire
Don't Be Afraid of the Dark
Straight Thru the Heart
Forever
Saustarker Bericht, da wird man ja richtig neidisch :wink:
Meniketti halte ich sowieso seit jeher für einen der unterbe-
wertesten Gitarristen überhaupt.
Und überhaupt: Was für eine Setlist! :sabber:
Ja, absolut saustark der Bericht, danke!
Mit "Earthshaker" und "Black Tiger" haben sie aber zwei ganz starke Platten im Angebot!
Die lege ich auch heute noch sehr gerne auf.
"It's better to burn out than to fade away"

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acore
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Y&T - eine kleine Huldigung

Beitrag von acore » 27.10.2019 15:48

Bereits Anfang der 70er gab es einige Vorgängerbands, die mit Coversongs durch die Clubs der Bay Area tingelten. So richtig ging es erst los, als sich 1974 Dave Meniketti (Gitarre, Gesang), Leonard Haze (Schlagzeug), Phil Kennemore (Bass) und Joey Alves (Gitarre) unter dem Banner Yesterday & Today dazu entschieden, mit eigenen Liedern an den Start zu gehen. Für den Bandnamen stand angeblich das gleichnamige Album der Beatles Pate.


Yesterday & Today (1976)

COVER

Veröffentlichung: 1976

Besetzung:
Dave Meniketti – lead guitar, lead (1-7, 9) and backing vocals
Joey Alves – rhythm guitar, backing vocals
Phil Kennemore – bass, backing and co-lead (1) vocals
Leonard Haze – drums, backing and lead (8) vocals

Tracklist:
"Animal Woman" (Joey Alves, Phil Kennemore, Dave Meniketti) – 3:40
"25 Hours a Day" (Alves, Meniketti, Leonard Haze) – 3:39
"Game Playing Woman" (Meniketti, Kennemore, Haze) – 5:23
"Come on Over" (Meniketti, Alves, Haze) – 3:08
"My Heart Plays Too" (Meniketti) – 6:37
"Earthshaker" (Meniketti, Haze) – 3:19
"Fast Ladies (Very Slow Gin)" (Meniketti, Haze) – 4:29
"Alcohol" (Meniketti, Alves, Haze) – 4:30
"Beautiful Dreamer" (Meniketti, Haze) – 5:31

Auf ihrem selbst recht schwachbrüstig produzierten Debüt präsentiert man eher unspektakulären 70er Hardrock, der mich in seinen besten Momenten teilweise an alte UFO erinnert, z.B. beim Opener „Animal Woman“. Das mag auch daran liegen, dass Menikettis Stimme damals noch nicht so prägnant wie später klingt und bisweilen Ähnlichkeiten zu Phil Mogg aufweist. „25 Hours A Day“ ist mir noch am meisten in Erinnerung, weil es auf dem Live-Album „Open Fire“ Berücksichtigung findet. Weniger also wegen der Qualität des Liedes. Menikettis gefühlvolles Gitarrenspiel hatte schon damals seine Qualität und so was, wie das abwechslungsreiche „Game Playing Woman“ mit seinem genialen Solo und ausufernden Instrumentalteil, ist eindeutig auf der Habenseite zu verbuchen. Auch das Solo bei der ansonsten eher durchschnittlichen Ballade „My Heart Plays Too“ lässt aufhorchen. „Beautiful Dreamer“ zum Abschluss (wieder mit furiosem Solo) kommt dann auch richtig gut. Der Rest besteht tatsächlich aus eher belanglosen Rockern bis zum völligem Abschiss „Alcohol“, das Leonard Haze mit seinem üblen Gesang restlos versenkt.

Unterm Strich ist da definitiv noch viel Luft nach oben, auch wenn an der ein oder anderen Stelle bereits die spätere Genialität durchblitzt. Im Endeffekt eher was für Komplettisten und Hardcore-Fans der Band. 6,5/10


Frühwerke:

Zum Abschrecken:
Zuletzt geändert von acore am 27.10.2019 16:35, insgesamt 1-mal geändert.

Perry Rhodan
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Y&T - eine kleine Huldigung

Beitrag von Perry Rhodan » 27.10.2019 16:13

Gerade erst lese ich deine Berichte/Kommentare zu Uriah Heep.
Sehr, sehr schön, das macht Spaß das zu lesen!
"It's better to burn out than to fade away"

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Frank2
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Y&T - eine kleine Huldigung

Beitrag von Frank2 » 27.10.2019 16:21

acore hat geschrieben:
27.10.2019 15:48
Bereits Anfang der 70er gab es einige Vorgängerbands, die mit Coversongs durch die Clubs der Bay Area tingelten. So richtig ging es erst los, als sich 1974 Dave Meniketti (Gitarre, Gesang), Leonard Haze (Schlagzeug), Phil Kennemore (Bass) und Joey Alves (Gitarre) unter dem Banner Yesterday & Today dazu entschieden, mit eigenen Liedern an den Start zu gehen. Für den Bandnamen stand angeblich das gleichnamige Album der Beatles Pate.


Yesterday & Today (1976)

COVER

Veröffentlichung: 1976

Besetzung:
Dave Meniketti – lead guitar, lead (1-7, 9) and backing vocals
Joey Alves – rhythm guitar, backing vocals
Phil Kennemore – bass, backing and co-lead (1) vocals
Leonard Haze – drums, backing and lead (8) vocals

Tracklist:
"Animal Woman" (Joey Alves, Phil Kennemore, Dave Meniketti) – 3:40
"25 Hours a Day" (Alves, Meniketti, Leonard Haze) – 3:39
"Game Playing Woman" (Meniketti, Kennemore, Haze) – 5:23
"Come on Over" (Meniketti, Alves, Haze) – 3:08
"My Heart Plays Too" (Meniketti) – 6:37
"Earthshaker" (Meniketti, Haze) – 3:19
"Fast Ladies (Very Slow Gin)" (Meniketti, Haze) – 4:29
"Alcohol" (Meniketti, Alves, Haze) – 4:30
"Beautiful Dreamer" (Meniketti, Haze) – 5:31

Auf ihrem selbst recht schwachbrüstig produzierten Debüt präsentiert man eher unspektakulären 70er Hardrock, der mich in seinen besten Momenten teilweise an alte UFO erinnert, z.B. beim Opener „Animal Woman“. Das mag auch daran liegen, dass Menikettis Stimme damals noch nicht so prägnant wie später klingt und bisweilen Ähnlichkeiten zu Phil Mogg aufweist. „25 Hours A Day“ ist mir noch am meisten in Erinnerung, weil es auf dem Live-Album „Open Fire“ Berücksichtigung findet. Weniger also wegen der Qualität des Liedes. Menikettis gefühlvolles Gitarrenspiel hatte schon damals seine Qualität und so was, wie das abwechslungsreiche „Game Playing Woman“ mit seinem genialen Solo und ausufernden Instrumentalteil, ist eindeutig auf der Habenseite zu verbuchen. Auch das Solo bei der ansonsten eher durchschnittlichen Ballade „My Heart Plays Too“ lässt aufhorchen. „Beautiful Dreamer“ zum Abschluss (wieder mit furiosem Solo) kommt dann auch richtig gut. Der Rest besteht tatsächlich aus eher belanglosen Rockern bis zum völligem Abschiss „Alcohol“, das Leonard Haze mit seinem üblen Gesang restlos versenkt.

Unterm Strich ist da definitiv noch viel Luft nach oben, auch wenn an der ein oder anderen Stelle bereits die spätere Genialität durchblitzt. Im Endeffekt eher was für Komplettisten und Hardcore-Fans der Band. 6,5/10


Frühwerke:

Zum Abschrecken:
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In der Tat ein allerhöchstens durchschnittliches Werk.
Zu dem Zeitpunkt absolut nicht abesehbar, was da noch folgen
sollte :wink:

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acore
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Y&T - eine kleine Huldigung

Beitrag von acore » 27.10.2019 16:34

Und weiter geht es!
Struck Down (1978)

COVER

Veröffentlichung: Juni 1978

Besetzung:
Dave Meniketti – vocals, guitar
Joey Alves – guitar, vocals
Phil Kennemore – bass, vocals
Leonard Haze – percussion, drums, vocals

Tracklist:
"Struck Down" (Dave Meniketti, Leonard Haze) – 4:33
"Pleasure in My Heart" (Meniketti, Haze) – 4:44
"Road" (Meniketti, Haze) – 2:58
"Nasty Sadie" (Haze, Joey Alves, Meniketti) – 3:48
"Dreams of Egypt" (Haze, Meniketti) – 4:14
"Tried to Show You" (Meniketti) – 3:43
"I'm Lost" (Meniketti, Phil Kennemore, Haze) – 2:59
"Stargazer (Round & Round)" (Kennemore) – 4:36

Auch wenn man mit Jimmy Robinson diesmal Unterstützung bei der Produktion hat, ist klanglich keine Wendung zum Besseren zu verzeichnen, eher im Gegenteil. Immerhin klingt Dave von der Stimme her eindrucksvoller als auf dem Debüt. Der Titelsong als Opener ist mir für meinen Geschmack etwas zu vertrackt und wenig eingängig, dafür sind einige schöne Gitarrenmelodien dabei. „The Road“ ist dann der erste richtige Uptempo-Kracher, mit einigen richtig gelungenen Gitarrenduellen. „Dreams Of Egypt“ hat einen gelunges Dum-Intro, ein tolles Solo, nur auf einen einprägsamen Refrain wartet man vergeblich. Den bekommt man beim nachfolgenden „Tried To Show You“ (teilweise von weiblichem Hintergrundgesang unterstützt) schon eher. Zudem lebt das Lied von seinem treibenden Rhythmus. Das balladesk beginnende „Stargazer (Round & Round)“ steigert sich nach knapp zwei Minuten zu einer wahren Rock-Orgie und Dave tobt sich richtig an seiner Gitarre aus, bis wieder der mehrstimmige Gesang einsetzt und das Tempo gedrosselt wird. Zum Schluss wird wieder abgerockt, bis zum leider völlig überflüssigen Fadeout. Man hat irgendwie das Gefühl, dass da noch was fehlt. Dem Namensvetter von Rainbow kann das Lied natürlich nicht das Wasser reichen.

Eine richtige Steigerung zum Debüt ist nicht festzustellen. Wieder sind einige gute Lieder enthalten, denen aber reichlich Durchschnittsware zur Seite steht. Aber immerhin verschont man uns diesmal vor einem völligen Rohrkrepierer wie „Alcohol“ auf der ersten Scheibe. Bleibt bei 6,5/10.


Weitere 70er Frühwerke:


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Frank2
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Y&T - eine kleine Huldigung

Beitrag von Frank2 » 27.10.2019 16:38

acore hat geschrieben:
27.10.2019 16:34
Und weiter geht es!
Struck Down (1978)

COVER

Veröffentlichung: Juni 1978

Besetzung:
Dave Meniketti – vocals, guitar
Joey Alves – guitar, vocals
Phil Kennemore – bass, vocals
Leonard Haze – percussion, drums, vocals

Tracklist:
"Struck Down" (Dave Meniketti, Leonard Haze) – 4:33
"Pleasure in My Heart" (Meniketti, Haze) – 4:44
"Road" (Meniketti, Haze) – 2:58
"Nasty Sadie" (Haze, Joey Alves, Meniketti) – 3:48
"Dreams of Egypt" (Haze, Meniketti) – 4:14
"Tried to Show You" (Meniketti) – 3:43
"I'm Lost" (Meniketti, Phil Kennemore, Haze) – 2:59
"Stargazer (Round & Round)" (Kennemore) – 4:36

Auch wenn man mit Jimmy Robinson diesmal Unterstützung bei der Produktion hat, ist klanglich keine Wendung zum Besseren zu verzeichnen, eher im Gegenteil. Immerhin klingt Dave von der Stimme her eindrucksvoller als auf dem Debüt. Der Titelsong als Opener ist mir für meinen Geschmack etwas zu vertrackt und wenig eingängig, dafür sind einige schöne Gitarrenmelodien dabei. „The Road“ ist dann der erste richtige Uptempo-Kracher, mit einigen richtig gelungenen Gitarrenduellen. „Dreams Of Egypt“ hat einen gelunges Dum-Intro, ein tolles Solo, nur auf einen einprägsamen Refrain wartet man vergeblich. Den bekommt man beim nachfolgenden „Tried To Show You“ (teilweise von weiblichem Hintergrundgesang unterstützt) schon eher. Zudem lebt das Lied von seinem treibenden Rhythmus. Das balladesk beginnende „Stargazer (Round & Round)“ steigert sich nach knapp zwei Minuten zu einer wahren Rock-Orgie und Dave tobt sich richtig an seiner Gitarre aus, bis wieder der mehrstimmige Gesang einsetzt und das Tempo gedrosselt wird. Zum Schluss wird wieder abgerockt, bis zum leider völlig überflüssigen Fadeout. Man hat irgendwie das Gefühl, dass da noch was fehlt. Dem Namensvetter von Rainbow kann das Lied natürlich nicht das Wasser reichen.

Eine richtige Steigerung zum Debüt ist nicht festzustellen. Wieder sind einige gute Lieder enthalten, denen aber reichlich Durchschnittsware zur Seite steht. Aber immerhin verschont man uns diesmal vor einem völligen Rohrkrepierer wie „Alcohol“ auf der ersten Scheibe. Bleibt bei 6,5/10.


Weitere 70er Frühwerke:


Danach ging es dann gottlob richtig los :wink:

Perry Rhodan
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Re: Der A(OR)Core-Thread: Uriah Heep - Return To Fantasy

Beitrag von Perry Rhodan » 27.10.2019 17:08

acore hat geschrieben:
23.05.2011 22:53
High And Mighty (1976)

COVER

Veröffentlichung: Mai 1976

Besetzung:
David Byron: Vocals
Mick Box: Lead Guitar, Acoustic Guitar, 12 String Acoustic Guitar
Ken Hensley: Organ, Piano, Moog, Synthesizer, Tubular Bells, Electric Piano, Guita, Slide Guitar, Acoustic Guitar, Electric 12 String Guitar, Pedal Steel Guitar, Vocals
Lee Kerslake: Drums, Percussion, Vocals
John Wetton: Bass, Guitar, Mellotron, Electric Piano, Vocals

Kaum vom Tourleben zurück wurde mit der gleichen Besetzung das nächste Album angegangen. Allerdings hatte die Band gar keine Kompositionen fertig, so dass mehr oder weniger komplett auf Hensley-Lieder zurückgegriffen wurde. Bron war zu dem Zeitpunkt in mehrere andere Projekte involviert (u.a. sein Executive Express air-taxi service), so dass er erstmals nicht selbst hinter den Reglern stand. Stattdessen produzierte die Band selbst mit Ashley Howe und Peter Gallen als Engineers. Insgesamt wurde die ganze Arbeit aber mehr ein Hensley-Solo-Album mit Beteiligung der Bandmitglieder. Mick gab zu, dass nur einige wenige Gitarren-Parts auf dem Album von ihm stammten. Dafür harmonierten Wetton und Hensley perfekt im Roundhouse-Studio in London, während der Rest der Band wohl mehr Zeit im Pub als an den Instrumenten verbracht haben dürften. Dazu kam noch eine kräftige Portion Durchgeknalltheit, so sang z.B. David auf dem Boden liegend in Lees Schlagzeug Mikro bzw. Backgroundgesang wurde durch Klavierseiten eingeträllert. Als Bron zufällig David in die Tom-Toms singend auf dem Boden sah, erklärte er alle für verrückt und verließ umgehend das Studio. Entsprechend vernichtend ist auch Gerry Brons Urteil über das Album, das er für das schlechteste Album ihrer Karriere hält. Dass die Band in den Background Vocals von „Woman Of The World“ auch noch ein „You can take the contract and stick it up your flue” einschmuggelte, viel ihm zum Glück vor der Veröffentlichung gar nicht auf.

Im Endeffekt wurde die Platte nicht einmal in Amerika veröffentlicht und verkaufte sich auch im Rest der Welt sehr schlecht. Das war einfach zu viel Hensley und zu wenig Uriah Heep für die Fans. Oder wie Box meint: „It was less of the ’eavy and more of the ’umble“. Das absolut grottige Cover dürfte zudem auch nicht gerade verkausfördernd gewesen sein.


Die Lieder:

1. One Way Or Another (Hensley)
Der Opener weiß gleich zu überraschen, denn hier ist John Wetton statt David Byron zu hören. David lag mit Windpocken im Bett und John sang probeweise eine Gesangsspur ein, die David so gut gefiel, dass er meinte, man sollte sie so verwenden, wie sie war. Darüberhinaus überzeugt das Lied mit einem ordentlichen Groove.

2. Weep In Silence (Hensley/Wetton)
Das ruhige Epos stellt das absolute Highlight auf dem Album dar. Wunderschöne Gitarrenmelodien und gefühlvoller Gesang von David runden das Werk ab, das gerne übersehen wird, wenn es um die besten Lieder in der Bandkarriere geht.

3. Mysty Eyes (Hensley)
Auch das Lied kann auf der Habenseite verbucht werden, selbst wenn hier das Hauptmanko der Platte immer deutlicher zu Tage tritt: alles ist viel zu brav, keine donnernde Gitarren, kaum Power, so dass viel gute Ansätze wie der originelle Refrain einfach verpuffen.

4. Midnight (Hensley)
Noch ein episch angehauchter Track, dem etwas der Saft fehlt. Die Gitarrenmelodie ist wieder wunderschön, dafür schwächelt der Chorus.

5. Can’t Keep A Good Band Down (Hensley)
Belangloses Liedchen mit Boogie-Touch und cheesy Chorus. Nicht mein Ding.

6. Woman Of The World (Hensley)
Zu Beginn rechnet man noch mit einem flotten Rocker, der aber nach ein paar Sekunden in schreckliches Gedudel umschlägt und einen der scheußlichsten Refrains der Bandgeschichte zu bieten hat. Teilweise scheint hier auch Donald Duck den Gesang übernommen zu haben, obwohl er gar keine Credits dafür bekommen hat.

7. Footprints In The Snow (Hensley)
Was wie eine lahme Ballade beginnt, wird dann doch noch etwas flotter, wirkt aber irgendwie zerrissen und wie Stückwerk.

8. Can’t Stop Singing (Hensley)
Schlagergedudel zum Skippen. Jetzt sind sie wirklich von allen guten Hardrock-Geistern verlassen. Das ist absolut jenseits meiner Schmerzgrenze.

9. Make A Little Love (Hensley)
So rock ‘n’ rollige Nummern finden man auch gelegentlich auf den Solo-Alben von Ian Gillan. Nur in gut. Ein absolut verzichtbares Lied.

10. Confession (Hensley)
Die obligatorische Ballade gibt es dann zum Abschluss. Kein zweites “Rain“ und schon gar kein “Come Away Melinda“, sondern eher Kitsch als Emotionen.

Bonustracks

11. Name Of The Game (Hensley) (Previously unreleased version. Out-take from High And Mighty Sessions)
Dass man gerade das Lied nicht auf das Album gepackt hat, verstehe wer will. Endlich Gitarren, schön schleppender Rhythmus und ein mächtiger Chorus. Das wäre neben “Weep In Silence“ klar das Highlight gewesen. Außerdem ist es das Lied, das dem normalen Band-Sound am nächsten kommt.

12. Sundown (Hensley) (Previously unreleased version. Out-take from High And Mighty Sessions)
Das Lied wäre auf der 2. Seite der Schallplatte nicht negative aufgefallen. Es war wohl ursprünglich als Rückseite einer Single vorgesehen, die dann nie das Licht der Welt erblickt hat. Trotzdem das bisher schlechteste “Sun“-Lied (verglichen mit Sunrise oder Sunshine).

13. Weep In Silence (Hensley/Wetton) (Extended Version – previously unreleased)
Die verlängerte Fassung schlägt locker jeden Ton des kompletten regulären Albums. Schade, dass man die Kurzversion verwendet hat.

14. Name Of The Game (Hensley) (Previously unreleased version)
Frühe Version des Liedes, als es noch eine Hensley-Solo-Nummer war. Hier kann man gut vergleichen, wie sich die Nummer entwickelt hat. Eine leicht abgewandelte Fassung ist auch auf der Hensley-Solo-CD “From Time To Time“ zu finden.

15. Does Anything Matter (Hensley) (Previously unreleased demo version)
Wie beim Vorgänger ein Hensley-Demo, das später zu “Woman Of The World wurde. Rest s.o.

16. I Close My Eyes (Hensley) (Previously unreleased demo version)
Und noch eine Hensley-Solo-Demo-Nummer. Eine schöne Piano-Ballade, die vielleicht auf dem nächsten Uriah Heep Album gelandet wäre, wenn Byron nicht aus der Band geflogen wäre.

17. Take Care (Hensley) (Previously unreleased demo version)
Ein weiteres Hensley-Demo, das später zu „Footprints In The Snow“ mutierte. Rest siehe 14 und 15.

18. Can’t Keep A Good Band Down (Hensley) (Previously unreleased edited version)
Wahrscheinlich war dieser Edit für einen Single-Release in UK vorgesehen, was aber nie ungesetzt wurde. Tatsächlich verhinderte Gerry Bron, dass überhaupt eine Single des Albums in Großbritannien veröffentlicht wurde.

Ein schwieriges Album. Die A-Seite hat durchaus ihre guten bis überragenden (“Weep In Silence“) Momente, aber die Rückseite ist schon schwer zu ertragen. Hinzu kommt die viel zu zahme Produktion. Dass für viele zu wenig Uriah Heep auf der Platte zu hören ist, kann ich nachvollziehen. Auch für mich eine der schwächsten Veröffentlichungen. Vielleicht wäre mehr drin gewesen, wenn die Band nicht selbst produziert hätte. 7/10

Gemischtwarenladen:

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Ergänzung zu "High & Mighty". Ken Hensley wollte dass David Byron nach der "Return to Fantasy"-Tour gefeuert wird. Byron hatte während eines Konzerts in den USA stockbesoffen das Publikum beschimpft.
Hensley konnte sich aber nicht durchsetzen. Bron ließ ihm (Hensley) dafür alle Freiheiten bei den
Aufnahmen zu "High And Mighty". Das Album ist einfach zu wenig Heep und zu viel Pop (Pop/Rock).
Neben `Weep in silence` hat John Wetton auch bei `Footprints in the snow` mitgeschrieben/komponiert.
David Byron war sehr unzufrieden mit dem Sound und der Platte, was er ständig allen unter die Nase rieb. Das führte dann auch u.a. zu seinem Rauswurf. David hat sein damaliges Standing in der Band offenbar falsch eingeschätzt (oder er war einfach zu betrunken).
Zuletzt geändert von Perry Rhodan am 27.10.2019 17:45, insgesamt 1-mal geändert.
"It's better to burn out than to fade away"

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