Giles Corey - Giles Corey

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Twinhilde
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Giles Corey - Giles Corey

Beitrag von Twinhilde » 29.01.2020 22:40

Giles Corey ist wie einer dieser Psychofilme, die dich mit Gänsehaut zurück und in jeder Ecke dunkle Schatten sehen lassen. Nicht unbedingt beim ersten Hören, aber spätestens wenn man sich etwas intensiver damit beschäftigt.

Das Album ist ein Seitenprojekt Dan Barrett's, Mitglied der Band "Have a Nice Life".
Es fällt mir schwer es zu beschreiben, da es, mit jedem Körnchen Wissen um den Hintergrund, unerträglicher wird.

Zum Stil...
Da bin ich mal wieder überfragt! Die Tags auf bandcamp sagen black folk, dark folk und industrial folk. :ka:
Da liest man verschiedenste Dinge... Minimalistische Ambient Elemente usw.

https://gilescorey.bandcamp.com/album/giles-corey

Aufmerksam wurde ich durch den ersten Song "The Haunting Presence" der sehr heraussticht, düster und zermürbend.
Ab dem zweiten Song wirkt es fast ermutigend...

Ich will gar nicht zu jedem Song ausführlich was schreiben, aber ein paar Infos machen das Album erst zu dem, was es ist:
Spoiler:
Giles Corey, ein Bauer der den Hexenprozessen von Salem zum Opfer fiel, hatte die Wahl, entweder erhängt oder von Steinen erdrückt zu werden. Er wählte zweiteres.
Von diesem grausamen Akt handelt dieser Song.

MMn schreit Dan Barrett hier aber auch seine persönliche Verzweiflung heraus. Er litt (leidet?) unter starken Depressionen, die er - sowie seinen Selbstmordversuch - auf dem kompletten Album thematisiert und verarbeitet.
Das Album ist unfassbar düster und traurig in seiner Thematik, aber musikalisch - ab dem zweiten Song - irgendwie einlullend, beruhigend und hoffnungsvoll. Argh... Das klingt total wirr, oder? Aber so ist es vielleicht auch, wenn man unter Depressionen leidet? Hoffnungslosigkeit, die sich immer wieder mit Lichtblicken abwechselt. Die Hoffnung trotz tiefer Traurigkeit das Leben zu meistern und es zu genießen.
So verstehe ich das Album zumindest.

Gerade das letzte Lied wirkt total positiv auf mich, obwohl Textzeilen des ersten Songs aufgegriffen werden, die am Anfang des Albums noch für Gänsehaut sorgen.

There's a devil on my back
There's a devil on my legs
There's a devil on my chest
There's a devil on my neck

Erster Song: Der Teufel steht für die Steine, die Giles Corey zerquetschen.
Letzter Song: Der Teufel steht für die Depression die schwer auf Dan Barrett lastet, die er aber annimmt, mit ihr lebt und umgehen muss. Tja... Die Depression ist nunmal da, aber hey... Machen wir das Beste draus. So halt... (Ich bin mir durchaus bewusst, dass es leider oft nicht so funktioniert.)

Wie schon erwähnt ist alles an dem Album etwas widersprüchlich. Text und Musik passen nicht zusammen, ergeben aber trotzdem Sinn. :kratz:
Die von mir beschriebene, fast positive Stimmung wird immer wieder durch eingespielte EVP Aufnahmen zerrissen.
Und zu wissen, um was für Geräusche es sich handelt - natürlich glaube ich nicht daran - bringt insgesamt mit der ganzen Thematik des Albums eine Stimmung mit sich, die nur schwer abzulegen ist, da hat man tatsächlich eine Weile dran zu knabbern.
With my feet upon the ground
I lose myself between the sounds
And open wide to suck it in
I feel it move across my skin

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Re: Giles Corey - Giles Corey

Beitrag von Rivers » 02.02.2020 19:56

Ganz schön verstörend. :D Aber v.a.: Ein 150 Seiten Booklet! Wow.

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Twinhilde
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Re: Giles Corey - Giles Corey

Beitrag von Twinhilde » 03.02.2020 15:36

Rivers hat geschrieben:
02.02.2020 19:56
Ganz schön verstörend. :D Aber v.a.: Ein 150 Seiten Booklet! Wow.
Ja, genau. Das hatte ich vergessen zu erwähnen.
Der Download umfasst das 150-seitige Buch, das mit Texten, Bildern und der Album-Hintergrundgeschichte im PDF-Format gefüllt ist. (Bandcamp)
Bist du eigentlich über den zweiten Song hinaus gekommen? :D
With my feet upon the ground
I lose myself between the sounds
And open wide to suck it in
I feel it move across my skin

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