BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Human Touch)

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KnitterRitter
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Born to Run)

Beitrag von KnitterRitter »

Thunderforce hat geschrieben:Und es ist einfach auch die Definition von Rock. Das Album würde ich jemandem vorspielen, der noch nie Rockmusik gehört hat und diese kennenlernen will.
Da bin ich nicht so sicher, denn so typisch Rock ist das Album meiner Meinung nach nicht. Wie gesagt, sehr Piano-lastig, sehr ausschweifend produziert, und irgendwie klingt die Platte ein wenig konstruiert, d.h. sehr detailliert arrangiert und eher wenig spontan.

Ich finde da den Nachfolger deutlich typischer Rock, weil es mehr nach einer Live-Band klingt, man die einzelnen Instrumente stärker heraushört (und nicht wie oft auf Born to Run man es wie ein einziges riesiges Instrument empfindet), und es rockt halt auch einfach mehr.

Da ist das eine weder besser noch schlechter als das andere, es ist halt einfach völlig anders. Mehr typisch "Rock" ist mMn aber "Darkness..."
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costaweidner
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Born to Run)

Beitrag von costaweidner »

KnitterRitter hat geschrieben:
Thunderforce hat geschrieben:Und es ist einfach auch die Definition von Rock. Das Album würde ich jemandem vorspielen, der noch nie Rockmusik gehört hat und diese kennenlernen will.
Da bin ich nicht so sicher, denn so typisch Rock ist das Album meiner Meinung nach nicht. Wie gesagt, sehr Piano-lastig, sehr ausschweifend produziert, und irgendwie klingt die Platte ein wenig konstruiert, d.h. sehr detailliert arrangiert und eher wenig spontan.

Ich finde da den Nachfolger deutlich typischer Rock, weil es mehr nach einer Live-Band klingt, man die einzelnen Instrumente stärker heraushört (und nicht wie oft auf Born to Run man es wie ein einziges riesiges Instrument empfindet), und es rockt halt auch einfach mehr.

Da ist das eine weder besser noch schlechter als das andere, es ist halt einfach völlig anders. Mehr typisch "Rock" ist mMn aber "Darkness..."
Ich wollte dir eigentlich gerade Recht geben, weil ich es nachvollziehen kann, aber habe dann gemerkt, dass ich das anders sehe. *g*

Alleine wie der Titelsong lospoltert oder wie sowas Durchkomponiertes wie 'Jungleland' klingt wenn es etwas mehr nach vorn geht hat für mich so eine totale Sturm-und-Drang-Attitüde, dass ich zwar weiß wie detailliert es arrangiert wurde, aber es trotzdem spontan für mich klingt.
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NegatroN
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Born to Run)

Beitrag von NegatroN »

David Lee Hasselhoff hat geschrieben:
Spoiler:
...höre mir jetzt Born to Run an. Ich glaube, Bruce und ich kommen in diesem Leben nicht mehr zusammen. Das vertonte "früher war alles besser" und unglaublich schwer- und selbstgefällig. Wie man darin Rock'n'Roll erkennen kann erschließt sich mir nicht. Trotzdem - ...
Ich kann beide Punkte überhaupt nicht nachvollziehen, vor allem aber den roten nicht. Ich kenne keinen einzigen Song von ihm, der das textlich vermitteln würde. Auch musikalisch nicht. Die Songs sind oftmals Produkte ihrer Zeit, referenzieren aber nie vergangenes oder haben eine Retro-Touch. Das hat Springsteen auch selber nie interessiert.
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David Lee Hasselhoff
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Born to Run)

Beitrag von David Lee Hasselhoff »

NegatroN hat geschrieben:
David Lee Hasselhoff hat geschrieben:
Spoiler:
...höre mir jetzt Born to Run an. Ich glaube, Bruce und ich kommen in diesem Leben nicht mehr zusammen. Das vertonte "früher war alles besser" und unglaublich schwer- und selbstgefällig. Wie man darin Rock'n'Roll erkennen kann erschließt sich mir nicht. Trotzdem - ...
Ich kann beide Punkte überhaupt nicht nachvollziehen, vor allem aber den roten nicht. Ich kenne keinen einzigen Song von ihm, der das textlich vermitteln würde. Auch musikalisch nicht. Die Songs sind oftmals Produkte ihrer Zeit, referenzieren aber nie vergangenes oder haben eine Retro-Touch. Das hat Springsteen auch selber nie interessiert.
Ja, das ist zugegebenermaßen ein sehr subjektives Empfinden. Rein musikalisch seh ich schon einige Reminiszenzen an die 50er und 60er. Ansonsten singt er ja gerne von Leuten, deren gegenwärtige Situation eher ungemütlich ist. Abhanden gekommene Träume, pipapo. "Mary met Jonny, they were mad for each other, now everything is crap since she slept with his brother". Oder so ähnlich. In den Texten ist's eben nicht nur "heute" kacke, es wird schon oft suggeriert, dass es früher eben nicht so war. In Kombination mit dem klagenden Gesang und der Instrumentierung empfinde ich das meistens als ziemlich sentimental. Dazu kommt dann noch Max Weinbergs Spiel. Ich erspare mir zum Scheitern verurteilte Erlärungsversuche. Es bringt mich schlicht und einfach auf die Palme. Ich find es selbstgefällig :|

Nun ja. Wie dem auch sei. Ich werd hier weiter mitlesen und vielleicht packt's mich ja doch noch. Die Reviews machen jedenfalls Appetit!
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Born to Run)

Beitrag von GoTellSomebody »

Eigentlich geht es bei Springsteen immer eher um die Zukunft, und wenn um die Vergangenheit, dann darum ob es in Zukunft besser wird, ob man eine Chance hat etwas zu verbessern, Vergangenes zu vergessen oder aus seinen Fehlern zu lernen. Er ist halt ein realistisch-pessimistischer Philanthrop.
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Born to Run)

Beitrag von NegatroN »

David Lee Hasselhoff hat geschrieben:Ja, das ist zugegebenermaßen ein sehr subjektives Empfinden. Rein musikalisch seh ich schon einige Reminiszenzen an die 50er und 60er.
Klar, da ist er eben selber musikalisch sozialisiert worden (bzw. hat selber schon Musik gemacht). Davon kann man sich nicht völlig lösen.

David Lee Hasselhoff hat geschrieben:Ansonsten singt er ja gerne von Leuten, deren gegenwärtige Situation eher ungemütlich ist. Abhanden gekommene Träume, pipapo. "Mary met Jonny, they were mad for each other, now everything is crap since she slept with his brother". Oder so ähnlich. In den Texten ist's eben nicht nur "heute" kacke, es wird schon oft suggeriert, dass es früher eben nicht so war.
Beim ersten Teil gehe ich mit, beim zweiten nicht. Ein früher war alles besser lese ich da in keiner Phase raus. Es passt auch weder zu seiner eigenen Biographie noch zu seiner Sichtweise.
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Greetings From Asbury Park, N.J.)

Beitrag von KingFear »

NegatroN hat geschrieben:
KingFear hat geschrieben:Werd hier auch mal mitlesen, da ich die Autobiographie gehört hab. (Bei der allerdings auffällig ist, dass die Entstehung der ersten Handvoll Alben sehr detailliert beschrieben ist, und dem Boss danach selbst ein bisschen die Begeisterung für sein eigenes Werk abgeht.)
...
Über welche Projekte sprichst du im Nachhinein ausführlich? Über die, die locker gelaufen sind oder über die, dich Monate voller Schweiß und Tränen gekostet haben?
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Greetings From Asbury Park, N.J.)

Beitrag von NegatroN »

KingFear hat geschrieben:
NegatroN hat geschrieben:
KingFear hat geschrieben:Werd hier auch mal mitlesen, da ich die Autobiographie gehört hab. (Bei der allerdings auffällig ist, dass die Entstehung der ersten Handvoll Alben sehr detailliert beschrieben ist, und dem Boss danach selbst ein bisschen die Begeisterung für sein eigenes Werk abgeht.)
...
Über welche Projekte sprichst du im Nachhinein ausführlich? Über die, die locker gelaufen sind oder über die, dich Monate voller Schweiß und Tränen gekostet haben?
My point exactly.
Verstehe ich nicht. Begeisterung ist nicht gleichbedeutend damit, dass ich um etwas ringen muss. Ich kann auch von etwas begeistert sein, was mir sehr leicht gefallen ist. Nur hab ich dann vielleicht nicht viel dazu zu erzählen.
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Born to Run)

Beitrag von KingFear »

Vielleicht, aber in diesem Fall scheinen mir "Blut, Schweiß und Tränen", musikalische Qualität, Quantität der (Selbst-)Beschreibung, sowie Begeisterung dafür Hand in Hand zu gehen. Ich bin weit davon entfernt, ein Boss-Experte wie du zu sein, aber dass Human Touch/Lucky Town eine Zäsur in seinem Schaffen darstellen, dürfte unstrittig sein. Und das spiegelt sich halt auch in der Autobiographie wieder.
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Born to Run)

Beitrag von KnitterRitter »

KingFear hat geschrieben:Vielleicht, aber in diesem Fall scheinen mir "Blut, Schweiß und Tränen", musikalische Qualität, Quantität der (Selbst-)Beschreibung, sowie Begeisterung dafür Hand in Hand zu gehen. Ich bin weit davon entfernt, ein Boss-Experte wie du zu sein, aber dass Human Touch/Lucky Town eine Zäsur in seinem Schaffen darstellen, dürfte unstrittig sein. Und das spiegelt sich halt auch in der Autobiographie wieder.
Naja, ich denke sein Songwriting hat sich ab Born in the USA eher recht konstant hin zu seichteren, poppigeren Klängen entwickelt. Ich würde eher sagen, nach Tunnel of Love ist vor allem privat bei ihm viel passiert, was die Musik zum einen natürlich beeinflusst, aber sie auch ein wenig in den Hintergrund gerückt hat.
Nicht umsonst ist "Human Touch", das über diese recht lange Zeit hinweg entstanden ist, von der es auch noch eine Menge unveröffentlichtes Material gibt (das meiste davon auch keine Offenbarung), um einiges belangloser und schlicht schwächer als das zwar zeitgleich erschienene, aber quasi innerhalb einer Woche geschriebene und deutlich bessere "Lucky Town".

Früher hatte er außer der Musik quasi nichts, und er hatte in den musiklosen Phasen damals auch arge Probleme, mit sich selbst und der Welt klarzukommen. Das hat sich Anfang der 90er mit Frau und Kindern geändert, und das hört man natürlich auch in den Songs.

Und dass er in der Biographie auf die "große Phase" bis 1986 mehr Gewicht legt, ist nun nicht gerade verwunderlich. Und um ein Gegenbeispiel zu nennen: Wenn ich mich richtig erinnere, beschreibt er seine Arbeit an "Ghost of Tom Joad" ziemlich ausführlich, während "Nebraska" recht schnell abgehandelt wird.
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Born to Run)

Beitrag von KingFear »

Is' gut jetzt.
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Born to Run)

Beitrag von NegatroN »

KingFear hat geschrieben:Vielleicht, aber in diesem Fall scheinen mir "Blut, Schweiß und Tränen", musikalische Qualität, Quantität der (Selbst-)Beschreibung, sowie Begeisterung dafür Hand in Hand zu gehen. Ich bin weit davon entfernt, ein Boss-Experte wie du zu sein, aber dass Human Touch/Lucky Town eine Zäsur in seinem Schaffen darstellen, dürfte unstrittig sein. Und das spiegelt sich halt auch in der Autobiographie wieder.
Wir sind da gar nicht so weit auseinander. Ich störe mich nur ein wenig an dem Begriff "Begeisterung". Er bezeichnet ja z.B. Wrecking Ball ganz explizit als eines der besten Alben, die er je geschrieben hat. Da höre ich keinen Mangel an Begeisterung.

Aber damit ist es auch gut.
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Born to Run)

Beitrag von costaweidner »

KingFear hat geschrieben:Is' gut jetzt.
*freu* @ Eingeschnapptheit
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Born to Run)

Beitrag von Darth_Kai »

Ich hab mir vor einigen Tagen aufgrund der tollen Reviews hier einfach mal und Born to run und Born in the USA geholt und bin schwer begeistert.
Die Alben dazwischen kommen so schnell wie möglich auch noch ins Haus.

Ich glaub Downbound Train läuft derzeit ca. 15 mal am Tag. :clown:
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Re: BRUCE SPRINGSTEEN - Eine Werkschau (aktuell: Born to Run)

Beitrag von Frank2 »

Darth_Kai hat geschrieben:Ich hab mir vor einigen Tagen aufgrund der tollen Reviews hier einfach mal und Born to run und Born in the USA geholt und bin schwer begeistert.
Die Alben dazwischen kommen so schnell wie möglich auch noch ins Haus.

Ich glaub Downbound Train läuft derzeit ca. 15 mal am Tag. :clown:
Trotz all der anderen Hits ist "Downbound Train" definitiv auch mein
absoluter Favorit auf "Born in the USA".
Ein unglaubich eindringlicher Song, der mich auch heute noch immer
wieder zutiefst berührt.
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